Alltagssexismus – Geschlechterklischees

Hallo Welt,

nachdem ich in einigen Posts zum Thema Alltagssexismus vorher gerne das Wort „Geschlechterklischee“ verwende und an keiner Stelle wirklich erklärt habe, will ich das an dieser Stelle nun zum einen nachholen, zum anderen will ich nochmals verdeutlichen, wie absurd es eigentlich ist, wenn die Gesellschaft jemandem je nach Geschlecht vorschreiben will, was er zu tun und wie er auszusehen hat. Generell ist natürlich zu sagen, dass kein Mensch aussehen muss, wie es ihm vorgeschrieben wird. Jede Person sollte in der Lage sein, sich selbst nach seinen Wünschen auszuleben und zu gestalten. Da gibt es leider nur einen Knackpunkt. Das gesellschaftliche Schönheitsideal steht dem des Öfteren im Weg, sodass dadurch ein gewisser sozialer Druck aufgebaut werden kann, wenn man es wagt, sich dem entgegenzustellen. Auf die Geschlechterklischees bezüglich nicht binären Menschen werde ich hier nicht eingehen, denn größtenteils existieren in dem Bereich (noch) keine Klischees. Allerdings zu dem Preis, dass ein Großteil der Gesellschaft noch immer der Meinung ist, dass es nur Mann und Frau gibt, was ja definitiv nicht der Fall ist. Ich persönlich bedauere diese Einstellung.

Aber was macht nun den perfekten Mann und die perfekte Frau aus? Der perfekte Mann sollte auf jeden Fall größer als seine Partnerin sein, muskulös, mit einem definitiv nicht zu langen Bart, vielleicht ein bisschen das Image, dass man ja böse ist, Frauen wollen ja schließlich erobert werden, natürlich neben seinem Macho-Image, dass er jede Frau haben kann, braucht er Familienfreundlichkeit, soll einmal der perfekte Vater werden, muss auf jeden Fall einen gut bezahlten Job haben, ganz oben auf der Karriereleiter sein und muss natürlich die Produkte benutzen, die eben nur echte Männer benutzen. Ach ja, natürlich muss er Sport, Bier und Fußball lieber und darf niemals weinen oder Schwäche zeigen. Dann wäre er ja kein echter Mann. Vom Aussehen her übernimmt David Beckham, der 2015 zum Sexiest Man Alive gewählt wurde, diese Voraussetzungen.

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Das ist also der Typ Mann, den jede Frau heiß und innig lieben muss. Selbst die Lesben, sonst wären die ja keine richtigen Frauen. Zum Glück tritt dieses homophobe Klischee, das eine Lesbe ja viel männlicher als alle anderen Frauen ist, immer weiter in den Hintergrund und kommt hoffentlich auch bald in der Bedeutungslosigkeit an. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert. Aber was ist nun die perfekte Frau? Sie ist entsprechend kleiner als ihr Göttergate, immer perfekt geschminkt und sieht trotzdem natürlich aus, lieb, zierlich, nett, auf jeden Fall höflich, hat langes, wallendes, im allerbesten Fall sogar naturblondes Haar, sonst ist ihr Körper blank, träumt davon, die Mutter seiner Kinder zu werden, kauft ihrer Tochter auf jeden Fall pinke Puppen und ihrem Sohn blaue Autos, zieht natürlich die Kinder hauptsächlich auf, damit ihr Mann seine perfekte Karriere nicht aufgeben muss, genauso kümmert sie sich hauptsächlich um den Haushalt, weil es beim Mann ja nicht geht, hat aber natürlich auch einen Job, macht sich ständig Sorgen um ihr Gewicht, obwohl ihr Körper natürlich vollkommen perfekt ist und liebt noch dazu ihren Garten und kann nicht aufhören mit shoppen, es ist einfach wie eine Sucht. Unsere Sexiest Woman Alive 2015 ist Emilia Clarke und stellt somit das äußerliche Ideal dar.

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An der Stelle denke ich, sollte ich erwähnen, dass diese beiden Menschen zwar ein von der Gesellschaft angestrebtes Ideal darstellen, das ich insgesamt als negativ bewerte, die Menschen in ihrem Aussehen allerdings nicht als negativ ansehe. Jeder Mensch hat das Recht, sein Aussehen nach seinen persönlichen Wünschen zu gestalten. Wenn die beiden genannten Personen nun einmal so aussehen wollen, wie sie aussehen, dann ist das ihr gutes Recht.

So, aber was passiert nun, wenn sich jemand gegen eines der Geschlechterklischees, die sich noch beliebig erweitern lassen, entscheidet, sei es nun gewollt, ungewollt oder bewusst, unbewusst? Diese Person wird schief angeschaut, darauf angesprochen, etc. Ungewöhnliche Dinge an Menschen werden sowieso oftmals angesprochen, denn was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. An der Stelle fasse ich gerne mal ein paar Klischees zusammen, die ich so ab und an schon bemerkt habe.

Frauen müssen auf jeden Fall BHs tragen, das ist sonst schlecht für die Gesundheit!

In diesem Fall geht es wirklich so weit, dass ich schon gehört habe, dass jemandem mit Brüsten Herzrhythmusstörungen ohne BH drohen. Abgesehen von der Tatsache, dass es wem auch immer auch egal sein kann, ob ich nun einen BH unter meiner Kleidung trage oder keine Lust darauf habe oder es wie bei mir aktuell Schmerzen verursacht, das Ding überhaupt anzuziehen, gibt es inzwischen genügend Studien und Belege, die zeigen, dass jemand mit Brüsten auch ohne BH überleben kann.

Frauen müssen Kurven und Brüste haben. Ein Mann braucht was zum Anfassen. Nur Hunde spielen mit Knochen. Und zu fett darf sie natürlich auch nicht sein, Big Mac bekomme ich bei Mecces!

