Sind polyamore Menschen eigentlich queer?

Hallo Welt,

gerade in der CSD-Saison, die jetzt den ganzen Sommer über läuft, wobei schon ein paar Veranstaltungen waren, beispielsweise Saarbrücken und Köln, und noch welche sind wie an diesem Wochenende Braunschweig und am Wochenende vom 12. und 13. August Rhein-Neckar, sind dort inzwischen nicht nur mehr homosexuelle Menschen zu finden, sondern auch bi-, pan-, inter- und asexuelle Menschen sowie Transgender. Oftmals wird das im Rahmen der LGBT+-Community verdeutlicht, wobei L für Lesbians, G für Gays, B für Bisexuals und T für Transgender steht. Das + verdeutlicht, dass das keineswegs alle nicht heteronormativen Orientierungen und Identitäten sind, die es gibt.

Und dann gibt es da noch so ein anderes Wörtchen, was sich daraus entwickeln lässt. Queer. Zunächst bezeichnet das alles, was in irgendeiner Art und Weise von der Norm abweicht. In den letzten Jahren hat dieser Begriff aber vor allem etwas von der Gleichstellungsseite abbekommen, vor allem, was sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und Lebensweise angeht. Die Wikipedia-Definition ist

Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich – je nach Selbstaussage – außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen,
Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen.

Oftmals wird dies auch durch eine Regenbogenflagge dargestellt, von der ich persönlich auch selbst eine piratisierte Variante habe (Hallo an die AG Queeraten!)

Das Problem mit dem Queerbegriff und polyamor lebenden Menschen hat diese Definition schon aufgegriffen nämlich „je nach Selbstaussage“. Einige Definitionen des Begriffes beschränken sich „nur“ auf die sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, dabei ungeachtet bleibt die Lebensweise und Art, die Beziehungen zu führen. Das Magazin queer.de, das sich selbst als Zentralorgan der Homo-Lobby bezeichnet, schränkt diesen Begriff dementsprechend noch weiter ein und geht in den meisten Fällen nur auf Schlagzeilen im Zusammenhang mit Homosexualität ein, ab und an auch Transgender, aber eben vergleichsweise selten. An sich ist es auf jeden Fall gut, ein solches Magazin in Deutschland zu haben, aber es deckt eben nur einen Teil des Bereiches queer ab.

Aber zurück zur Polyamory. Oftmals wird damit argumentiert, dass sich bewusst dazu entschieden wird, diese Art der Beziehung zu führen. Ich selbst führe aktuell eine polyamore und sexuell offene Beziehung, die um Partner erweitert werden darf, und ja, ich mag mich bewusst dazu entschieden haben, aber aus dem einfachen Grund, dass mich eine Beziehungsform, die andere Menschen und mögliche, weitere Beziehungen ausschließt, auf Dauer unglücklich machen würde. Um genau zu sein würde es mich nicht nur unglücklich machen, es könnte schon von Anfang an nicht funktionieren. Abgesehen von der Tatsache, dass selbst, wenn ich eine neue Beziehung eingehe, gesetzt der Fall, diese beschränkt sich in romantischer als auch sexueller Hinsicht auf einen Partner, plötzlich alle sexuell attraktiven Menschen in meiner Umgebung unattraktiv werden. Die Menschen, in die ich vorher verliebt war, verschwinden dann auch nicht plötzlich. Aber es wäre eben nicht erlaubt, ich dürfte in meiner Beziehung diese Gefühle gar nicht ausleben. Das kann und will ich nicht. Klar, auch für mich wäre es einfacher, wenn ich in der Lage wäre, solche Beziehungen zu führen. Es ist gesellschaftlich auf jeden Fall akzeptiert und weniger zeit- und kostenintensiv. Ich bin dazu aber einfach nicht in der Lage. Es mag Menschen geben, die das können, was eben ein Großteil der Gesellschaft ist, es mag Menschen geben, die polyamor leben können als auch eine Beziehung, die sich auf eine Person beschränkt, es mag Menschen geben, die nur polyamor leben können, wobei es auch hier natürlich wieder Unterschiede gibt, wie das jeweilige Beziehungskonzept aussieht, damit jemand glücklich ist, aber letztlich entscheide ich mich nicht dafür, polyamor zu sein. Ein homosexueller Mann wird auch keine Beziehung mit einer Frau führen können, genauso wenig bin ich dazu in der Lage, eine Beziehung zu führen, die sich auf einen Partner beschränkt. Ja, ich hatte auch schon Beziehungen, die sich auf einen Partner beschränken. Aber wie man leicht sieht, sind diese offenbar gescheitert. Meine aktuelle Beziehung war auch mal irgendwie beschränkter, aber auf einen einzigen Partner beschränkt war sie in dem Sinne nie wirklich. Ja, auch wir sind den Schritt weiter gegangen, dass mehrere Partner erlaubt sind, entsprechend unserer Regeln, weil eben das passiert ist, was bei mir des Öfteren passiert. Ich finde andere Menschen sexuell attraktiv und verliebe mich. Dafür kann ich nichts. Es wäre auch sicherlich keine Lösung für mich, sobald das passiert, mich für jemanden zu entscheiden. Dann hätte ich permanent kurze Beziehungen, die mich nie glücklich machen. Es ist keine Entscheidung für mich, polyamor zu sein, genauso wenig wie es für einen Transgender keine Entscheidung ist, welches Geschlecht denn nun das eigentliche, das richtige Geschlecht ist und wie es für einen Homosexuellen keine Entscheidung ist, ob der homosexuell ist und wie es für den Fußfetischisten keine Entscheidung ist, ob dieser nun diesen Fetisch hat. Ich entscheide mich lediglich dazu, meine Beziehungen entsprechend zu gestalten, genauso wie der Transgender seine Konsequenzen für sich und seinen Körper daraus zieht, genauso wie der Homosexuelle nur Beziehungen mit Menschen eingeht, die dasselbe Geschlecht haben und genauso wie der Fußfetischist Menschen sucht, mit denen er seinen Fetisch ausleben kann.

Polyamorie ist übrigens genauso natürlich wie alles andere auch. So wie es im Tierreich beispielsweise Homosexualität, Transgender und Intersexualität gibt, so gibt es auch Tiere, die Beziehungen mit mehreren Artgenossen pflegen. Insofern reihe ich mich als polyamorer Mensch in eine Reihe von natürlichen Gegebenheiten ein, die in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligt werden. Ich will an der Stelle gleichgeschlechtlichen Paaren ihren Kampf um die Ehe für alle natürlich nicht wegnehmen. Ich selbst bin da Verfechterin für und kämpfe auch sehr gerne mit. Da ich als Mensch, der auch im Sinne der L(i)ebensweise queer ist, aber genauso das Recht haben will, rechtlich mit mehren Menschen zusammen zu sein und dementsprechend sämtliche Vor- und Nachteile zu haben, ist das deswegen nicht gleich weniger queer.

