Werbung der Bundeswehr – Die Werbung fürs Töten?

Hallo Welt,

heute soll es mal um die Werbung der Bundeswehr gehen, die in der letzten Zeit immer präsenter geworden ist, obwohl sie schon seit November 2015 läuft. Der große Titel dazu lautet „Mach, was wirklich zählt“ und damit meine ich nicht diese Seite, die offenbar nicht von der Bundeswehr selbst ist, wie unschwer zu erkennen ist. Die offizielle Seite dazu ist ein wenig anwerbefreundlicher, um es mal so auszudrücken. Damit sind wir eigentlich schon mitten im Thema. Im Grunde genommen geht es um die Berechtigung der Bundeswehr, werben zu dürfen.

Letztlich wird diese Werbekampagne durch den Steuerzahler getragen. Die Bundeswehr selbst ist eine staatliche Institution und es wäre beunruhigend, wenn sie das nicht wäre. Natürlich kann an der Stelle nach dem Sinn dieser Kampagne gefragt werden und dass das Geld woanders vermutlich besser aufgehoben wäre. Der ganze Spaß kostet nämlich 10,6 Millionen Euro. Dieses Geld könnte sicherlich irgendwo besser aufgehoben sein, sei es für Kampagnen gegen Homophobie und Rassismus, in den Bundesländern für Schulsanierungen oder auch einfach nur plump zum Schuldenabbau. Allerdings hat nun einmal jedes Ministerium einen gewissen Freiheitsrahmen, was es mit dem Etat anfängt. Gut, auch im Verteidigungsministerium gibt es einiges, was man damit tun könnte. Ich erinnere mich da noch an ein paar Vorfälle wie Probleme mit Hubschraubern oder zu warmen Gewehren. Geld zur genauen Prüfung scheint da doch ab und an nötig zu sein. Diese Vorfälle sind zwar eher zum Schmunzeln, aber an der Stelle ist die Frage, inwiefern sich die Bundeswehr also überhaupt eine solche Kampagne leisten kann. Verglichen mit dem Etat von 2015, der ganze 32,2 Milliarden Euro umfasst, muss ich glaube ich gar nicht erst berechnen, welcher kleine Bruchteile diese Werbekampagne davon war. Insofern ist es gar nicht so viel, wie es im ersten Augenblick erscheint, wenn man dies mit anderen Ausgaben und dem gesamten Etat vergleicht.

Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern die Bundeswehr überhaupt das Recht haben sollte, zu werben. Als staatliche Institution ist sie da aber nicht alleine. Im öffentlichen Dienst gibt es eine Fülle an Stellen, die gezielt Leute suchen. Meistens beschränkt sich dies jedoch auf lokale Kampagnen, wenn beispielsweise ein Landkreis oder eine Stadt Arbeitnehmer sucht. Die Bundeswehr ist im Gegensatz dazu vielleicht nicht gerade ein normaler Arbeitgeber. Neben der Verteidigung des eigenen Landes ist Deutschland ein Bündnispartner der NATO und Mitglied der UN. In der Form kann es durchaus vorkommen, dass der ein oder andere Auslandseinsatz stattfindet. Dabei geht es sicherlich nicht immer um Hilfsmaßnahmen in Form von (Wieder-)Aufbaumaßnahmen. Es ist schließlich eine militärische Institution und eben deswegen geht es auch oftmals um Leben und Tod. Dementsprechend ist die Bundeswehr nur schwer vergleichbar mit anderen staatlichen Institutionen. Ich kann es aber auch genauso moralisch verwerflich finden, für den BND zu werben. Ja, der BND hat keine große Werbekampagne wie die Bundeswehr gestartet. Allerdings habe ich auch schon in der Schule in Heften, die Schüler bei ihrer Berufsentscheidung beraten sollen, Werbung vom BND gesehen, der mir genau sagt, was ich können muss und was ich da alles lernen kann. Also was tun? Generell Werbung für beide verbieten? Das halte ich ehrlich gesagt nicht für zielführend. Ohne die Wehrpflicht, für deren Aussetzung ich ziemlich dankbar bin, braucht auch eine Bundeswehr Leute und diese Menschen müssen sich irgendwann auch bewusst für einen Job dort entscheiden. Es ist eine tolle Möglichkeit, dass ich die Freiheit habe, mich dagegen zu entscheiden, für die Bundeswehr zu arbeiten. Aber genauso sollte auch jeder die Freiheit haben, sich für einen Job bei der Bundeswehr zu entscheiden, was ich persönlich aus moralischen Gründen nicht nachvollziehen kann, aber okay. Es ist die Freiheit dieser Person. Da wir auch einen Arbeitsmarkt haben, bei dem jeder Arbeitgeber sich dazu entscheiden kann, so viel zu werben, wie er lustig ist, ist das alleine her vom Aspekt der Freiheit, die die Bundeswehr als Arbeitgeber nun mal genießt, in Ordnung. Mir ist an der Stelle bewusst, dass Werbung manipulativ sein kann und Jugendliche dazu verleiten kann, vielleicht voreilig Soldat zu werden und diese Entscheidung zu bereuen. Deswegen finde ich es auch ungünstig, wenn die Bundeswehr speziell mit dieser Art der Manipulation an Schulen wirbt. Mir fehlt dabei, und auch auf der Seite der Bundeswehr,  die Aufklärung darüber, dass man möglicherweise mitten im Krieg landen und sterben kann, dass es nicht unwahrscheinlich ist, als Frau sexuelle Belästigung zu erfahren, dass psychische Belastungen und Erkrankungen auftreten können und dass es eine ziemliche körperliche Belastung ist. Klar, die Bundeswehr würde sich damit unattraktiv machen und bietet nicht nur Jobs an, die sich mit dem Dasein als Soldat beschäftigen. Insofern ist die Werbung der Bundeswehr an Schulen für mich nur eingeschränkt in Ordnung. Allerdings ist die aktuelle Werbekampagne, die meiner Meinung nach nicht gerade ansprechend wirkt, aber das ist ja zum Glück subjektiv, vollkommen okay. In einem Plakat werde ich nicht differenziert das Leben mit einem Job bei der Bundeswehr darstellen können. Allerdings finde ich solche Plakate auch nicht wirklich verlockend.