Hier könnte man eigentlich alles nehmen, was irgendwie die Figur einer Frau beschreibt, die natürlich erotisierend sein muss, aber strengen Vorgaben folgen muss. Eine Frau ist übrigens jemand, der sich als Frau fühlt. Das ist nicht am Körbchen festzumachen. Jeder Körper ist ein guter Körper, sofern das Wohlfühlgefühl da ist. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

So ein Mann, der muss schon Muskeln haben und was Schweres packen können. Ich brauche keinen Strich in der Landschaft oder einen Fettsack!

Selbes Spiel, jeder, der sich in seinem Körper wohl fühlt, sollte sich von niemandem einreden lassen müssen, dass sein Aussehen falsch ist, weil es nicht schön ist. Was gesundheitliche Faktoren angeht, muss ich passen. Ich bin kein Mediziner und kann niemandem raten, was für den eigenen Körper gesund ist.

Männer dürfen sich nicht schminken, das ist voll homo und unmännlich!

Homophobie kommt auch noch oft im Zusammenhang mit solchen Aussagen auf. Schwule sind ja eher Frauen als Männer, genauso wie Lesben eher Männer als Frauen sind. Dass die Sexualität mal nichts mit den individuellen Präferenzen bezüglich der persönlichen Gestaltung des Aussehens zu tun hat, ist scheinbar egal. Jeder Mann hat genauso das Recht sich zu schminken, wie es normalerweise von Frauen erwartet wird.

Rasierte Beine bei Männern sind voll unmännlich! Alle Frauen müssen sich überall rasieren, sonst sind sie zu männlich!

Selbes Spiel wie vorher, mit Hygiene hat das übrigens auch nicht viel zu tun. Gut, ich gehöre sowieso zu den Frauen, die es nicht stört, ob sie nun an manchen Körperstellen behaart sind oder nicht, weil ich aus mir unerfindlichen Gründen an Armen und Beinen blond bin. Allerdings ist es bei jedem, egal ob nun schwarz, blond, lila oder was auch immer vollkommen egal, Hauptsache, der Person gefällt es.

Frauen dürfen sich nicht nackt zeigen, dann sind die ja voll billig!

Überraschung, eine leicht bekleidete oder nackte Frau ist kein Grund, sie irgendwie als billig oder leicht zu haben anzusehen. Sie selbst kann frei über ihr Sexualleben entscheiden und genau danach sollte sie auch niemand beurteilen. Es ist ihre Sache, es ist kein Grund, jemanden zu verurteilen, weil er sexuell offen und aktiv ist. Dadurch wird auch niemand beschmutzt und eine Vagina leiert sich dadurch nicht aus. Ein Mund leiert sich ja auch nicht dadurch aus, dass oft große Burger gegessen werden.

An dieser Stelle könnte ich natürlich noch viele weitere Klischees auflisten, die mir so begegnen und einfallen. Allerdings ist denke ich klar geworden, dass es vollkommen egal ist, wie ein Mensch sich gestaltet, es ist eine persönliche Sache. Klar, bei der (Sexual-) Partnerwahl spielen auch wieder die persönlichen Präferenzen mit, die der jeweils andere im Idealfall alle erfüllt. Allerdings sollte man die nicht jeder Person, die einem gerade über den Weg läuft, aufzwingen. Ich mag generell Menschen, die etwas ausgefallener sind, ich empfinde meistens bunte Haare als attraktiv, sofern es zu dem jeweiligen Menschen passt. Muss nun jeder meiner Meinung nach mit bunten Haaren durch die Welt laufen? Nö. Es ist meine persönliche Präferenz und die habe ich niemandem aufzuzwingen. Klar ist es super, wenn mein Gegenüber dies erfüllt und ich zufälligerweise in irgendeiner Art ein berechtigtes Interesse an seinem Aussehen habe, aber deswegen muss nun niemand meinem persönlichen Schönheitsideal entsprechen. Und mit dem gesellschaftlichen Ideal sollte es eigentlich genauso laufen.

Warum nicht einfach Sexismus verbieten?

Hallo Welt,

heute soll es mal um eine augenscheinlich einfache Lösung für ein komplexes Thema gehen. Wie vielleicht ab und an zu erkennen ist, finde ich Sexismus nicht gerade sehr erheiternd. Ich schreibe viel über Alltagssexismus, der mir immer mal wieder begegnet und gerade der ist mir ein besonderes Dorn im Auge, weil er auf bestimmten Rollenklischees aufbaut, die ich so nicht unterstützen kann und will. Ich mag diese Rollenklischees übrigens in keinem Bereich, also egal, ob jemand männlich, weiblich, nicht-binär, hellhäutig, dunkelhäutig, gut gebräunt, bildschirmgebräunt, katholisch, evangelisch, der Religion des fliegenden Spaghettimonsters angehörend, jüdisch, muslimisch, atheistisch, agnostisch, nihilistisch, homosexuell, asexuell, heterosexuell, pansexuell, omnivor, vegan, vegetarisch oder was auch immer ist, bleibt mir bitte mit Rollenklischees fern. Allerdings habe ich eine recht genaue Vorstellung von Sexismus und ziehe bei Sexismusbekämpfung auch irgendwo meine Grenzen. Sexismus meint zunächst eigentlich „nur“ die strukturelle Unterdrückung aufgrund des Geschlechts von Frauen, weil sie im Vergleich zu Männern immer noch ungleich behandelt werden. Da ich aber der Meinung bin, dass Männer genauso aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden können wie Frauen, sei es nun beispielsweise durch Geschlechterklischees, benutze ich den Begriff des Sexismus gerne für alle Geschlechter und definiere ihn auch entsprechend. Das sollte vielleicht auch gerade zu Beginn geklärt sein, dass alle Geschlechter meiner Meinung nach Sexismus erfahren können, wenn auch unterschiedlich.

