Schulisches Handyverbot – realitätsnah?

Hallo Welt,

als Schülerin erlebe ich tagtäglich hautnah etwas, das sich Handyverbot nennt. Das kümmert allerdings die wenigsten Schüler und Lehrer. Trotzdem ist die Nutzung des Handy laut Hausordnung verboten, neuerdings kennt meine Schule sogar das Wort „Smartphone“ dafür. Das ist beeindruckend für eine Schule, in der man 4 Computer für die gesamte Schülerschaft bereit stellt. Es waren einmal 6, aber da sich niemand um die Wartung kümmert, passiert da auch nicht viel. Was die technische Ausstattung angeht, sind wir also nicht gerade weit vorne. Da ist ein Handyverbot eigentlich gar keine großartige Überraschung mehr. Leider ist die Entwicklung oder eher diese Versteifung im ganzen Bildungsbereich zu beobachten.

Es besteht also noch immer der Wunsch, das Smartphone oder veraltet Handy genannt zu verteufeln, aus dem Unterricht zu halten, am liebsten gar nicht in der Schule zu sehen. Weil böse. Weil lenkt zu sehr ab. Weil Schüler zu viel auf das Ding in der Hand starren. Weil Gefahr der Onlinesucht. Weil Cybermobbing möglich. Und natürlich Pornos. All diese Probleme werden aber nicht gelöst, indem man die Handynutzung einfach verbietet. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Schüler durchaus in der Lage sind, Smartphones so zu halten und dann zu nutzen, dass Aufsichtspersonen das meistens nicht mit bekommen. Probleme nicht gelöst, sondern teilweise sogar noch verstärkt und Handy aus dem Unterricht verbannt weil böse. Eigentlich ist es als Schüler sehr schwer nachzuvollziehen, warum dieses kleine Ding, das man in der Hand hält, böse sein soll, wenn damit doch so viel Wissen abrufbar wird. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen haben ich mich im Unterricht so schlecht informiert gefühlt, dass es ein Leichtes war, Wikipedia, Spektrum oder eine andere Seite zu öffnen, um mir das erklären zu lassen, wenn auf meine Fragen ein „Weiß ich selbst nicht“ geantwortet wurde. Wissenslücken, auch Seiten des Lehrers, könnten damit problemlos recherchiert werden, was zum Glück auch der ein oder andere trotz geltendem Handyverbot zulässt. Vermutlich einer der Privilegien der Oberstufe. Apropos Oberstufe. Das sind Menschen, die bald auf die Universität und Berufswelt losgelassen werden, die bald volljährig werden oder es schon sind. Da finde ich es persönlich etwas lächerlich, die Smartphonenutzung komplett zu verbieten. Auto fahren, Verträge unterzeichnen, heiraten und wählen wird uns zugetraut, aber über die Nutzung unseres Handys entscheiden? In dem Alter sollte jeder selbst wissen, wie viel Handykonsum man sich zumuten kann und trotzdem noch im Unterricht aufpassen kann. Und selbst wenn nicht, wird man es spätestens in der nächsten Kursarbeit erfahren. Und wenn dann diese Kursarbeit noch relevant für’s Abitur ist, gerade dann wissen die meisten, wie viel Handy vertretbar ist und wie viel nicht. Der Großteil ist freiwillig in der Oberstufe, wir könnten jederzeit gehen und beispielsweise eine Ausbildung beginnen. Ein bisschen Entscheidungsfreiheit könnte man uns da schon zutrauen, oder?

Generell wäre statt einem pauschalen Verbot der Einsatz zum Lernen mit einem Smartphone und generell Computern sinnvoll. Wie heißt die Vokabel nochmal, wie sieht der Graph aus, ohne dass ich ihn selbst zeichnen muss, wie ist der aktuelle HDI von Deutschland und heißt es Gratwanderung oder Gradwanderung? Zugegeben, das lassen manche Lehrer aktuell sogar zu. Dann profitieren alle von der Technik, aber das ist eher die Ausnahme statt der Regel. Schließlich herrscht ja das generell Handyverbot. In der Theorie zumindest. Daran hält sich nur fast niemand. Einige Lehrer legen ihr eigenes Handy sogar offen auf den Tisch und linsen bei einer angekommenen Nachricht mal ab und zu rüber, während wieder andere den kleinen Helfer dämonisieren und darüber reden, wie schön doch so eine Unterhaltung mit echten Menschen und nicht mit seinem Handy ist. Aber auch viele Schüler sehen es nicht ein, dass sie ihr Smartphone wegstecken sollen. Ich auch nicht. Meinen sozialen Kontakten in der Schule hat das nicht geschadet. Meinem Jahrgang geht es ähnlich. Wir sind bestens miteinander vernetzt, im Real Life wie im Internet. Durch das Internet sogar mit manchen mehr, als ich es im Real Life tun würde. So erfuhr ich, dass jemand, mit dem ich noch nie über das Thema geredet habe, sich sehr für die Rechte von geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten einsetzt. Dadurch konnte mich jemand fragen, wie ich das eigentlich mit meinen Haaren mache. Ach ja, und ich erfuhr von einem YouTube-Channel eines Mitschülers, weil Twitter mit das irgendwann mitteilte. Ähnlich könnte man auch Nachrichten in der Schule nutzen. So muss niemand jemanden suchen, der am anderen Ende der Schule Unterricht hat, weil man sich noch unbedingt was kopieren musste. Bei Gruppenarbeiten muss niemand mehr für sich selbst mitschreiben, weil in der nächsten Stunde ja jemand krank sein könnte. Ein Schulfach Medienkompetenz könnte über die Gefahren aufklären wie Cybermobbing, was so oder so stattfinden würde, ob Handyverbot oder nicht, so traurig die Realität in dem Fall auch ist, Onlinesucht, Pornographie und was eigentlich mit den eigenen Daten so passiert. Allerdings bin ich der Meinung, dass bei Kindern und Jugendlichen der Punkt Onlinesucht und Pornographie durch das Datenvolumen eingeschränkt werden, was dann sehr schnell weg wäre. Trotzdem kann eine Aufklärung im Zuge des Faches Medienkompetenz nicht schaden.

Es ist also schon längst an der Zeit, das sowieso schon veraltete Handyverbot aufzugeben. Ein pauschales Verbot verschlimmert die Probleme nur, weil sie überhaupt nicht mehr kontrollierbar werden. Ganz abgesehen davon halten sich die meisten, Schüler als auch Lehrer, sowieso nicht dran und damit geht es vollkommen an der eigentlichen Realität und heutiger Lebenswelt vorbei.

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