Verteilen von Vogelfutter soll illegal sein?

Hallo Welt,

heute, vielleicht sogar gerade jetzt, findet die Hauptgerichtsverhandlung zum Vogelfutterfall statt. Vogelfutterfall? Was ist denn da schon wieder los? Die Piraten in Chemnitz haben es gewagt, an ihren Infoständen Vogelfutter in Form von Hanfsamen zu verteilen, dazu sogar noch der Hinweis, dass diese nicht gepflanzt werden dürfen.

Die politische Intention hinter dieser Verteilaktion kann ich auf jeden Fall gut verstehen. Nicht umsonst bietet der Piratenshop entsprechende Produkte zu dem Themenkomplex Drogenpolitik und Cannabislegalisierung an. Und der große Vorteil an Hanf, der auch für Vogelfutter verwendet wird, ist, dass es sicher hierbei nun mal um Produkte handelt, die kein THC enthalten, das eben die Wirkung von dem illegalen Cannabis hervorruft. Insofern ist es eine schöne Idee, mit etwas Legalem auf etwas noch Verbotenes aufmerksam zu machen. Insofern frage ich mich aber auch, warum es verboten sein soll, etwas, was ich legal selbst in einem größeren Supermarkt kaufen kann, zu verschenken. Das ist in etwa so, als würde ich Zucker in Tütchen packen und damit für die Legalisierung für Amphetamine werben oder mit einer Spielzeugautobahn gegen Tempolimits zu kämpfen. Genauso wie Hanfsamen ist Zucker fast überall zu kaufen, genauso wie eine Spielzeugautobahn. Ist es nun verboten, Zucker für die Legalisierung von illegalen Amphetaminen zu verteilen, ganz egal, was man persönlich davon hält oder Spielzeugautobahnen, was zwar irgendwann recht teuer werden würde, obwohl man damit noch nicht einmal ein Tempolimit überschreitet?

Gerade Produkte aus Hanf sind neben der politischen Intention sehr vielseitig. Ich persönlich habe auch Hanfsamen zuhause, allerdings nicht in Form von Vogelfutter und auch nicht mit THC. Warum? Ganz einfach, die sind gar nicht so ungesund und ab und an esse ich die ganz gerne. Recht vielseitig sind sie auch einsetzbar: In Smoothies, im Joghurt, im Müsli, in Salaten, der Kreativität sind quasi keine Grenzen gesetzt. Gibt es übrigens in jedem gut ausgebauten Supermarkt mit einer vergleichsweise mittelgroßen Bio-Abteilung zu kaufen. Ähnlich verhält es sich mit Hanfmehl, das ich allerdings nicht aus einem standardmäßigen Supermarkt, sondern aus dem Rapunzelshop Legau im Allgäu habe, wo auch der Firmensitz ist.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Produkte, die mit Nutzhanf hergestellt werden, beispielsweise Hanföl, Hanftee, Hanfbrotaufstriche, Hanfseile, Kleidung und Stofftaschen aus Hanf, Hanfseife, Handcreme mit Hanf, die Liste ist verdammt lang. Und alle diese Produkte lassen sich ohne THC herstellen und kann ich auch problemlos Freunden oder Familienmitgliedern schenken. All das ist nicht sofort die böse Droge Cannabis, die eigentlich gar nicht so böse ist, und kann einfach nur in der Ernährung eingesetzt werden ohne überhaupt irgendeine politische Intention dahinter zu haben.

Insofern hoffe ich heute auch auf ein faires Urteil. Obwohl Cannabis leider noch zu den Drogen gehört, die in Deutschland verboten sind, trotz der vielen Argumente, die eigentlich gegen ein weiteres Verbot sprechen, muss Hanf in dieser Form erstmal nichts damit zu tun haben und enthält in vielen Fällen noch nicht einmal THC. Zwar gibt es auch Fälle, bei denen beispielsweise Hanfpulver zu hohe Mengen an THC enthalten hat, aber das sind Ausnahmefälle. Aber auch hier sind die Mengen ziemlich gering, was den THC-Gehalt betrifft. Gehen wir mal von einem Joint aus, der 0,9 Gramm Cannabis enthält mit einem THC-Gehalt von 10%. Macht 0,09g THC. Umgerechnet sind das 90000 Mikrogramm, während bei dem Pulver mit zu hohem THC-Gehalt gerade einmal 20 Mikrogramm auf 25 Gramm Pulver aufgenommen werden. Um also so viel THC aufzunehmen wie durch einen Durchschnittsjoint, müsste ich 4,5kg von diesem Pulver essen. Dass das vermutlich relativ unrealistisch ist, ist auch irgendwo klar. Daher denke ich, dass die minimale Restmenge an THC, die eventuell noch in Hanfsamen enthalten sein könnten, auch nicht ausreicht, um ein solches Strafverfahren zu rechtfertigen, weil es sich um illegale Betäubungsmittel gehandelt haben soll.

Daher wünsche ich den Piraten aus Chemnitz viel Erfolg beim heutigen Verfahren.

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