Die Idee, Sexismus in irgendeiner Form zu verbieten, ist eigentlich gar nicht neu. So war des Öfteren schon in der Diskussion, dass Sexismus in Werbung verboten werden soll. Dass Frauen nicht auf ihre Sexualität und ihre sexuellen Gefälligkeiten reduziert werden sollten, ist, denke ich mal, nicht Thema. Dass das für unsere Gesellschaft meiner Meinung nach auf keinen Fall okay ist, ist klar. Dennoch ist die Werbung scheinbar ansprechend, sonst würde sie nicht gemacht werden und niemand würde das entsprechende Produkt kaufen. Werbung ist nun mal ein Spiegel der Gesellschaft und Produkte, die sexistisch beworben werden, kaufe ich letztlich nur eingeschränkt oder im besten Fall gar nicht. Das ist als Verbraucher meine Reaktion darauf. Dass diese Werbung allerdings produziert wird, hat den einfachen Grund, dass sie auch in der entsprechenden Zielgruppe beliebt ist. Den entsprechenden Konzernen allerdings zu verbieten, dass sie deswegen keine sexistische Werbung mehr verwenden dürfen, ist daher der falsche Weg. Wie ich bereits erwähnt hatte, ist alleine schon die Definition von Sexismus schwierig. Manche übertragen es nur auf Frauen, manche auch auf Männer und manche sehen in wirklich jedem Detail Sexismus, während es anderen wiederum schlicht und einfach egal ist. So kann in eine Frau, die von der Mehrheit als attraktiv und begehrenswert empfunden wird, im Bikini, die für ein Strandset wirbt, schon als sexistisch empfunden werden, während andere die Werbung von Redcoon als sexistisch sehen. Aus der Kategorie Sexismus gegen Männer habe ich auch noch was da.

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Also viele verschiedene Möglichkeiten, Sexismus zu sehen. Ich selbst sehe vor allem Alltagssexismus in Sachen, für die man vielleicht einen Moment länger nachdenken muss, aber nicht in Dinge, in die erst einmal noch eine ordentliche Portion Sexismus reininterpretiert werden muss, um mal ein Beispiel zu nennen, in die Tatsache, dass meistens nur biologische Frauen dazu in der Lage sind, schwanger zu werden. Beim Thema biologisches Geschlecht bin ich persönlich ja sowieso der Meinung, dass hier in bestimmten Bereich unterschieden werden muss. Beim Arzt zum Beispiel. Hört sich vielleicht blöd an, aber im Bereich der Medizin kann das biologische Geschlecht tatsächlich relevant werden. So zeigt sich beispielsweise ein Herzinfarkt bei Frauen im Schnitt mit anderen Symptomen als bei Männern. Allerdings ist das gesellschaftlich gesehen irrelevant und medizinische Informationen sind vor allem eines, sensible und private Daten. Um es noch überspitzter darzustellen und es noch höher zu treiben, männliche Homosexuelle sind auch keine Sexisten, weil sie sich nun einmal nicht zu Frauen hingezogen fühlen und alleine die Existenz von Männern ist auch nicht sexistisch. Genau überspitzt, zurück zum Ernst. Da scheitert solch ein Werbeverbot als erstes dran, es ist schwer zu sagen, was nun zu sexistisch ist und was noch in Ordnung ist. Der Gesetzesentwurf spricht ja erst einmal von sexualisierter Darstellung. Dass eine Werbung für Sexarbeiter vermutlich gerade die sexuellen Vorzüge betont, ist klar, und bildet vermutlich wieder die Ausnahme, die ich mir als erstes herausgepickt habe. Sexualisierte Darstellung von Menschen, reduziert auf deren Geschlecht, mag ich generell nicht. Wenn wir nun aber sexualisierte Werbung hätten, die nicht auf das Geschlecht des Menschen abzielen und auch nicht von Geschlechterstereotypen geprägt sind, so wäre es mir egal. Vielleicht würde ich die Werbung doof finden. Vielleicht aber auch gut, weil es so wenig von dieser idealisierten Art der Werbung gibt. Ein Verbot von sexistischer Werbung sorgt vermutlich auch eher dafür, dass das Thema nicht ernst genommen wird und eine gewisse Zensur der Werbung stattfindet. Ich finde es auch nicht schön, wenn sexistische Werbung gezeigt wird, aber da es offenbar einen Markt dafür gibt und es immer noch Sexismus gibt, hilft ein Verbot, das zu zeigen, meiner Meinung nach nicht weiter, wenn es immer noch die Rollenklischees gibt, wie Mann und Frau sich verhalten müssen. Nicht-binäre ausgenommen, weil die laut Klischee ja sowieso nicht existieren und nur etwas besonderes sein wollen. Damit wird höchstens eine Verbreitungsart ausgenommen, die aber sowieso nicht im Vordergrund steht, weil meistens die Sozialisation eine verdammt wichtige Rolle spielt und nicht die Werbung.