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Alltagssexismus – Geschlechterklischees

Hallo Welt,

nachdem ich in einigen Posts zum Thema Alltagssexismus vorher gerne das Wort „Geschlechterklischee“ verwende und an keiner Stelle wirklich erklärt habe, will ich das an dieser Stelle nun zum einen nachholen, zum anderen will ich nochmals verdeutlichen, wie absurd es eigentlich ist, wenn die Gesellschaft jemandem je nach Geschlecht vorschreiben will, was er zu tun und wie er auszusehen hat. Generell ist natürlich zu sagen, dass kein Mensch aussehen muss, wie es ihm vorgeschrieben wird. Jede Person sollte in der Lage sein, sich selbst nach seinen Wünschen auszuleben und zu gestalten. Da gibt es leider nur einen Knackpunkt. Das gesellschaftliche Schönheitsideal steht dem des Öfteren im Weg, sodass dadurch ein gewisser sozialer Druck aufgebaut werden kann, wenn man es wagt, sich dem entgegenzustellen. Auf die Geschlechterklischees bezüglich nicht binären Menschen werde ich hier nicht eingehen, denn größtenteils existieren in dem Bereich (noch) keine Klischees. Allerdings zu dem Preis, dass ein Großteil der Gesellschaft noch immer der Meinung ist, dass es nur Mann und Frau gibt, was ja definitiv nicht der Fall ist. Ich persönlich bedauere diese Einstellung.

Aber was macht nun den perfekten Mann und die perfekte Frau aus? Der perfekte Mann sollte auf jeden Fall größer als seine Partnerin sein, muskulös, mit einem definitiv nicht zu langen Bart, vielleicht ein bisschen das Image, dass man ja böse ist, Frauen wollen ja schließlich erobert werden, natürlich neben seinem Macho-Image, dass er jede Frau haben kann, braucht er Familienfreundlichkeit, soll einmal der perfekte Vater werden, muss auf jeden Fall einen gut bezahlten Job haben, ganz oben auf der Karriereleiter sein und muss natürlich die Produkte benutzen, die eben nur echte Männer benutzen. Ach ja, natürlich muss er Sport, Bier und Fußball lieber und darf niemals weinen oder Schwäche zeigen. Dann wäre er ja kein echter Mann. Vom Aussehen her übernimmt David Beckham, der 2015 zum Sexiest Man Alive gewählt wurde, diese Voraussetzungen.

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Das ist also der Typ Mann, den jede Frau heiß und innig lieben muss. Selbst die Lesben, sonst wären die ja keine richtigen Frauen. Zum Glück tritt dieses homophobe Klischee, das eine Lesbe ja viel männlicher als alle anderen Frauen ist, immer weiter in den Hintergrund und kommt hoffentlich auch bald in der Bedeutungslosigkeit an. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert. Aber was ist nun die perfekte Frau? Sie ist entsprechend kleiner als ihr Göttergate, immer perfekt geschminkt und sieht trotzdem natürlich aus, lieb, zierlich, nett, auf jeden Fall höflich, hat langes, wallendes, im allerbesten Fall sogar naturblondes Haar, sonst ist ihr Körper blank, träumt davon, die Mutter seiner Kinder zu werden, kauft ihrer Tochter auf jeden Fall pinke Puppen und ihrem Sohn blaue Autos, zieht natürlich die Kinder hauptsächlich auf, damit ihr Mann seine perfekte Karriere nicht aufgeben muss, genauso kümmert sie sich hauptsächlich um den Haushalt, weil es beim Mann ja nicht geht, hat aber natürlich auch einen Job, macht sich ständig Sorgen um ihr Gewicht, obwohl ihr Körper natürlich vollkommen perfekt ist und liebt noch dazu ihren Garten und kann nicht aufhören mit shoppen, es ist einfach wie eine Sucht. Unsere Sexiest Woman Alive 2015 ist Emilia Clarke und stellt somit das äußerliche Ideal dar.

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An der Stelle denke ich, sollte ich erwähnen, dass diese beiden Menschen zwar ein von der Gesellschaft angestrebtes Ideal darstellen, das ich insgesamt als negativ bewerte, die Menschen in ihrem Aussehen allerdings nicht als negativ ansehe. Jeder Mensch hat das Recht, sein Aussehen nach seinen persönlichen Wünschen zu gestalten. Wenn die beiden genannten Personen nun einmal so aussehen wollen, wie sie aussehen, dann ist das ihr gutes Recht.

So, aber was passiert nun, wenn sich jemand gegen eines der Geschlechterklischees, die sich noch beliebig erweitern lassen, entscheidet, sei es nun gewollt, ungewollt oder bewusst, unbewusst? Diese Person wird schief angeschaut, darauf angesprochen, etc. Ungewöhnliche Dinge an Menschen werden sowieso oftmals angesprochen, denn was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. An der Stelle fasse ich gerne mal ein paar Klischees zusammen, die ich so ab und an schon bemerkt habe.

Frauen müssen auf jeden Fall BHs tragen, das ist sonst schlecht für die Gesundheit!

In diesem Fall geht es wirklich so weit, dass ich schon gehört habe, dass jemandem mit Brüsten Herzrhythmusstörungen ohne BH drohen. Abgesehen von der Tatsache, dass es wem auch immer auch egal sein kann, ob ich nun einen BH unter meiner Kleidung trage oder keine Lust darauf habe oder es wie bei mir aktuell Schmerzen verursacht, das Ding überhaupt anzuziehen, gibt es inzwischen genügend Studien und Belege, die zeigen, dass jemand mit Brüsten auch ohne BH überleben kann.

Frauen müssen Kurven und Brüste haben. Ein Mann braucht was zum Anfassen. Nur Hunde spielen mit Knochen. Und zu fett darf sie natürlich auch nicht sein, Big Mac bekomme ich bei Mecces!

Hier könnte man eigentlich alles nehmen, was irgendwie die Figur einer Frau beschreibt, die natürlich erotisierend sein muss, aber strengen Vorgaben folgen muss. Eine Frau ist übrigens jemand, der sich als Frau fühlt. Das ist nicht am Körbchen festzumachen. Jeder Körper ist ein guter Körper, sofern das Wohlfühlgefühl da ist. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

So ein Mann, der muss schon Muskeln haben und was Schweres packen können. Ich brauche keinen Strich in der Landschaft oder einen Fettsack!

Selbes Spiel, jeder, der sich in seinem Körper wohl fühlt, sollte sich von niemandem einreden lassen müssen, dass sein Aussehen falsch ist, weil es nicht schön ist. Was gesundheitliche Faktoren angeht, muss ich passen. Ich bin kein Mediziner und kann niemandem raten, was für den eigenen Körper gesund ist.

Männer dürfen sich nicht schminken, das ist voll homo und unmännlich!

Homophobie kommt auch noch oft im Zusammenhang mit solchen Aussagen auf. Schwule sind ja eher Frauen als Männer, genauso wie Lesben eher Männer als Frauen sind. Dass die Sexualität mal nichts mit den individuellen Präferenzen bezüglich der persönlichen Gestaltung des Aussehens zu tun hat, ist scheinbar egal. Jeder Mann hat genauso das Recht sich zu schminken, wie es normalerweise von Frauen erwartet wird.

Rasierte Beine bei Männern sind voll unmännlich! Alle Frauen müssen sich überall rasieren, sonst sind sie zu männlich!

