Abschaffung des 500€-Scheins – Ende des Bargelds?

Hallo Welt,

aktuell geht das Thema der Abschaffung des 500€-Scheins nicht gerade leise durch die Medien. Klar, es ist neben TTIP, der Visa-Freiheit für türkische Bürger und den US-Vorwahlen nicht gerade das dominanteste Thema, aber dennoch ist es ein wichtiges Thema.

Scheint zunächst einmal nicht gerade dramatisch zu sein, wenn plötzlich keine 500€-Scheine mehr da sind. Die meisten von uns haben sowieso selten welche in der Hand. Außerdem nehmen einige Läden keine solch großen Scheine, oft wird dabei mit der Fälschungsgefahr argumentiert. Vor Ort muss das ja auch überprüft werden. Dennoch passiert es nicht gerade selten, vor allem, wenn eine größere Summe zu zahlen ist, eine Anzahlung in bar durchgeführt werden kann. Das passiert durchaus beim Kauf von Autos, Motorrädern oder Fahrrädern, wenn es in den etwas höheren Bereich der Tausender geht. Ich stelle es mir nicht spaßig vor, wenn man statt sechs 500€-Scheinen fünfzehn 200€-Scheine für eine Zahlung von 3000€ mitnehmen muss. Da hätte ich mehr Angst, was von dem Geld zu verlieren, einfach weil es von der Anzahl der Scheine mehr zu verlieren gibt. Ich weiß sogar noch, als ich meine Eltern als Kind gefragt habe, warum es denn keine 1000€-Scheine gibt. Das wäre doch viel einfacher. Jetzt, älter, versuche ich zu verstehen, welche rationalen Gründe dafür sprechen, den 500€-Schein abzuschaffen.

Nicht selten hört man, dass es die Kriminalität und den Terrorismus eindämmen soll. Ich habe das Gefühl, dass dieses Argument häufig genutzt wird, um die Freiheit der Allgemeinheit zu beschneiden, aus Angst vor einer sehr kleinen Gruppe. Ähnliches Spiel gab es ja auch bei der im Moment viel gefährlicheren Vorratsdatenspeicherung. Allerdings frage ich mich, wie das helfen sollte, denn selbst wenn eben dieser Schein hauptsächlich von Kriminellen genutzt werden sollte, so ist es doch kein großer Akt, Geld nun auf andere Art und Weise zu transferieren. Selbst der Kriminelle um die Ecke, der seine Drogen fröhlich verkauft, wird sich nicht plötzlich sagen „Ach, verdammt, jetzt gibt es keinen 500er mehr. Ich steig aus, so kann ich das nicht mehr.“ Der Terrorist des sogenannten IS wird sich auch nicht davon abhalten lassen, nach Syrien zu reisen, um sich dort in Terrorcamps ausbilden zu lassen, weil es keinen 500€-Schein mehr gibt. Der sogenannte IS selbst handelt ja noch nicht einmal damit. Terrorismus und Kriminalität im Kleinen (um im Großen) ist es letztendlich egal, ob nun mit 500€-Scheinen handeln oder auf andere Art und Weise. Kriminalität ist schließlich auch das, was Steuerhinterziehung ist. Da verweise ich gerne auf den Skandal im Zuge den Steuerschlupflöchern in Luxemburg und den Panama Papers. Und genau diese Art der Kriminalität ist bargeldlos abgelaufen. Und vor gar nicht allzu langer Zeit war Saudi-Arabien, was nicht gerade wenig mit Deutschland handelt, dem sogenannten IS und anderen Terrororganisationen noch freundlicher gesinnt.wirtschaft

Außerdem ist Saudi-Arabien nun nicht als das demokratischste Land der Welt bekannt. Aber immerhin ist es 2014 von Platz 163  auf Platz 161 im Demokratie-Index von 2012 gerutscht. Also kein Grund zur Sorge, dass dadurch Verbrechen unterstützt wird.

Aber ich will eigentlich gar nicht Saudi-Arabien thematisieren und die politischen Verhältnisse dort kritisieren. Das sollte eigentlich nur ein Beispiel dafür sein, dass weder Kriminalität und Terrorismus im Kleinen noch im Großen durch die Abschaffung des 500€-Scheins eingeschränkt werden. Selbst im Bereich der Geldfälschung ist dieser Schein eher sehr selten gefälscht. Glaubt man Statistiken oder Artikeln aus dem Jahre 2012, laut denen 20€-Scheine am meisten gefälscht wurden, aktueller wird es 2015 mit 50€-Scheinen, auch wenn weltweit 20€-Scheine am beliebtesten bleiben, so ist der 500€-Scheine nicht gerade beliebt, was das Fälschen angeht. Von diesem Standpunkt aus sind die fälschungssichereren neuen Scheine gar keine so schlechte Idee, dennoch wird es nicht lange dauern, bis die politische Forderung sein wird, das Bargeld ganz abzuschaffen.