Ein Verbot von Sexismus in der Werbung erachte ich also als nicht sinnvoll, wie ist es dann mit einem generellen Verbot von Sexismus? Das kann man sich ja eigentlich schon fast denken. Wenn Sexismus sowieso schon ein vergleichsweise schwierig zu greifender Begriff ist, so wäre ein generelles Verbot sehr schwierig. Zu den Argumenten, die ich bereits in Bezug auf das Verbot von sexistischer Werbung geäußert habe, kommt hier vor allem der Gedanke dazu, dass ich damit eine bestimmte Art zu denken, nämlich in dem Fall sexistisch, nicht nur abwerte, sondern auch unter Strafe stelle. Dass ich Sexismus und vor allem Alltagssexismus gerne abwerte, das passiert. Das ist meine Meinung, die ich frei kund tun darf. Genauso darf aber jemand auch seine sexistische Meinung kund tun. Ein generelles Verbot von Sexismus würde die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig eingrenzen. Abgesehen davon bin ich nicht Besitzer der alleinigen Wahrheit einer perfekten Gesellschaftsordnung. Ich finde Sexismus schlecht, so geht es auch vielen anderen Menschen. Ich bekämpfe aktiv Sexismus. Es gibt auch andere Menschen, die Sexismus bekämpfen, aber die sehen das vielleicht anders als ich. Wie bereits bei der schwierigen und unterschiedlichen Definition von Sexismus bin ich hier an einem Punkt angelegt, an dem ich nicht die allgemeingültige Wahrheit besitze. Ich habe meine Meinung, meine persönliche gesellschaftliche Utopie, meinen Wunsch nach Post Gender, aber nur, weil ich der Meinung bin, dass das der gesellschaftliche Weg ist, mit verschiedenen Geschlechtern umzugehen, ist dieser Weg noch lange nicht allgemeingültig und jeder muss diesen annehmen. Würde ich annehmen, dass mein Weg allgemeingültig und perfekt wäre, würde ich damit alle anderen Ideen abwerten, die es vielleicht noch gibt, so sexistisch die vielleicht auch sein mögen. Ich lasse mich gerne belehren und höre mir verschiedene Meinung an, dabei kann ich im besten Fall sogar noch etwas (dazu) lernen. Das soll nun nicht Sexismus á la „Frauen gehören hinter den Herd“ rechtfertigen, nur ist meine Meinung nun mal keine Tatsache. Daher wäre ein Verbot schon alleine aus meiner persönlichen und egoistischen Perspektive ein Schuss ins eigene Knie. Außerdem gibt es ja bereits entsprechende Strafen, falls es zu sexistisch wird. Wird jemand beleidigend sexualisiert, so gibt es immer noch den Straftatbestand der Beleidigung. So ist „XY ist aber eine H*re, die zieht sich immer so freizügig an“ auf ein Geschlechterklischee zurückzuführen und dazu noch beleidigend sexualisierend. Das regelt schon unser Strafrecht, dazu brauche ich kein Gedanken- und Meinungsäußerungsverbot, was Sexismus angeht. Bezüglich des Punktes Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kann noch relativ viel diskutiert werden. Es gibt immer wieder Urteile, in denen Fälle auftreten, bei denen eine Frau sich nicht genug gewehrt haben soll, damit es sich um eine Vergewaltigung handelt und das Strafgesetzbuch sieht dafür mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe vor. Im „Optimalfall“ ist also eine Vergewaltigung laut Strafgesetzbuch weniger dramatisch als Steuerhinterziehung, um mal ein Beispiel zu nennen. Dass also die Strafe für eine Vergewaltigung so nicht bleiben kann, wird ja bereits diskutiert und eine ausführliche Bearbeitung dieses Themas würde den Rahmen dieses Beitrags eindeutig sprengen. Daher verzichte ich an dieser Stelle auf eine ausführlichere Diskussion. Die Frage bleibt aber weiterhin, ob Vergewaltigung Sexismus oder das Resultat eines sexistischen Menschenbildes ist. Auch diese Diskussion würde vermutlich den Rahmen sprengen, weswegen ich hier einfach annehmen werde, dass sexuelle Gewalt auf einem negativen und sexistischen Menschen- und Frauenbild beruhen kann, aber nicht muss. Leider gibt es ja auch Vergewaltigungsfälle gegen Kinder und Männer, in denen nicht unbedingt Sexismus ein Grund sein muss und sein wird. Eine Vergewaltigung ist ja zum Glück verboten und hoffentlich wird hier auch die Rechtssprechung künftig etwas strenger und eindeutiger.

Wir halten also fest, Verbote bezüglich Sexismus gehen meistens nach hinten los. Alleine durch die Empörung, dass man nun ja nicht mal mehr frei seine Meinung äußern und denken darf, obwohl das ja gar nicht sexistisch ist (auch, wenn das Gegenteil aus meiner Sicht der Fall ist), schlägt die Sensibilisierung gegen Sexismus fehl. Da hilft leider nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und das Bekämpfen von Geschlechterstereotypen in der Hoffnung, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der nur noch meine Sexualpartner und meine Ärzte mein Geschlecht interessiert.

Alltagssexismus – Emanzipation gerne, aber doch nicht im Fußball!?

Hallo Welt,

eigentlich hatte ich mir vorgenommen, es bei einem Blogbeitrag zur EM zu belassen. Fußball ist gar nicht mein Themengebiet und interessiert mich auch nicht. Allerdings bekomme ich dank sozialen Medien ab und an leider etwas von der EM mit. Finde ich nicht gut. Allerdings bin ich vor kurzem darauf gestoßen, dass die EM wohl teilweise von einer Frau kommentiert wurde. Das ist im Jahre 2016 etwas ganz normales, finde ich. Mir ist es doch egal, ob der, der ein Spiel kommentiert, sich nun als weiblich, männlich oder was auch immer identifiziert. Schon beim ersten Mal hat es einen ziemlich sexistischen Shitstorm hervorgerufen und wenn ich mich so im Internet umschaue, kommt es mir so vor, dass der Hauptgrund dafür ihre Weiblichkeit ist. Sie als Frau wagt es, Fußball zu kommentieren. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Frau wegen ihrer mangelnden Kompetenz kritisiert wird, ob das bei der besagten Kommentatorin der Fall ist, weiß ich schlicht und ergreifend nicht, weil ich mich nicht für die Europameisterschaft interessiere. Allerdings sehe ich die meiste Kritik aufgrund der Tatsache, dass sie eine Frau ist, als wäre das eine Einstellung gegenüber Fußball, die sie schon gleich als Moderatorin disqualifiziert. Um ein paar Beispiele zu zeigen:

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Ich frage mich ehrlich gesagt, warum das sein muss. Es fällt mir sogar schwer, diesmal auf die Vorwürfe einzugehen, warum eine Frau keinen Männerfußball kommentieren sollte. Sollen Tierdokus dann demnächst auch von Tieren kommentiert werden? Dokumentationen über Länder auch in deren Nationalsprache? Schlimm ist es ja auch, dass einige Frauen in ihren Kommentaren äußern, dass sie als Frauen es nicht okay finden, dass eine andere Frau Männerfußball kommentiert. Auch als Frau ist es möglich, sexistisch zu sein. Schließlich gab es auch einmal Frauen, die gegen das Frauenwahlrecht waren, weil sie als Frauen es nicht okay fanden.