Selbes Spiel wie vorher, mit Hygiene hat das übrigens auch nicht viel zu tun. Gut, ich gehöre sowieso zu den Frauen, die es nicht stört, ob sie nun an manchen Körperstellen behaart sind oder nicht, weil ich aus mir unerfindlichen Gründen an Armen und Beinen blond bin. Allerdings ist es bei jedem, egal ob nun schwarz, blond, lila oder was auch immer vollkommen egal, Hauptsache, der Person gefällt es.

Frauen dürfen sich nicht nackt zeigen, dann sind die ja voll billig!

Überraschung, eine leicht bekleidete oder nackte Frau ist kein Grund, sie irgendwie als billig oder leicht zu haben anzusehen. Sie selbst kann frei über ihr Sexualleben entscheiden und genau danach sollte sie auch niemand beurteilen. Es ist ihre Sache, es ist kein Grund, jemanden zu verurteilen, weil er sexuell offen und aktiv ist. Dadurch wird auch niemand beschmutzt und eine Vagina leiert sich dadurch nicht aus. Ein Mund leiert sich ja auch nicht dadurch aus, dass oft große Burger gegessen werden.

An dieser Stelle könnte ich natürlich noch viele weitere Klischees auflisten, die mir so begegnen und einfallen. Allerdings ist denke ich klar geworden, dass es vollkommen egal ist, wie ein Mensch sich gestaltet, es ist eine persönliche Sache. Klar, bei der (Sexual-) Partnerwahl spielen auch wieder die persönlichen Präferenzen mit, die der jeweils andere im Idealfall alle erfüllt. Allerdings sollte man die nicht jeder Person, die einem gerade über den Weg läuft, aufzwingen. Ich mag generell Menschen, die etwas ausgefallener sind, ich empfinde meistens bunte Haare als attraktiv, sofern es zu dem jeweiligen Menschen passt. Muss nun jeder meiner Meinung nach mit bunten Haaren durch die Welt laufen? Nö. Es ist meine persönliche Präferenz und die habe ich niemandem aufzuzwingen. Klar ist es super, wenn mein Gegenüber dies erfüllt und ich zufälligerweise in irgendeiner Art ein berechtigtes Interesse an seinem Aussehen habe, aber deswegen muss nun niemand meinem persönlichen Schönheitsideal entsprechen. Und mit dem gesellschaftlichen Ideal sollte es eigentlich genauso laufen.

Warum nicht einfach Sexismus verbieten?

Hallo Welt,

heute soll es mal um eine augenscheinlich einfache Lösung für ein komplexes Thema gehen. Wie vielleicht ab und an zu erkennen ist, finde ich Sexismus nicht gerade sehr erheiternd. Ich schreibe viel über Alltagssexismus, der mir immer mal wieder begegnet und gerade der ist mir ein besonderes Dorn im Auge, weil er auf bestimmten Rollenklischees aufbaut, die ich so nicht unterstützen kann und will. Ich mag diese Rollenklischees übrigens in keinem Bereich, also egal, ob jemand männlich, weiblich, nicht-binär, hellhäutig, dunkelhäutig, gut gebräunt, bildschirmgebräunt, katholisch, evangelisch, der Religion des fliegenden Spaghettimonsters angehörend, jüdisch, muslimisch, atheistisch, agnostisch, nihilistisch, homosexuell, asexuell, heterosexuell, pansexuell, omnivor, vegan, vegetarisch oder was auch immer ist, bleibt mir bitte mit Rollenklischees fern. Allerdings habe ich eine recht genaue Vorstellung von Sexismus und ziehe bei Sexismusbekämpfung auch irgendwo meine Grenzen. Sexismus meint zunächst eigentlich „nur“ die strukturelle Unterdrückung aufgrund des Geschlechts von Frauen, weil sie im Vergleich zu Männern immer noch ungleich behandelt werden. Da ich aber der Meinung bin, dass Männer genauso aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden können wie Frauen, sei es nun beispielsweise durch Geschlechterklischees, benutze ich den Begriff des Sexismus gerne für alle Geschlechter und definiere ihn auch entsprechend. Das sollte vielleicht auch gerade zu Beginn geklärt sein, dass alle Geschlechter meiner Meinung nach Sexismus erfahren können, wenn auch unterschiedlich.

Die Idee, Sexismus in irgendeiner Form zu verbieten, ist eigentlich gar nicht neu. So war des Öfteren schon in der Diskussion, dass Sexismus in Werbung verboten werden soll. Dass Frauen nicht auf ihre Sexualität und ihre sexuellen Gefälligkeiten reduziert werden sollten, ist, denke ich mal, nicht Thema. Dass das für unsere Gesellschaft meiner Meinung nach auf keinen Fall okay ist, ist klar. Dennoch ist die Werbung scheinbar ansprechend, sonst würde sie nicht gemacht werden und niemand würde das entsprechende Produkt kaufen. Werbung ist nun mal ein Spiegel der Gesellschaft und Produkte, die sexistisch beworben werden, kaufe ich letztlich nur eingeschränkt oder im besten Fall gar nicht. Das ist als Verbraucher meine Reaktion darauf. Dass diese Werbung allerdings produziert wird, hat den einfachen Grund, dass sie auch in der entsprechenden Zielgruppe beliebt ist. Den entsprechenden Konzernen allerdings zu verbieten, dass sie deswegen keine sexistische Werbung mehr verwenden dürfen, ist daher der falsche Weg. Wie ich bereits erwähnt hatte, ist alleine schon die Definition von Sexismus schwierig. Manche übertragen es nur auf Frauen, manche auch auf Männer und manche sehen in wirklich jedem Detail Sexismus, während es anderen wiederum schlicht und einfach egal ist. So kann in eine Frau, die von der Mehrheit als attraktiv und begehrenswert empfunden wird, im Bikini, die für ein Strandset wirbt, schon als sexistisch empfunden werden, während andere die Werbung von Redcoon als sexistisch sehen. Aus der Kategorie Sexismus gegen Männer habe ich auch noch was da.