image_large

Wenn ich wenig Inhalt rüberbringen kann, fühle ich mich nicht wirklich angesprochen. Insofern ist die Ausgestaltung der Kampagne nicht gerade gut. Für das Geld hätte man sich auch bessere Sprüche einfallen lassen können.

Der Punkt, an den ich nun allerdings auch noch stoße, ist die Frage, ob wir überhaupt noch eine Bundeswehr brauchen. Wir geben schließlich nicht gerade wenig dafür aus und in Zeiten, die zumindest für uns friedlich erscheinen, kann ein Schritt in Richtung Pazifismus gar nicht so schlecht sein. Oder? Pazifismus erachte ich als super. Aber da muss auch jeder mitmachen. Allerdings bezweifle ich, dass Deutschland dabei den ersten Schritt überhaupt machen kann. Die USA wird deswegen nicht plötzlich ihre Atomwaffen auf den nächsten Sondermüll werfen und Abrüstung wird für Länder wie Nordkorea ein Fremdwort bleiben. Insofern erachte ich die Bundeswehr leider immer noch als notwendig, selbst nur zu Verteidigung des Landes, was hoffentlich nie bis sehr selten der Fall sein wird. Auslandseinsätze in Form von reinen Wiederaufbaumaßnahmen wären zwar auch erstrebenswert, aber schwierig umzusetzen. Gerade in Zeiten, in denen der Frieden immer mehr gefährdet ist, sind Maßnahmen der Selbstverteidigung leider, so sehr ich es auch gerne anders hätte, nun einmal notwendig. Allerdings gibt es auch einen Punkt, an dem die Abschaffung der Bundeswehr gar nicht so schlecht wäre. Sie könnte einem Militär der EU weichen, allerdings bezweifle ich, dass die Mitgliedsstaaten diese Kompetenz in naher und mittelfristiger Zukunft überhaupt abgeben wollen. In Deutschland selbst müsste dies auch erst einmal mit dem Grundgesetz in Einklang gebracht werden, was nicht gerade einfach ist. Insofern ist auch das eher Zukunftsmusik und ich hoffe, dass wir irgendwann an dem Punkt sind, an dem wir kein Militär mehr benötigen. Das ist allerdings sehr utopisch und daher kann es auch gut sein, dass wir niemals an diesen Punkt gelangen werden.

Advertisements

Verteilen von Vogelfutter soll illegal sein?

Hallo Welt,

heute, vielleicht sogar gerade jetzt, findet die Hauptgerichtsverhandlung zum Vogelfutterfall statt. Vogelfutterfall? Was ist denn da schon wieder los? Die Piraten in Chemnitz haben es gewagt, an ihren Infoständen Vogelfutter in Form von Hanfsamen zu verteilen, dazu sogar noch der Hinweis, dass diese nicht gepflanzt werden dürfen.

