Der Tag, an dem das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wurde

Hallo Welt,

heute erzähle ich euch eine kleine Geschichte in Bezug auf das bedingungslose Grundeinkommen, von dem vermutlich schon jeder von uns gehört haben sollte. Das BGE soll jedem Menschen vom Staat gezahlt werden, ohne irgendeine Bedingung wie „muss arbeitslos sein“, „muss vierzig Jahre gearbeitet haben“ oder etwas in diese Richtung. Der Bürger bekommt einfach nur Geld dafür, dass er existiert. Im Gegenzug dazu würde es keine anderen Sozialleistungen wie das Kindergeld geben. In Deutschland ist der aktuelle Betrag für solch ein Grundeinkommen irgendwo um den Bereich 1000€ herum, den dann jeder bekommen würde. Bezüglich Kinder und Jugendlichen, die in meiner kleinen Geschichte auch vorkommen werden, gehe ich einfach mal von einem Betrag von 500€ aus. Es gibt sehr verschiedene Ansichten dazu, ob Kinder und Jugendliche nicht auch denselben Betrag wie Erwachsene erhalten sollten, daher ist das, was ich diesbezüglich sage, nicht allgemeingültig und muss auch nicht jedem Modell zum BGE entsprechen.

Ich wache auf. Eigentlich ist heute ein ganz normaler Morgen, dem ein ganz normaler Tag folgen sollte. Eigentlich. Doch heute wurde endlich das BGE in Deutschland eingeführt. Ich habe mich schon oft gefragt, was das für mich persönlich bedeuten soll. Ich bin Schülerin, die soweit von ihren Eltern mitfinanziert wird, die beide berufstätig sind und jetzt auch mehr Geld haben. Dadurch, dass ich nun ein eigenes Geld habe, bin ich vielleicht auch keine so große finanzielle Belastung mehr. Kinder in die Welt setzen scheint nun nicht mehr ein so großes finanzielles Problem zu sein. Ich fahre in die Schule und sehe viele glückliche Gesichter. Es fühlt sich so an, als hätten wir alle über Nacht im Lotto gewonnen. Eigenes Geld, nur dafür, das wird existieren. Wir haben plötzlich nicht mehr den Nachteil der Finanzen im Vergleich zu Leuten, die nun schon eine Ausbildung machen und eigenes Geld verdienen. Wir diskutieren über unsere Berufswünsche, was wir mit dem Geld machen wollen, wie sehr sich unsere Welt verändert. Sofort wird klar, das, was vorher als brotlose Kunst abgetan wurde, gerät plötzlich wieder in den Vordergrund. Niemand musste nun etwas machen, was eigentlich gar nicht so sehr den eigenen Wünschen entspricht, aber mehr Jobchancen bietet oder gar die Gefahr der Armut verringert. Manche meiner Freunde überlegen sich nun, Kunst zu studieren, was sie vorher abgetan haben, weil damit sowieso kein Job zu finden ist. Diejenigen, die beispielsweise bei der freiwilligen Feuerwehr sind, dort noch viel mehr tun möchten und eigentlich nicht die Zeit dazu haben, überlegen sich, ob es sich nach dem Abitur lohnt, dort erst einmal ein paar Jahre ehrenamtlich zu arbeiten. Ein Mitschüler überlegt nun, nachdem er schon lange von zuhause ausziehen wollte, aber nie die finanziellen Möglichkeiten hatte, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Ein weiterer Mitschüler, dessen Eltern sich eher schlecht als recht um ihn kümmern, zieht es in Betracht, wirklich einmal studieren zu können, ohne dabei größere Probleme mit der Finanzierung zu haben. Eine Mitschülerin, die später einmal in einer Großstadt leben will und sowieso noch ihren Führerschein finanzieren muss, steht plötzlich vor ein paar Problemen weniger. Trotzdem will sie in den Sommerferien noch arbeiten, sich etwas mehr dazu verdienen. Es würde zwar reichen, aber sie will sich etwas mehr Luxus gönnen und sonst ist ihr sowieso in den Ferien zu langweilig. Unsere Lehrer interessiert es fast gar nicht, dass sie nun monatlich 1000€ vom Staat erhalten. Niemand will das Handtuch werfen, niemand will gehen. Der ein oder andere will laut Gerüchten nächstes Schuljahr nur noch halbtags arbeiten, sich mehr um die eigene Familie kümmern. Viele haben noch kleine Kinder zuhause. In Politik diskutieren wir mal wieder über das Thema BGE, was wir sowieso schon den ganzen heutigen Tag getan haben. Der ein oder andere will nach dem Abitur erst einmal gar nichts machen, befürchtet aber, dass das sehr schnell langweilig wird. Wir haben schon ein paar gefunden, die sich als Jungautor versuchen wollen. Nach der Schule fahre ich noch nach Hause, doch bevor ich hineingehen kann, spricht mich meine Oma an. Sie umarmt mich und dankt mir dafür, dass ich mich politisch dafür eingesetzt habe. Altersarmut ist in ihrem Freundeskreis nun ein viel kleineres Thema, sie selbst macht sich keine Gedanken mehr über ihre Rente. Genauso reagiert auch meine Mutter, die sich bisher immer Sorgen gemacht hat, wer einmal ihre Rente bezahlen soll. Mein Vater verhandelt mit seinem Arbeitgeber, ob er nicht etwas mehr zuhause arbeiten kann, Home Office eben. Durch das BGE hat er eine viel stärkere Verhandlungsbasis. Insgeheim gesagt ist er auch der beste Koch in meiner Familie, sodass ich nichts dagegen hätte. Später im Bioladen erzählt mir die Besitzerin, dass die Arbeiter heute viel motivierter waren als sonst und dass der ein oder andere vielleicht etwas weniger arbeiten will, um sich um die Familie zu kümmern, aber das steht noch in den Sternen. Abends fahre ich dann zu meinem Freund, der sich natürlich auch über die Einführung des BGEs freut. Gemeinsam treffen wir uns mit anderen Piraten beim Stammtisch und feiern erst einmal die Einführung des Grundeinkommens. Eines unserer Ziele haben wir verwirklicht, eine große Hürde überwunden. Da dürfen wir uns vor neuer politischer Arbeit auch mal zurücklehnen und die Entwicklung feiern, die wir heute selbst erlebt haben. Ich denke stärker über mich selbst nach. Später, beim Studium, müssen meine Eltern mir nicht so stark bei der Finanzierung helfen, wie ich geglaubt habe. Eine finanzielle Belastung durch ein Kind weniger und für das Kind bedeutet es mehr Selbstständigkeit. Oh ja, ich freue mich darauf, genauso wie auf die weiteren Tage des BGEs.

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