Ich will mich hier nicht auf eine genauso Zukunftsprognose festlegen, dennoch wird irgendwann sicher die Forderung nach einer vollkommenen bargeldfreien Zahlung kommen. Das könnte in 10 Jahren, in 20 Jahren oder aber auch schon in 5 Jahren der Fall sein. Allerdings ist es realistisch, dass das passieren wird. Die Geld vollkommen ohne Bargeld stelle ich mir mit der aktuellen Politik jedoch nicht gerade rosig vor. Zunächst einmal hätte eine komplett bargeldfreie Welt den Nachteil, dass es verdammt schwer ist, jemandem mal so Geld mitzugeben. Eltern können ihren Kindern Taschengeld nur noch überweisen, kleinere Kinder müssen mit Karte oder Smartphone zum Eis kaufen gehen, ältere Leute können nicht einfach mal jemandem Geld mitgeben, wenn etwas vom Einkauf mitgebracht werden soll oder nicht. Diese gesellschaftlich gesehen recht einfachen Argumente machen im ersten Augenblick sorgen, doch nach einer gewissen Zeit und einem System, das alle Menschen mitnimmt, könnte man sich unter Umständen daran gewöhnen. Ich gebe zu, mir persönlich würde das schwer fallen. Persönlich gesehen weiß ich immer grob, wie viel Geld ich aktuell mit mir durch die Gegend nehme. Ob das jetzt 23€ oder 25,67€ sind, ist mir dabei recht egal. Den ungefähren Wert kenne ich immer. Wenn es jetzt um das Geld geht, das auf meinem Girokonto liegt, da muss ich schon länger nachdenken. Über meine Finanzen in bar habe ich gefühlt einen besseren Überblick als über meine Finanzen auf dem Konto. Klar, das könnte man natürlich ändern, indem beispielsweise Zahlen per Smartphone, Smartwatch oder einem sonstigen elektronischen Begleiter eingeführt wird. Allerdings halte ich das mit der aktuellen Verschlüsselung für sehr fragwürdig. In einer Zeit (um genau zu sein 2014), in der Daten von iClouds ohne einen besonders großen Aufwand schon entwendet wurden, kann es immer Fehler und Schlupflöcher geben, auch nach einer Verschärfung der Sicherheitsbedingungen. Meine Bankdaten sind wie meine Gesundheitsdaten sehr sensible Daten, die ich ungern rausgeben würde. Schon jetzt können aufgrund der Zahlungen, die bereits bargeldlos verlaufen, wie beispielsweise Abos in einem Fitnessstudio, die monatlich abgebucht werden, Daten über die Nutzer gesammelt werden. In einer Zeit, in der nicht nur Bargeld Zahlungsmittel ist, ist das eben so. Dennoch ist es gerade an diesem Punkt schon wichtig, dass hier weiterhin sichergestellt werden muss, dass die Daten, wann ich wo was kaufe oder bezahle, meine Daten bleiben. Sicherlich ist das nur schwer realisierbar, weil immer irgendwo eine Sicherheitslücke vorhanden sein kann. Absoluten Datenschutz kann es nicht geben, weil in jedem kleinsten Detail ein winziger Fehler versteckt sein kann. Aber es muss gewährleistet werden, dass solche persönlichen Daten bestmöglich geschützt werden.

Dieses Datenschutzproblem verschärft sich noch einmal bei einer vollkommenen bargeldlosen Zahlung. Hier ist jeder Kauf, jeder noch so kleine Einkauf in meiner Lieblingsbäckerei oder in meinem Lieblingsrestaurant erfasst. Diese individuellen Daten sind nicht nur für personalisierte Werbung kostbar. So könnten Versicherungen beispielsweise auf die Idee kommen, Vergünstigungen für Offenlegungen zu bieten, so könnten Fitnessstudiobesuche oder gesunde Ernährung erfasst werden. Bis zu einem Punkt, an dem diese Offenlegungen zur Pflicht werden. Noch ist das ein sehr entferntes Beispiel, dennoch kann irgendwann Realität werden. Menschen, die dann eben rauchen, öfter mal Fast Food essen und sehr selten Geld in Sport investieren, haben bei einer Lebensversicherung dann wesentlich schlechtere Chancen als jemand, der am liebsten beim Gemüsehändler um die Ecke Lebensmittel kauft und pro Monat Geld ins Fitnessstudio steckt und sich zwischendurch Geräte für zuhause kauft oder des Öfteren in Sportwarengeschäften einkauft. Außerdem haben Menschen, die häufig selbst was in der Apotheke kaufen, schlechtere Karten, weil sie als öfter krank eingeschätzt werden. Eine Veruntreuung der Daten könnte also weitreichende Konsequenzen auch für das Alltagsleben der Menschen haben, nur um ein Beispiel zu nennen. Ein praktischeres Beispiel, das in unserer Zeit vermutlich realer erscheint, sind Jugendliche, die sich Kondome kaufen. Nun ist die Frage, inwiefern das Versicherungen interessieren soll. Versicherungen werden damit wohl weniger anfangen können als beispielsweise die Eltern. Gerade Jugendliche, die in einem konservativen Elternhaus aufwachsen und trotzdem ihre sexuellen Gelüste ausleben wollen, haben dann ein Problem. Aber auch so will niemand so intensiv von seinen Eltern überwacht werden. Warum dann also von der Bank und möglicherweise auch vom Staat? Das ist ein wesentliches Problem, das man beim bargeldlosen Zahlungsverkehr beachten und lösen muss, ehe es alltagstauglicher und politisch und gesellschaftlich gesehen tauglicher werden kann.

Ein weiteres Zukunftsszenario, das ich hier nur einmal kurz erwähnen möchte, ist die Senkung des Leitzinses in den negativen Bereich. Ich denke nicht, dass das ein Szenario ist, das kurzfristig mit bargeldlosem Zahlungsverkehr auftreten würde. Da wären die Proteste meiner Meinung nach viel zu groß, als dass man sie überhören könnte. Zwar könnte finanziell nicht mehr viel getan werden, dennoch muss die Regierung, wenn auch nur entfernt, in irgendeiner Art und Weise auf das Volk hören, zumindest habe ich da noch meine Hoffnung, dass dies kein Szenario für eine nahe Zukunft wäre, aber dennoch eine Gefahr, die man bedenken müsste.