Es ist traurig, dass wir 2016 noch darüber reden, ob eine Frau Fußball kommentieren sollte oder nicht. Ich beneide da ehrlich gesagt auf lange Sicht die Welt, in der das Geschlecht wirklich egal sein wird für irgendeine berufliche Zukunft und sei es Fußballkommentatorin. Ich hoffe ja, dass diese Post Gender-Welt irgendwann verwirklicht wird und bis dahin werde ich weiter diese Form des Alltagssexismus kritisieren. Gerade bei diesem Thema ist es meiner Meinung nach vollkommen logisch, dass das Geschlecht eines Kommentators vollkommen egal für die erbrachte Leistung ist und die Kompetenz des Menschen, und nicht die seines Geschlechts, beurteilt werden soll.

Alltagssexismus – Trennung von Düften nach Geschlecht

Hallo Welt,

je öfter ich durch Einkaufsläden wie dm gehe, fällt mir immer wieder scharf ins Auge, dass zwischen Düften für Männer und Düften für Frauen unterschieden wird. Das ist allerdings noch nicht alles, was sich heute so finden lässt. So gibt es nicht nur Düfte für zwei Geschlechter, sondern auch Shampoos und viele andere Kosmetikartikel, und daraus lassen sich wunderbare Geschlechterklischees wie „Wenn ein Mann Rosenduft mag, dann ist er ja viel zu weiblich.“ oder „Eine Frau mit Männerdeo kann sich ja gleich eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen und eine Lesbe werden.“ ableiten. Dass jeder Mensch, wenn er denn Lust drauf hat, ruhig etwas mit Rosenduft benutzen darf und eine Frau mit kurzen Haaren, die Männerdeo benutzt nicht unbedingt homosexuell ist, ist auch irgendwo klar. Gerade letzteres ist dazu noch homophob. Vielleicht sollte ich auch noch eine Kategorie mit Alltagshomophobie basteln, aber das soll nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Aber woher kommt das gerade im Bereich der Düfte her? Düfte wirken gerade bei der Partnerwahl als Mittel der Wahl und als anziehend. Inzwischen wurde ja auch schon nachgewiesen, dass der Körpergeruch mit der Wahl des Partners zusammenhängt. Aber auch schon im Artikel wird erwähnt, dass ein Zusammenhang zwischen Deo einer Person und der zukünftigen Partnerwahl nicht besteht.

Auch die Befürchtung, dass Deo, parfümierte Pflegeprodukte und Parfum das HLA-Profil verfälschen, ist unbegründet. „Riechrezeptoren sind spezifisch angelegt, manche reagieren ausschließlich auf HLA-Peptide“, erklärt der Geruchforscher. Sie springen also nur auf diese Düfte an, können andere gar nicht wahrnehmen und lassen sich deshalb auch von keiner noch so starken Duftwolke irritieren.

An der Stelle könnte ich nun sagen „Cool, Wissenschaft hat schon das Gegenteil bewiesen, dass Düfte in Männer und Frauen einzuteilen sind, um sich selbst entsprechend attraktiv zu machen“. Dann wäre der ganze Spaß an der Stelle schon vorbei und niemand müsste sich durch meine Aufregung über das Thema quälen. Da ich nunmal nicht dafür bekannt bin, mich so wortkarg über Alltagssexismus aufzuregen, ist es hier doch nicht zu Ende. Tut mir nicht leid.

An der Stelle kann man nun einwerfen, dass meine These, dass ein Mensch nicht durch ein Deo attraktiv wird, weil er einem bestimmten Geschlecht angehört und gerade den passenden Duft für sein Geschlecht verwendet, sondern das da wenn schon persönliche Präferenzen noch eine Rolle spielen, dass ich ja die sogenannten Pheromone vollkommen außer Acht lasse. Doch davor müssen wir erst einmal klären, was diese dubiosen Stoffe überhaupt sind. Die Meisten kennen sie als Sexualbotenstoffe zwischen Menschen, allerdings ist das nicht ihre einzige Funktion. Aber in diesem Fall wird auf gerade diese Funktion angespielt. Als einfacher Test kann nun gerne jeder schauen, wie viele Kosmetikprodukte, die so im Alltag verwendet werden, irgendwas, was nach Pheromonen aussieht, beinhalten. Viel Spaß bei der Suche, aber um es leichter zu machen, Achtung, Spoilergefahr, es wird sich sehr in Grenzen halten. Zwar gibt es extra Parfüms, die damit werben, dass sie Pheromone enthalten, die die Chancen beim Flirten erhöhen sollen, aber ob das nun wirklich einen Nutzen hat, ist fraglich (mir ist bewusst, dass die Welt nicht unbedingt die beste Quelle ist, allerdings ist es auf jeden Fall in Grundzügen brauchbar). Beim im Artikel erwähnten Stoff Hedion, auf schlau auch Methlydihydrojasmonat, konnte zwar eine unterschiedliche Reaktion im Gehirn von biologischen Männern und Frauen festgestellt werden, dennoch heißt das nun nicht, dass eine Person diesen Duft tragen muss und plötzlich springen alle Frauen darauf an. Interessant ist sowieso, dass Jasmin, ein Duft, der eher Frauen zugeschrieben wird, eine Wirkung auf Frauen haben soll. Da ist mal wieder zu sehen, wie willkürlich Geschlechterklischees eigentlich sind, sollte sich das im Laufe weiterer Forschungen in der Form bewahrheiten. Aber nur, um es noch einmal deutlich zu machen, das hier ist der Ausnahmefall, der sowieso noch genauer untersucht werden muss, wie er auf die Sexualität v0n Menschen wirkt. Daher kann dazu noch gar nicht was genauer gesagt werden, aber wenn es wirklich so offensichtlich wäre, dann wäre es auch nicht so schwer, neue Erkenntnisse in dem Bereich zu gewinnen. Ein Geschlechterklischee, das ein bestimmter Duft besser zu Frauen oder Männern passt, kann damit niemals ausreichend begründet werden.