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Also viele verschiedene Möglichkeiten, Sexismus zu sehen. Ich selbst sehe vor allem Alltagssexismus in Sachen, für die man vielleicht einen Moment länger nachdenken muss, aber nicht in Dinge, in die erst einmal noch eine ordentliche Portion Sexismus reininterpretiert werden muss, um mal ein Beispiel zu nennen, in die Tatsache, dass meistens nur biologische Frauen dazu in der Lage sind, schwanger zu werden. Beim Thema biologisches Geschlecht bin ich persönlich ja sowieso der Meinung, dass hier in bestimmten Bereich unterschieden werden muss. Beim Arzt zum Beispiel. Hört sich vielleicht blöd an, aber im Bereich der Medizin kann das biologische Geschlecht tatsächlich relevant werden. So zeigt sich beispielsweise ein Herzinfarkt bei Frauen im Schnitt mit anderen Symptomen als bei Männern. Allerdings ist das gesellschaftlich gesehen irrelevant und medizinische Informationen sind vor allem eines, sensible und private Daten. Um es noch überspitzter darzustellen und es noch höher zu treiben, männliche Homosexuelle sind auch keine Sexisten, weil sie sich nun einmal nicht zu Frauen hingezogen fühlen und alleine die Existenz von Männern ist auch nicht sexistisch. Genau überspitzt, zurück zum Ernst. Da scheitert solch ein Werbeverbot als erstes dran, es ist schwer zu sagen, was nun zu sexistisch ist und was noch in Ordnung ist. Der Gesetzesentwurf spricht ja erst einmal von sexualisierter Darstellung. Dass eine Werbung für Sexarbeiter vermutlich gerade die sexuellen Vorzüge betont, ist klar, und bildet vermutlich wieder die Ausnahme, die ich mir als erstes herausgepickt habe. Sexualisierte Darstellung von Menschen, reduziert auf deren Geschlecht, mag ich generell nicht. Wenn wir nun aber sexualisierte Werbung hätten, die nicht auf das Geschlecht des Menschen abzielen und auch nicht von Geschlechterstereotypen geprägt sind, so wäre es mir egal. Vielleicht würde ich die Werbung doof finden. Vielleicht aber auch gut, weil es so wenig von dieser idealisierten Art der Werbung gibt. Ein Verbot von sexistischer Werbung sorgt vermutlich auch eher dafür, dass das Thema nicht ernst genommen wird und eine gewisse Zensur der Werbung stattfindet. Ich finde es auch nicht schön, wenn sexistische Werbung gezeigt wird, aber da es offenbar einen Markt dafür gibt und es immer noch Sexismus gibt, hilft ein Verbot, das zu zeigen, meiner Meinung nach nicht weiter, wenn es immer noch die Rollenklischees gibt, wie Mann und Frau sich verhalten müssen. Nicht-binäre ausgenommen, weil die laut Klischee ja sowieso nicht existieren und nur etwas besonderes sein wollen. Damit wird höchstens eine Verbreitungsart ausgenommen, die aber sowieso nicht im Vordergrund steht, weil meistens die Sozialisation eine verdammt wichtige Rolle spielt und nicht die Werbung.

Ein Verbot von Sexismus in der Werbung erachte ich also als nicht sinnvoll, wie ist es dann mit einem generellen Verbot von Sexismus? Das kann man sich ja eigentlich schon fast denken. Wenn Sexismus sowieso schon ein vergleichsweise schwierig zu greifender Begriff ist, so wäre ein generelles Verbot sehr schwierig. Zu den Argumenten, die ich bereits in Bezug auf das Verbot von sexistischer Werbung geäußert habe, kommt hier vor allem der Gedanke dazu, dass ich damit eine bestimmte Art zu denken, nämlich in dem Fall sexistisch, nicht nur abwerte, sondern auch unter Strafe stelle. Dass ich Sexismus und vor allem Alltagssexismus gerne abwerte, das passiert. Das ist meine Meinung, die ich frei kund tun darf. Genauso darf aber jemand auch seine sexistische Meinung kund tun. Ein generelles Verbot von Sexismus würde die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig eingrenzen. Abgesehen davon bin ich nicht Besitzer der alleinigen Wahrheit einer perfekten Gesellschaftsordnung. Ich finde Sexismus schlecht, so geht es auch vielen anderen Menschen. Ich bekämpfe aktiv Sexismus. Es gibt auch andere Menschen, die Sexismus bekämpfen, aber die sehen das vielleicht anders als ich. Wie bereits bei der schwierigen und unterschiedlichen Definition von Sexismus bin ich hier an einem Punkt angelegt, an dem ich nicht die allgemeingültige Wahrheit besitze. Ich habe meine Meinung, meine persönliche gesellschaftliche Utopie, meinen Wunsch nach Post Gender, aber nur, weil ich der Meinung bin, dass das der gesellschaftliche Weg ist, mit verschiedenen Geschlechtern umzugehen, ist dieser Weg noch lange nicht allgemeingültig und jeder muss diesen annehmen. Würde ich annehmen, dass mein Weg allgemeingültig und perfekt wäre, würde ich damit alle anderen Ideen abwerten, die es vielleicht noch gibt, so sexistisch die vielleicht auch sein mögen. Ich lasse mich gerne belehren und höre mir verschiedene Meinung an, dabei kann ich im besten Fall sogar noch etwas (dazu) lernen. Das soll nun nicht Sexismus á la „Frauen gehören hinter den Herd“ rechtfertigen, nur ist meine Meinung nun mal keine Tatsache. Daher wäre ein Verbot schon alleine aus meiner persönlichen und egoistischen Perspektive ein Schuss ins eigene Knie. Außerdem gibt es ja bereits entsprechende Strafen, falls es zu sexistisch wird. Wird jemand beleidigend sexualisiert, so gibt es immer noch den Straftatbestand der Beleidigung. So ist „XY ist aber eine H*re, die zieht sich immer so freizügig an“ auf ein Geschlechterklischee zurückzuführen und dazu noch beleidigend sexualisierend. Das regelt schon unser Strafrecht, dazu brauche ich kein Gedanken- und Meinungsäußerungsverbot, was Sexismus angeht. Bezüglich des Punktes Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kann noch relativ viel diskutiert werden. Es gibt immer wieder Urteile, in denen Fälle auftreten, bei denen eine Frau sich nicht genug gewehrt haben soll, damit es sich um eine Vergewaltigung handelt und das Strafgesetzbuch sieht dafür mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe vor. Im „Optimalfall“ ist also eine Vergewaltigung laut Strafgesetzbuch weniger dramatisch als Steuerhinterziehung, um mal ein Beispiel zu nennen. Dass also die Strafe für eine Vergewaltigung so nicht bleiben kann, wird ja bereits diskutiert und eine ausführliche Bearbeitung dieses Themas würde den Rahmen dieses Beitrags eindeutig sprengen. Daher verzichte ich an dieser Stelle auf eine ausführlichere Diskussion. Die Frage bleibt aber weiterhin, ob Vergewaltigung Sexismus oder das Resultat eines sexistischen Menschenbildes ist. Auch diese Diskussion würde vermutlich den Rahmen sprengen, weswegen ich hier einfach annehmen werde, dass sexuelle Gewalt auf einem negativen und sexistischen Menschen- und Frauenbild beruhen kann, aber nicht muss. Leider gibt es ja auch Vergewaltigungsfälle gegen Kinder und Männer, in denen nicht unbedingt Sexismus ein Grund sein muss und sein wird. Eine Vergewaltigung ist ja zum Glück verboten und hoffentlich wird hier auch die Rechtssprechung künftig etwas strenger und eindeutiger.

Wir halten also fest, Verbote bezüglich Sexismus gehen meistens nach hinten los. Alleine durch die Empörung, dass man nun ja nicht mal mehr frei seine Meinung äußern und denken darf, obwohl das ja gar nicht sexistisch ist (auch, wenn das Gegenteil aus meiner Sicht der Fall ist), schlägt die Sensibilisierung gegen Sexismus fehl. Da hilft leider nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und das Bekämpfen von Geschlechterstereotypen in der Hoffnung, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der nur noch meine Sexualpartner und meine Ärzte mein Geschlecht interessiert.