Die politische Intention hinter dieser Verteilaktion kann ich auf jeden Fall gut verstehen. Nicht umsonst bietet der Piratenshop entsprechende Produkte zu dem Themenkomplex Drogenpolitik und Cannabislegalisierung an. Und der große Vorteil an Hanf, der auch für Vogelfutter verwendet wird, ist, dass es sicher hierbei nun mal um Produkte handelt, die kein THC enthalten, das eben die Wirkung von dem illegalen Cannabis hervorruft. Insofern ist es eine schöne Idee, mit etwas Legalem auf etwas noch Verbotenes aufmerksam zu machen. Insofern frage ich mich aber auch, warum es verboten sein soll, etwas, was ich legal selbst in einem größeren Supermarkt kaufen kann, zu verschenken. Das ist in etwa so, als würde ich Zucker in Tütchen packen und damit für die Legalisierung für Amphetamine werben oder mit einer Spielzeugautobahn gegen Tempolimits zu kämpfen. Genauso wie Hanfsamen ist Zucker fast überall zu kaufen, genauso wie eine Spielzeugautobahn. Ist es nun verboten, Zucker für die Legalisierung von illegalen Amphetaminen zu verteilen, ganz egal, was man persönlich davon hält oder Spielzeugautobahnen, was zwar irgendwann recht teuer werden würde, obwohl man damit noch nicht einmal ein Tempolimit überschreitet?

Gerade Produkte aus Hanf sind neben der politischen Intention sehr vielseitig. Ich persönlich habe auch Hanfsamen zuhause, allerdings nicht in Form von Vogelfutter und auch nicht mit THC. Warum? Ganz einfach, die sind gar nicht so ungesund und ab und an esse ich die ganz gerne. Recht vielseitig sind sie auch einsetzbar: In Smoothies, im Joghurt, im Müsli, in Salaten, der Kreativität sind quasi keine Grenzen gesetzt. Gibt es übrigens in jedem gut ausgebauten Supermarkt mit einer vergleichsweise mittelgroßen Bio-Abteilung zu kaufen. Ähnlich verhält es sich mit Hanfmehl, das ich allerdings nicht aus einem standardmäßigen Supermarkt, sondern aus dem Rapunzelshop Legau im Allgäu habe, wo auch der Firmensitz ist.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Produkte, die mit Nutzhanf hergestellt werden, beispielsweise Hanföl, Hanftee, Hanfbrotaufstriche, Hanfseile, Kleidung und Stofftaschen aus Hanf, Hanfseife, Handcreme mit Hanf, die Liste ist verdammt lang. Und alle diese Produkte lassen sich ohne THC herstellen und kann ich auch problemlos Freunden oder Familienmitgliedern schenken. All das ist nicht sofort die böse Droge Cannabis, die eigentlich gar nicht so böse ist, und kann einfach nur in der Ernährung eingesetzt werden ohne überhaupt irgendeine politische Intention dahinter zu haben.

Insofern hoffe ich heute auch auf ein faires Urteil. Obwohl Cannabis leider noch zu den Drogen gehört, die in Deutschland verboten sind, trotz der vielen Argumente, die eigentlich gegen ein weiteres Verbot sprechen, muss Hanf in dieser Form erstmal nichts damit zu tun haben und enthält in vielen Fällen noch nicht einmal THC. Zwar gibt es auch Fälle, bei denen beispielsweise Hanfpulver zu hohe Mengen an THC enthalten hat, aber das sind Ausnahmefälle. Aber auch hier sind die Mengen ziemlich gering, was den THC-Gehalt betrifft. Gehen wir mal von einem Joint aus, der 0,9 Gramm Cannabis enthält mit einem THC-Gehalt von 10%. Macht 0,09g THC. Umgerechnet sind das 90000 Mikrogramm, während bei dem Pulver mit zu hohem THC-Gehalt gerade einmal 20 Mikrogramm auf 25 Gramm Pulver aufgenommen werden. Um also so viel THC aufzunehmen wie durch einen Durchschnittsjoint, müsste ich 4,5kg von diesem Pulver essen. Dass das vermutlich relativ unrealistisch ist, ist auch irgendwo klar. Daher denke ich, dass die minimale Restmenge an THC, die eventuell noch in Hanfsamen enthalten sein könnten, auch nicht ausreicht, um ein solches Strafverfahren zu rechtfertigen, weil es sich um illegale Betäubungsmittel gehandelt haben soll.

Daher wünsche ich den Piraten aus Chemnitz viel Erfolg beim heutigen Verfahren.