Was mich in dem Zusammenhang aber auch ein wenig schockiert hat, ist, dass selbst Naturkosmetikmarken wie Alverde unterschiedliche Produkte für Frauen und Männer herstellen. So gibt es beispielsweise ein Shampoo mit Bier, suggeriert an der Stelle mal wieder schön, dass Bier nur etwas für echte Männer ist. Bier für gesunde Haare ist zwar schon ein alter Trick, aber gut. Das hat mich dann doch ehrlich gesagt etwas enttäuscht, ähnlich wie bei Paul Mitchell, die zwar größer sind und sich entsprechend der gewünschten Nachfrage anpassen, aber dennoch schade. Natürlich kann man an der Stelle damit argumentieren, dass Shampoos für Männer eher für kurze Haare und die für Frauen eher für längere Haare sind. Aber ich kann dann an der Stelle natürlich auch sagen, dass es genügend Männer mit langen und genügend Frauen mit kurzen Haaren gibt. Müssen die jetzt Männer- bzw. Frauenshampoo benutzen? Nö. Jegliche Haarpflegeprodukte lassen sich sowieso besser in Haarstrukturen unterscheiden. Auch lavera, die das allerdings etwas unauffälliger machen, unterscheiden zwischen den Geschlechtern. Ich sollte an der Stelle aber vielleicht auch die Marken erwähnen, die außerhalb meiner kosmetischen Filterbubble liegen wie Axe.

Dass diese Werbung nun nicht gerade Sexismus bekämpft, ist auch irgendwo klar. Und auch hier wird natürlich klar ein Duft als männlich beworben. Und was ist natürlich der Traum eines jeden Mannes? So viele Frauen wie möglich um sich zu scharen. Und da alle Frauen ja auf diesen einen Duft stehen, überwinden sie nicht nur biologische Grenzen, um zum Objekt der Begierde zu finden. Einteilung von Düften in Geschlecht finde ich sehr enttäuschend und ist nur ein weiteres Symptom unserer Gesellschaft, was den Alltagssexismus zeigt.

Alltagssexismus – Zu wenig Kleidung ist billig!

Hallo Welt,

heute will ich mal wieder eine Werbung als Beispiel bringen, die an sich schon etwas älter ist. Allerdings habe ich in den letzten Tagen ein kleines Gespräch über eben diese Werbung geführt und möchte meine Gedanken gerne teilen, weil es meiner Meinung nach eine Werbung ist, die nicht nur sexistisch ist, was ja des Öfteren in Werbespots thematisiert wird, sondern auch herabwürdigend und in meinen Augen verdammt ekelhaft. Es geht um die Werbung von dem Elektronikhändler Redcoon aus dem Jahre 2013. Und weil es so schlimm ist, habe ich in dem Fall sogar zwei Werbespots.

Und weil es so schlimm war und ich mir das auch ansehen musste, um mir ein Bild zu verschaffen, ob Redcoon generell auf solche Werbung setzt oder es nur eine Ausnahme war, kam ich zu dem Ergebnis, dass besagter Händler gerne auf solche Werbung zurückgreift.

Das soll nun aber reichen, vor allem zu Demonstrationszwecken. Ich denke, ich muss nicht viel darüber sagen, dass diese Werbung voller Sexismus steckt. Ich will nun aber noch einen kleinen Schritt weiter gehen. Leicht bekleidete Frauen werden hier explizit als billig dargestellt, was vermutlich auch noch ziemlich in den Köpfen der Menschen in unserer Gesellschaft verankert ist. Ich höre noch immer relativ oft, dass Frauen, die leicht bekleidet sind, sich stärker als der Durchschnitt schminken, viel Sex haben oder angeblich viel Sex haben, weil ein selbstbestimmtes Sexualleben ja voll böse ist, sich Schönheitsoperationen unterziehen oder was auch immer nun als Grund dafür verwendet werden kann, die Liste lässt sich beliebig erweitern, billig sind. Zuallererst einmal: Menschen können nicht billig sein. Alleine das Wort billig vergleicht sie schon mit einer Ware. Arbeitskraft kann billig sein, aber der Mensch, der mit seinem Charakter und all seinen Eigenschaften, Kleidungsstilen, etc. existiert, kann nicht billig sein, weil jeder Mensch erst einmal gleich und gleichwertig ist. Nun werden aber im besonderen Fall Frauen abgewertet, die sich eben so verhalten, dass die Gesellschaft oder die leider noch immer vorherrschende gesellschaftliche Meinung sie aus welchem Grund auch immer als billig einstufen. In diesem Werbespot ist es eben aufgrund knapper Kleidung und einem als schön empfundenen Körper, legt man den Maßstab des allgemeinen Schönheitsideals an. Laut dem typischen Klischeedenken impliziert das schon, dass diese Frauen eben willig für Sex sind. Und genau deswegen passiert es auch nicht selten, dass diesen Frauen nachgesagt wird, sie wären selbst Schuld an einer Vergewaltigung. In unseren Industrieländern mag das zwar seltener der Fall sein als in Ländern wie Indien, dennoch kommt es vor. Victim Blaming vom Feinsten. Aber ich schweife ein wenig ab. Solche Frauen darf man eher, solche Frauen bekommt man eher ab. Sie geben sich laut Klischee schnell hin und eine Frau, die mit vielen Männern geschlafen hat, ist nicht begehrenswert, weil sie ja beschmutzt ist. Nachrichten, Leute. Es ist verdammt nochmal egal, wie oft wer mit wem welche sexuelle Handlung ausgeübt hat, sofern es einvernehmlich zwischen den handelnden Personen stattfand. Ansonsten hat das niemanden außer diese Personen zu interessieren und es ist auch kein Thema das dramatisiert werden muss. Es gehört zu den sehr unwichtigen Dingen an Menschen, sich über deren Sexualpartner bestens auszukennen und ist auch nichts, woran man diesen Menschen bewerten kann. Zweiter Punkt ist, dass, egal wie ein Mensch aussieht, es ist nicht möglich anhand dessen zu beurteilen, wie oft diese Person Sex hat, was ohnehin ja erstmal vollkommen egal ist. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Kleidungsstil und seine Vorlieben bezüglich Textilen so auszuleben, wie dieser Mensch eben will. Da ist es nun völlig egal, ob jemand nur schwarz trägt, allgemein eher wenig, permanent ein Kükenkostüm trägt oder sich sonst wie anziehen will. Da hat niemand das Recht, das in irgendeiner Weise so abwertend zu beurteilen, gar billig zu nennen. Auch nicht die Werbung. Klar, Werbung ist letztendlich nur ein Spiegel der Gesellschaft und richtet sich erst einmal auch an eine bestimmte Zielgruppe. Dennoch halte ich es für schockierend, dass es dafür scheinbar wirklich Interessenten gibt. Manche scheinen wohl in der Zeit festzuhängen, in denen jede Frau, die sich billig gibt, mit allen schläft und eine Ehefrau soll dann anständig werden, wie damals halt.