Analsex, Darkrooms und BDSM im Aufklärungsunterricht?

Hallo Welt,

heute geht es um ein Thema, das vor kurzem wieder durch die Medien gegangen ist. Es soll diesmal um Sexualkunde gehen oder das Wort, das ich in dem Kontext bevorzuge, nämlich Aufklärungsunterricht. Meiner Meinung nach sollte es dabei nämlich nicht nur um sexuelle Gegebenheiten gehen. Hintergrund der Diskussion ist unter anderem hier zu finden.

Bevor ich mich allerdings dem Thema widme, was ich denke, was allgemein so im Aufklärungsunterricht von der Schule aus wann behandelt werden sollte, werde ich mich erst einmal mit der erwähnten Kampagne, Schule der Vielfalt, auseinander setzen und ob das auf der Onlinepräsenz wirklich so extrem ist, wie es in den meisten Medien dargestellt wird. An sich ist das Projekt, was den ersten Blick angeht, zu befürworten. Zunächst einmal geht es um die Bekämpfung von Homophobie an Schulen, daneben noch um den Abbau von Diskriminierungen gegenüber Leuten, die irgendwie der Queer- oder LGBT+-Community angehören. Allerdings gibt es ja hauptsächlich Kritik bezüglich der Lehrmaterialien im Punkt Rollenspiele. Genau das habe ich versucht, mir anzuschauen. Ja, versucht. Als ich für diesen Blogbeitrag recherchiert habe, hat mir die Seite gesagt, dass die pdf-Datei bezüglich dem kompletten Modul wohl nicht (mehr) verfügbar ist.

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Gerade an dieser Stelle wäre es sehr interessant gewesen, sich das alles anzuschauen, was so kritisiert wird, aber an der Stelle tut es mir Leid, dass ich das Dokument nicht finde. Wenn der Link wieder funktionieren sollte oder jemand die entsprechende Datei hat, ich bin dafür zu haben und an dieser Stelle kann ich das dann gerne wieder aufgreifen. Daher werde ich nun auf die vermutlich etwas weniger inhaltreiche Übersichtsseite zu Rollenspielen zurückgreifen. Hier finden wir keine konkreten Informationen zu irgendeiner Art der Rollenspielen, in der Anleitung ist lediglich folgender Hinweis noch dazu gegeben:

Grundsätzlich sollten Rollenspiele freiwillig erfolgen. Da in drei der vier Rollenspiele Lesben bzw. Schwule auftreten, sollte die Rollenverteilung unter den Freiwilligen per Los erfolgen, um keine Schülerin/keinen Schüler unter Rechtfertigungsdruck zu setzen.

Dieser Hinweis ist bezüglich der weiteren Diskussion zur Schule über Vielfalt meiner Meinung nach unglaublich wichtig. Es wird also kein kleines Kind dazu gezwungen, Analsex oder ähnliche Praktiken darstellen zu müssen, wenn es das nicht will. Einvernehmen bezüglich jeglichen sexuellen Handlungen ist verdammt wichtig und sollte auch schon in jüngeren Jahren, also hier ist die Rede von Klasse 7, gelehrt werden. Der Punkt ist hier allerdings, dass die meisten Kinder in dem Alter noch nicht wissen, was Analsex ist und selbst, wenn es einer nicht weiß, könnte man dessen Schamgefühl verletzen. Wenn ich mich an die Zeit in der siebten Klasse zurück erinnere, wusste ich persönlich noch nicht, was Analsex ist. Ich habe mich da immer gefragt, warum einige aus meiner Klasse das Wort Uralsee zu Analsee umwandelten und sich dabei kaputt lachten. So viel dann auch zu Reife bei dem Thema. Da ich im Grunde genommen nur die Informationen aus den Medien habe und die wenigen, die Schule der Vielfalt selbst hat, greife ich kurz Rollenspiele mit Dildos, Analsex, BDSM, den Bau eines Bordells und was weiß ich noch alles auf. Davon bin ich kein großer Fan. Die meisten Schüler sind dafür entweder zu jung oder haben es schon geschafft, sich dank Internet selbst aufzuklären. Wenn an irgendeinem dieser Themen ernsthaftes Interesse besteht, dann wird derjenige sich auch intensiv damit beschäftigen. Es ist zwar okay, ab einem gewissen Alter mal am Rande davon gehört zu haben, damit man weiß, dass es noch etwas anderes als die eigene, sexuelle Norm gibt, aber das gleich nachzuspielen halte ich für fragwürdig. Anders sieht es meiner Meinung nach im Bereiche der alltäglicheren Rollenspiele aus. Hier bin ich der Ansicht, dass Kinder ruhig mal eine Diskriminierungssituation darstellen können, um mal ein Beispiel zu nennen, wie ich mir das vorstellen könnte:
Schüler A: „Ey, ich hab gehört, du bist eine Schwuchtel!“
Schüler B: „Ich habe doch nur einen Freund wie ihre eine Freundin.“
Schüler C: „Schwuchtel, Schwuchtel!“
Damit soll dann im Idealfall gezeigt werden, was eben nicht okay ist, wenn Homophobie in der Klasse denn wirklich auftritt. Wenn alle lieb und tolerant sind, kann man auch gerne Rollenspiele durchführen, in denen Homosexuelle dann so behandelt werden, wie sie es eigentlich auch sollten, nämlich wie ganz normale Menschen, was sie ja letztlich auch sind. Sexuelle Handlung müssen da nicht nachgestellt werden, wenn denn was zum Thema Diskriminierung gegen Queer und LGBT+ gemacht werden soll. Übrigens habe ich mir mal den Spaß gemacht, die Suche auf der Seite Schule der Vielfalt mit verschiedenen Suchbegriffen zu füttern. Zu Dildo, anal, Darkroom, BDSM, Fetisch, Vibrator, Sexspielzeug, Lecktuch (was eigentlich ja eine Verhütungsmethode ist, was wichtig werden kann, sobald die sexuelle Handlung einen Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen involviert), Kondom (auch ein nicht unwichtiges Verhütungsmittel, sobald ein Mensch mit männlichen Geschlechtsorganen dabei ist), Penis und Vagina gibt es keinen einzigen Treffer. Zu SM gibt es lustigerweise Treffer, das sind dann aber meistens einfach nur Wörter, in denen irgendwie die Buchstaben S und M hintereinander vorkommen:

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Ähnliches Spiel hat man bei der Suche nach dem Wort Sex. Da das Wort Homosexualität nun einmal die Buchstaben S, E und X hintereinander enthält und es sich um ein Projekt gegen die Diskriminierung von Homosexualität handelt, ist es irgendwo logisch, dass dieser Begriff auftaucht. Da gibt es nur wenig interessante Dinge, beispielsweise das Begriffslexion zum Abgrenzen von Begriffen und es werden sogar Filme ab 16 aufgegriffen. Da gibt es wirklich Schlimmeres, vor allem, weil in meiner Schulzeit auch Filme mit FSK 16 geschaut worden, obwohl nicht alle Anwesenden zu diesem Zeitpunkt 16 waren. Das interessiert in der Regel auch nicht groß, vor allem nicht die Eltern, wenn es mal um ein bisschen mehr Gewalt geht. Die Schule für Vielfalt scheint also eigentlich gar nicht so schlimm zu sein, wenn man von dem Punkt absieht, dass gewisse Rollenspiele keine Option darstellen sollten.

In diesem Zusammenhang wird jedoch auch SCHLAU NRW kritisiert, was ich mir in dem Zusammenhang auch mal ansehen will. Dazu habe ich diesmal funktionsfähige Infomaterialien gefunden, an denen ich mich orientieren will. Dort steht explizit ganz weit vorne schon einmal das drin:

Werden die Jugendlichen in euren Workshops mit Sexualität konfrontiert?

Nein. SCHLAU macht keine Sexualaufklärung, sondern Antidiskriminierungsarbeit. Das bedeutet, dass wir mit den Jugendlichen über Lebensentwürfe und Familienmodelle, über Coming‐out und Diskriminierung sprechen.

Hört sich doch schon einmal gut an, dass hier kein Workshop im Sinne von sexueller Aufklärung bezüglich aller Bereiche der Sexualität, also auch beispielsweise verschiedene Fetische genaustens unter die Lupe genommen werden, stattfindet. Es wird sogar auf die kritisierten Rollenspiele eingegangen:

Wir haben von Methoden gehört, in denen Jugendliche einen Puff planen oder sich Lieblingsstellungen ausdenken sollen. Wendet ihr solche Methoden an?

Nein. In unseren Methoden geht es um Diskriminierung, Klischees, Familienbilder oder allgemein um gesellschaftliche Privilegien. Die Jugendlichen planen keinen Puff, denken sich keine Lieblingsstellungen aus und spielen auch sonst keine Stellungen nach. Alle von uns genutzten Methoden respektieren die Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Jugendlichen.

Laut Projekt scheint es also keine solcher Methoden zu geben. Auch wird scheinbar auf die Freiwilligkeit großen Wert gelegt:

Können die Jugendlichen eure Workshops verlassen?

Ja. Dies ist selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt des Workshops möglich. Die Lehrkraft hat für diesen Fall alternative Aufgaben und Themen parat.

Was ich etwas schade finde an diesen Aufklärungsprojekten ist, dass die Queer-Community sich rein auf die Sexualitäten und die Geschlechteridentitäten dreht. Ich persönliche sehe Menschen, die in irgendeiner Weise dem Bild von zwei Menschen, die eine Beziehung führen und nur miteinander auf sexueller Ebene interagieren, auch als Teil der Queer-Community, sowie bestimmte Fetisch- und BDSM-Bereiche. Insofern kann man die beiden Organisationen in ihrer Außendarstellung nicht kritisieren. Da will ich mich allerdings selbst in meiner Aussage einschränken, weil ich keine Ahnung davon habe, was die Materialien von Schule der Vielfalt enthalten haben, aber dazu habe ich weiter oben ja schon was geschrieben.

Nachdem ich mich nun also mit verschiedenen Konzepten der Aufklärung befasst habe, stellt sich natürlich die Frage, inwiefern ich persönlich denke, wie genau in Schulen aufgeklärt werden muss. Das lässt sich eigentlich ganz simpel beantworten: Altersgerecht. Ein Grundschüler wird mit Begrifflichkeiten und Abgrenzungen von Bi- und Pansexualität vermutlich irgendwo überfordert sein und es wird ihn gar nicht interessieren. Es reicht in dem Fall doch einfach, wenn ihnen beigebracht wird, dass es Männer gibt, die Frauen lieben, Männer, die Männer lieben, Frauen, die Frauen lieben, Männer, die Männer und Frauen lieben und Frauen, die Männer und Frauen lieben. Manchmal sogar mehr als eine Person. Bezüglich Geschlechtsidentität kann man auch ganz einfach sagen, dass es Mädchen gibt, die eigentlich Jungen sind und Jungen, die eigentlich Mädchen sind. Bezüglich Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, bin ich mir unsicher, aber ich habe noch die Hoffnung, dass Kindern das Geschlecht irgendwie egal ist, auch wenn es oft heißt „Ich spiele aber nicht mit Jungs/Mädchen!“ Irgendwie habe ich das schon in meiner Kindheit nicht ganz verstanden. Ich war quasi irgendwie Post Gender von Beginn an. In meiner Kindheit sind mir auch nicht viele Geschlechterklischees durch meine Eltern begegnet, die haben mir gerne ’ne Barbie-Puppe gekauft und eine Carrera-Rennbahn mein halbes Zimmer blockieren lassen. Ich wünschte, jedes Kind hätte die Chance so aufzuwachsen und nicht in Geschlechterklischees gezwungen zu werden, nur weil die Eltern eben ein Kind von diesem oder jenen Geschlecht bekommen haben. Irgendwann werden die Kinder dann auch so langsam zu Jugendlichen. So in der siebten bis achten Klasse würde ich es dann als wichtig erachten, dass sie bestmöglich über Safer Sex aufgeklärt werden, wenn das nicht sowieso schon die Eltern tun. Auch gerade Verhütungsmittel wie die Kupferkette, worüber ich schon mal gebloggt habe, die eher unkonventionell sind oder Lecktücher, die ich bereits weiter oben schon einmal erwähnt habe, sollten ein Teil des Unterrichts werden, natürlich noch immer mit Betonung auf Kondom, weil das eben vor sexuellen Krankheiten schützt. Besonders Wert sollte meiner Meinung auch darauf gelegt werden, dass sexuelle Handlungen jeglicher Art immer einvernehmlich sein müssen. Hier würde ich besonders an die Jugendlichen appellieren, dass das, was einvernehmlich ist, in den meisten Fällen auch zu respektieren und zu akzeptieren ist. Das betrifft dann den ganzen Bereich bezüglich anderer Sexualitäten als die Heterosexualität, wobei gerade der noch einmal extra erwähnt werden sollte, genauso wie Polyamory. Verschiedene Fetische, der Lack-, Leder- und Latexbereich, sowie BDSM müssen nicht extra erwähnt werden. Das fällt meiner Meinung nach unter sexuelle Praktiken, die vollkommen okay sind, weil und vor allem wenn sie einvernehmlich ablaufen. Geschlechtsidentität wird in dem Zusammenhang vermutlich wieder wichtiger und hier kann man die Dinge wirklich beim Namen nennen. Ein ungefähr 14-jähriger Jugendlicher sollte nicht damit überfordert sein, wenn er sich grob im Bereich der verschiedenen Geschlechter auskennt und die Begriffe männlich, weiblich, nicht-binär sowie cis und trans unterscheiden kann und alle Menschen eben trotzdem als Menschen zu bewerten sind, was aber auch klar ist. Das ist so das Basiswissen, was meiner Meinung nach jungen Menschen mitgegeben werden sollte. Wenn sie irgendwelche individuelleren Fragen haben, ist es natürlich immer schön, wenn kompetentes Lehrpersonal vorhanden ist, die notfalls auch im Privatgespräch helfen können. Davon kann man aber leider nicht immer ausgehen. Daher sollten vielleicht auch die ein oder anderen Vereine genannt werden, die sich mit solchen Thematiken beschäftigen. Am bekanntesten sollte da der LSVD sein, aber das Internet kennt da meistens auch eine Lösung, vor allem, wenn die Jugendlichen schon mal wissen, dass das, was sie da empfinden, etwas ganz Normales ist, wie jede weiter verbreitete Sexualität oder L(i)ebenseinstellung. Eine Aufklärung in diesem Maße hätte ich mir damals auch gewünscht, aber ich konnte relativ schnell lernen, dass auch mit mir alles normal ist, auch weil ich mich als queer identifiziere. Ich hoffe, dass es vielen Jugendlichen in Zukunft genauso geht, egal, ob sie queer sind oder nicht. Letztlich soll das Ganze ja einerseits auf sexuelle Aktivitäten vorbereiten, andererseits aber auch zeigen, dass nicht das standardmäßige Hetero-Pärchen das einzig Normale in dieser Gesellschaft ist.