Das Beispiel mag etwas überspitzt sein, aber das Frauenbild ist nicht mehr an dem Punkt, an dem es Menschen in die Kategorie „billig“ und „nicht billig“ stecken sollte. Gerade Männer, die sich oberkörperfrei und muskulös darstellen, bekommen dafür gesellschaftlich gesehen viel mehr positives Feedback als eine oberkörperfreie Frau. Weil sie zeigt sich ja und das macht sie billig.

Aber zurück zu Redcoon, die leider zu Media-Saturn-Holding gehören. Darunter fällt auch Saturn sowie Media Markt, sodass es leider nicht so einfach möglich ist, auf diese beiden Geschäfte auszuweichen, wenn man aufgrund solcher Werbung Redcoon nicht unterstützen will. Als Alternative blieben beispielsweise je nachdem, was gerade benötigt wird, Euronics, GameStop, die leider meistens viel teurer sind, Conrad oder für CDs entsprechend die Labels direkt oder, wenn man solche Musik hört wie ich, EMP. Ich muss sagen, als ich mich mit Redcoon beschäftigt habe, ist mir auch dann erst aufgefallen, dass sie zu Saturn und Media Markt gehören, was ich schon ziemlich… traurig finde. Aber wie nun mal ein Konzern ist, versucht er, Werbung für eine bestimmte Zielgruppe zu machen und leider ist dieser Spiegel der Gesellschaft ziemlich ekelhaft. Vielleicht hilft die Tatsache, dass das Problem Redcoon sich mit einer großen Portion Glück selbst erledigen könnte. Aktuell steht das Unternehmen unter Verdacht der Steuerhinterziehung. Ohne nun anderen Menschen persönlich den finanziellen Ruin zu wünschen, praktisch gesehen wäre damit diese Werbung nicht mehr relevant.

Alltagssexismus – Coca Cola Light und Coca Cola Zero

Hallo Welt,

heute soll es um das Thema Alltagssexismus gehen. Ich kenne viele Leute, die finden Sexismus an sich doof. Wenn man nicht gerade ein Verfechter des schwachsinnigen Konzeptes „Die Frau gehört hinter den Herd“ ist, dann wird Sexismus auch normalerweise von sehr vielen Menschen abgelehnt. Dennoch findet sich in unserer Gesellschaft noch sehr viel Alltagssexismus wie „Eine Frau muss…“ und „Ein Mann ist nur ein richtiger Mann, wenn…“. Einsetzen lässt sich da quasi alles, was irgendwie den Geschlechterklischees entspricht. Neben „Eine Frau muss doch pink mögen“ reiht sich in diese Reihe oftmals auch was ein, was eigentlich nicht direkt vermutet wird. In letzter Zeit beobachte ich auch an mir, dass ich gegenüber der Form des Alltagssexismus sensibler geworden bin und möchte daher einfach mal über das reden, was mir entweder in letzter Zeit oder schon vor längerem begegnet ist. Daher habe ich einfach mal die neue Unterkategorie Alltagssexismus eingeführt, in der so was wie dieser Beitrag hier landen werden.

Warum gibt es eigentlich Coca Cola Light und Coca Cola Zero?

Zunächst mag diese Frage etwas sein, was nicht direkt mit Sexismus verknüpft wird und mir auch nicht zuerst aufgefallen ist, bis ich mit meinem Cousin mal darüber debattiert habe, was eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Sorten sein soll. Geschmacklich lassen die beiden Getränke sich meiner Meinung nach sowieso kaum unterscheiden, beides ist ein Gesöffs mit Süßstoffen, bei dem ich schon den Gedanken überhaupt den Geschmackstest durchzuführen, eklig finde. Natürlich will ich hier niemanden in seiner freien Entscheidung, Light oder Zero oder was auch immer zu trinken einschränken, nur ich persönlich kann mit Getränken, die Aspartam oder ähnliches enthalten, nichts (mehr) anfangen. Abgesehen von einem höchstens leichten geschmacklichen Unterschied ist schon die Werbung für die beiden Sorten sehr unterschiedlichen. Beginnen wir mal mit der Light-Version. Exemplarisch dazu soll mal dieser Werbespot sein.

Gezeigt wird ein typischer „Mädelsabend“ beim Feiern, wie er immer gerne dargestellt wird. Nur mal ein kleiner Test: Seht ihr in dem Video eine erhöhte Präsens von Männern oder einen Mann, der beim Coca Cola Light trinken gezeigt wird wie eine Frau? Achtung, Spoiler. Ich tue das nicht. Eindeutiger werden die Werbespots, wenn man sich mehrere anschaut. So bezieht sich eine Initiative der Herzgesundheit von Coca Cola Light nur auf Frauen, genauso ist die entsprechende Werbung dazu nur an Frauen gerichtet. Ein Herzinfarkt mag sich zwar bei Männer und Frauen unterschiedlich zeigen können, allerdings werden die Anzeichen eines Herzinfarktes bei jedem Vortrag darüber erwähnt, also warum sich bei Herzkrankheiten nur an Frauen richten, wenn man genau weiß, dass Herzkrankheiten insgesamt in den Industrieländern kein kleines Problem sind? Es existieren noch weitere Werbespots, die sich spezifisch an das typische Klischee der Frau richten, so auch mit dem Coca Cola Light-Mann, der Frauen erzählt, dass es ja echt sexy an ihnen allen ist, dass sie nie aufhören, neugierig zu sein. Nee, danke. Ich lasse mich ungern in solch ein Klischee reinzwängen, das sich auf etwa eine Hälfte der Menschheit bezieht. Wisst ihr, was an allen Frauen gleich ist? Dass sie Frauen sind und sich wie Frauen fühlen. Mehr gibt es da nicht, was auf alle Frauen in ihrer Gesamtheit zutrifft. Aber zurück zu Coca Cola. Ich habe vor gar nicht so langer Zeit sogar Plakate zu einem Gewinnspiel gesehen, dass es ermöglicht, den Coca Cola Light-Mann zu treffen. Ein Angebot, das vermutlich nur wenig Männer angenommen hätten.

Bekannter als die Werbung für Coca Cola Light ist die für die Zero-Version.

Auch hier wird, wie auch bei der Light-Version schnell klar, dass die Werbung sich an den typischen Klischee-Mann richtet, der den Abend lieber im Stadion statt bei seiner Freundin, um es ein zu überspitzen, eh kein Bock auf Fußball hat, weil Männersport, aber dann eine willige Frau zuhause erwartet. Eben das, was so die Wünsche eines Klischeemannes sein sollten. Genau das wird hier eingesetzt, um für ein Produkt zu werben, das eigentlich gar keine so großen Unterschieden zu der Variante Coca Cola Light aufweist. Also zwängen wir alle in ein Klischeemuster hinein und verkaufen unser Zeug. Kommen wir aber nun zu dem Aspekt, was Coca Cola selbst dazu sagt und ob ich mir das nicht alles doch aus den Fingern sauge.

So gibt es beispielsweise einen Test auf der Seite von Coca Cola Deutschland, auf der man selbst durch einige Fragen feststellen kann, welche Version nun die Richtige für den persönlichen Geschmack ist. Ich will zu dem Test eigentlich gar nicht viel der Worte verlieren. Meiner Meinung nach ist klar, dass hier die beiden oben genannten Zielgruppen angesprochen werden sollen. Scrollt man in die Kommentare, dann sieht man auch eine Antwort Coca Cola nach der Frage, ob die Werbung der Produkte nicht etwas nach Geschlechterstereotypen getrennt abläuft. Und die Antwort ist, welch Überraschung

in der Werbung richten wir uns bei Coke Zero eher an Männer und bei Coke light eher an Frauen.

q.e.d

Bleibt nur noch eine Frage: Warum thematisiere ich das überhaupt, wenn es nach etwas kurzer Überlegung schon offensichtlich ist, dass Coca Cola sich Zielgruppen anhand der Geschlechterklischees zusammenbastelt? Ich finde das zu einem eklig, dass Männer und Frauen in beiden Werbungen zu einem Klischee runter degradiert werden. Ich will hier anhand von Coca Cola einfach aufzeigen, dass es Werbung gibt, die immer noch verdammt sexistisch ist und dafür sensibilisieren. Zumindest muss man ja nicht so stark auf Geschlechterklischees setzen, um damit Gewinn zu generieren. Zum anderen scheint diese Werbung doch auf irgendeiner Ebene zu funktionieren, sonst wäre Coca Cola nicht so erfolgreich. Allerdings befürchte ich, dass die Werbung da nicht der ausschlaggebende Punkt ist. Schaut man sich an, welche Marken Coca Cola anbietet, so fällt auf, dass da doch verdammt viel dabei ist, was so täglich konsumiert wird. Selbst die neue Bio-Limonade von Vio, die das im ersten Moment gar nicht vermuten lässt, gehört zum Konzern dazu. Dennoch würde es den Konzern schon irgendwo treffen, wenn man von dort nichts mehr konsumieren würde, weil man die Werbung durch solche Geschlechterklischees nicht unterstützen will.

Da ich mich also nicht nur über Sexismus und einen Versuch des Boykotts von Coca Cola beschweren will, will ich an der Stelle noch ein paar positive Beispiele nennen, die eben nicht mit Sexismus werben. fritz-kola schafft es nicht, durch Sexismus aufzufallen, enthält allerdings auch nicht wenig Koffein und ist nichts für Leute, die sich an solchen Plakaten stören:

fritz-cola_was-ist-das-kampagne

Ich persönlich halte das allerdings nicht für verwerflich, weil ich die weibliche Brust nicht per se für ein Sexualobjekt halte. Sicherer ist man mit Club Mate Cola, dort ist auch nicht ganz so viel Koffein drin enthalten. Notfalls kann es sicherlich auch Pepsi sein, aber davon bin ich nicht gerade Fan. Außerdem haben Marken wie Lammsbräu eine eigene Cola und im Saarland könnte die Piranja Cola auch etwas bekannter sein. Von daher gesehen muss es nicht Coca Cola sein.