Alltagssexismus – Emanzipation gerne, aber doch nicht im Fußball!?

Hallo Welt,

eigentlich hatte ich mir vorgenommen, es bei einem Blogbeitrag zur EM zu belassen. Fußball ist gar nicht mein Themengebiet und interessiert mich auch nicht. Allerdings bekomme ich dank sozialen Medien ab und an leider etwas von der EM mit. Finde ich nicht gut. Allerdings bin ich vor kurzem darauf gestoßen, dass die EM wohl teilweise von einer Frau kommentiert wurde. Das ist im Jahre 2016 etwas ganz normales, finde ich. Mir ist es doch egal, ob der, der ein Spiel kommentiert, sich nun als weiblich, männlich oder was auch immer identifiziert. Schon beim ersten Mal hat es einen ziemlich sexistischen Shitstorm hervorgerufen und wenn ich mich so im Internet umschaue, kommt es mir so vor, dass der Hauptgrund dafür ihre Weiblichkeit ist. Sie als Frau wagt es, Fußball zu kommentieren. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Frau wegen ihrer mangelnden Kompetenz kritisiert wird, ob das bei der besagten Kommentatorin der Fall ist, weiß ich schlicht und ergreifend nicht, weil ich mich nicht für die Europameisterschaft interessiere. Allerdings sehe ich die meiste Kritik aufgrund der Tatsache, dass sie eine Frau ist, als wäre das eine Einstellung gegenüber Fußball, die sie schon gleich als Moderatorin disqualifiziert. Um ein paar Beispiele zu zeigen:

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Ich frage mich ehrlich gesagt, warum das sein muss. Es fällt mir sogar schwer, diesmal auf die Vorwürfe einzugehen, warum eine Frau keinen Männerfußball kommentieren sollte. Sollen Tierdokus dann demnächst auch von Tieren kommentiert werden? Dokumentationen über Länder auch in deren Nationalsprache? Schlimm ist es ja auch, dass einige Frauen in ihren Kommentaren äußern, dass sie als Frauen es nicht okay finden, dass eine andere Frau Männerfußball kommentiert. Auch als Frau ist es möglich, sexistisch zu sein. Schließlich gab es auch einmal Frauen, die gegen das Frauenwahlrecht waren, weil sie als Frauen es nicht okay fanden.

Es ist traurig, dass wir 2016 noch darüber reden, ob eine Frau Fußball kommentieren sollte oder nicht. Ich beneide da ehrlich gesagt auf lange Sicht die Welt, in der das Geschlecht wirklich egal sein wird für irgendeine berufliche Zukunft und sei es Fußballkommentatorin. Ich hoffe ja, dass diese Post Gender-Welt irgendwann verwirklicht wird und bis dahin werde ich weiter diese Form des Alltagssexismus kritisieren. Gerade bei diesem Thema ist es meiner Meinung nach vollkommen logisch, dass das Geschlecht eines Kommentators vollkommen egal für die erbrachte Leistung ist und die Kompetenz des Menschen, und nicht die seines Geschlechts, beurteilt werden soll.

Blut, Blut, Räuber saufen Blut, außer, es kommt von Schwulen

Hallo Welt,

heute ist Weltblutspendetag, daher auch der Titel als Zitat aus „Julia und die Räuber“ von Subway to Sally. An sich natürlich eine gute Idee, schließlich wird immer noch viel mehr Blut benötigt als tatsächlich gespendet wird. Letztlich ist zwar die in Umfragen erfragte Bereitschaft zum Spenden hoch, aber tatsächlich einen halben Liter des eigenen Bluts abgeben? Fehlanzeige bei vielen.

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So kommt es, dass insgesamt relativ wenig Blut zur Verfügung steht. Gerade Blutgruppen wie 0 negativ (oder auch noch positiv) sind recht gefragt, weil sie als (fast) Universalspender fungieren können. Gerade auch jeder von uns könnte in die Situation kommen, in der wir Blut benötigen. Jeder könnte morgen von einem Auto angefahren werden oder einen anderen Unfall haben, auch wenn man das natürlich niemandem wünscht, und in Folge dieses Unfalls Spenderblut benötigen. Das passiert täglich oft genug in Deutschland, wobei viel Spenderblut für die Therapie von Krebs benötigt wird. Allerdings kann dies genauso jeden treffen, wenn auch nicht so wahrscheinlich und nicht so schnell. Wir stellen also fest, es wird viel Blut benötigt. Weiterhin gibt es schon fast zu wenig Blut für zu viele Patienten. Was also tun? Es wird oftmals versucht, Menschen zum Blutspenden zu motivieren, sei es durch kostenlose Versorgung mit Kaffee und Kuchen danach, als auch teilweise mit Aufwandsentschädigungen, mit denen jedoch nicht aktiv geworben werden darf. Klappt eher schlecht als recht, habe ich den Eindruck, weil immer noch irgendwie Blut fehlt.

Angenommen, ich habe nun viele Männer, die sogar noch öfter jährlich Blut spenden dürfen als Frauen, die gerne Blut spenden würden, aber es nicht dürfen. Sie sind gesund, vergleichsweise munter, sind so zwischen 18 und 80 Jahre alt und leiden an keinen Krankheiten, die sie in irgendeiner Art und Weise von der Spende ausschließen. Eigentlich doch super, so viele Spender dem „Markt“ zuzuführen. Da gibt es allerdings ein Problem. Diese Männer sind homosexuell und fallen in die Kategorie „Männer, die mit Männern Sex hatten“ und sind damit für eine Blutspende ausgeschlossen, weil zu einer Risikogruppe gehören sollen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 80000 Männer an HIV leiden, während circa 65000 Frauen auch infiziert sind, nach den Zahlen von 2012, wobei natürlich auch Männer, die Sex mit Männern hatten, als Infektionsquelle zählen. Das passiert. Allerdings ist jemand, der homosexuell ist, in einer festen Beziehung lebt, die keine Sexualkontakte nach außen zulässt, und an keiner Geschlechtskrankheit leidet, genauso eine Risikoquelle für eine HIV-Infektion wie ein Heterosexueller. Offenbar gibt es nämlich auch Frauen, die eine Infektion mit HIV haben, also können sich auch heterosexuelle Männer damit infizieren, besonders, wenn sie häufig wechselnde Sexualpartner haben. Hier sind wir wieder an einem Punkt angekommen, der etwas schwierig ist. Was genau sind „häufig wechselnde Sexualpartner“? Zwei Partner pro Jahr? Pro halbes Jahr? Pro Monat? Pro Woche? Pro Tag? Pro Stunde? Die Realität wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Diese Menschen sind bis jetzt übrigens auch von der Blutspende ausgeschlossen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass selbst wenn homosexuelle Männer nun Blut spenden dürften, gleich eine Epidemie ausbricht und alle etwas promiskuitive veranlagten Menschen und homosexuelle Männer nun auf die Idee kommen, Blut spenden zu wollen. Geht sowieso nicht. Über die Definition von „häufig wechselnde Sexualpartner“ kann ich gerne streiten, Poly-Beziehungen mit beispielsweise drei Menschen, die nur sehr selten Sexualkontakte außerhalb der Beziehung pflegen, sehe ich da auch nicht in einer besonderen Risikogruppe. Bevor ich’s vergesse, Safer Sex sollte man natürlich immer ausüben, egal ob nun Risikogruppe oder nicht. Kommen wir also nun zu unseren Männern, die Sex mit Männern haben. Vor allem in Beziehungen ohne Sexualkontakte außer dieser oder überhaupt ohne eine aktuelle Beziehung und sehr wenig Sexualkontakten ist ein Blutspendeverbot einfach nur noch homophob. Wo keine Sexualkontakte sind oder nur wenige, die dabei sogar noch in einer Beziehung stattfinden könnten, kann generell nicht allzu viel passieren, sowohl bei homo- als auch hetero-, als auch alles weitere-sexuell. Als jemand, der Blut benötigen könnte, wäre mir Blut eines Homosexuellen übrigens viel lieber als gar kein Blut. Manche Risikogruppen mögen ja sinnvoll sein und von der Blutspende ausgeschlossen. Dass ich jemandem, der Blutverdünner nimmt, nicht eine Nadel in den Arm stecke und dem erstmal einen halben Liter Blut abnehme, ist auch irgendwo einleuchtend. Der könnte das Blut danach selbst brauchen. In solchen Fällen ist ein Ausschluss von der Blutspende ja vollkommen verständlich.

Übrigens zeigt das Beispiel der Knochenmarkspende, dass homosexuelle Männer doch eigentlich keine unumstößliche Risikogruppe sind. Knochenmark darf gegeben werden, Blut jedoch nicht. Klar sind Knochenmark und Blut unterschiedlich, aber gerade bei Knochenmark müssen die Faktoren viel eher stimmen als beim Blut und Erkrankungen wie HIV müssen ausgeschlossen sein. Insofern hoffe ich, dass es nur noch ein kurzer Weg ist, bis auch endlich homosexuelle Männer ihr Blut geben dürfen. Da gibt es bestimmt einige, die Leben retten wollen – unabhängig von der Sexualität derer, die gerettet werden sollen.

Weiterführende Links:

https://queeraten.eu/index.php/2016/01/20/blutspende-piraten-sorgen-im-saarland-fuer-den-ersten-teilerfolg/

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Alltagssexismus – Trennung von Düften nach Geschlecht

Hallo Welt,

je öfter ich durch Einkaufsläden wie dm gehe, fällt mir immer wieder scharf ins Auge, dass zwischen Düften für Männer und Düften für Frauen unterschieden wird. Das ist allerdings noch nicht alles, was sich heute so finden lässt. So gibt es nicht nur Düfte für zwei Geschlechter, sondern auch Shampoos und viele andere Kosmetikartikel, und daraus lassen sich wunderbare Geschlechterklischees wie „Wenn ein Mann Rosenduft mag, dann ist er ja viel zu weiblich.“ oder „Eine Frau mit Männerdeo kann sich ja gleich eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen und eine Lesbe werden.“ ableiten. Dass jeder Mensch, wenn er denn Lust drauf hat, ruhig etwas mit Rosenduft benutzen darf und eine Frau mit kurzen Haaren, die Männerdeo benutzt nicht unbedingt homosexuell ist, ist auch irgendwo klar. Gerade letzteres ist dazu noch homophob. Vielleicht sollte ich auch noch eine Kategorie mit Alltagshomophobie basteln, aber das soll nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Aber woher kommt das gerade im Bereich der Düfte her? Düfte wirken gerade bei der Partnerwahl als Mittel der Wahl und als anziehend. Inzwischen wurde ja auch schon nachgewiesen, dass der Körpergeruch mit der Wahl des Partners zusammenhängt. Aber auch schon im Artikel wird erwähnt, dass ein Zusammenhang zwischen Deo einer Person und der zukünftigen Partnerwahl nicht besteht.

Auch die Befürchtung, dass Deo, parfümierte Pflegeprodukte und Parfum das HLA-Profil verfälschen, ist unbegründet. „Riechrezeptoren sind spezifisch angelegt, manche reagieren ausschließlich auf HLA-Peptide“, erklärt der Geruchforscher. Sie springen also nur auf diese Düfte an, können andere gar nicht wahrnehmen und lassen sich deshalb auch von keiner noch so starken Duftwolke irritieren.

An der Stelle könnte ich nun sagen „Cool, Wissenschaft hat schon das Gegenteil bewiesen, dass Düfte in Männer und Frauen einzuteilen sind, um sich selbst entsprechend attraktiv zu machen“. Dann wäre der ganze Spaß an der Stelle schon vorbei und niemand müsste sich durch meine Aufregung über das Thema quälen. Da ich nunmal nicht dafür bekannt bin, mich so wortkarg über Alltagssexismus aufzuregen, ist es hier doch nicht zu Ende. Tut mir nicht leid.

An der Stelle kann man nun einwerfen, dass meine These, dass ein Mensch nicht durch ein Deo attraktiv wird, weil er einem bestimmten Geschlecht angehört und gerade den passenden Duft für sein Geschlecht verwendet, sondern das da wenn schon persönliche Präferenzen noch eine Rolle spielen, dass ich ja die sogenannten Pheromone vollkommen außer Acht lasse. Doch davor müssen wir erst einmal klären, was diese dubiosen Stoffe überhaupt sind. Die Meisten kennen sie als Sexualbotenstoffe zwischen Menschen, allerdings ist das nicht ihre einzige Funktion. Aber in diesem Fall wird auf gerade diese Funktion angespielt. Als einfacher Test kann nun gerne jeder schauen, wie viele Kosmetikprodukte, die so im Alltag verwendet werden, irgendwas, was nach Pheromonen aussieht, beinhalten. Viel Spaß bei der Suche, aber um es leichter zu machen, Achtung, Spoilergefahr, es wird sich sehr in Grenzen halten. Zwar gibt es extra Parfüms, die damit werben, dass sie Pheromone enthalten, die die Chancen beim Flirten erhöhen sollen, aber ob das nun wirklich einen Nutzen hat, ist fraglich (mir ist bewusst, dass die Welt nicht unbedingt die beste Quelle ist, allerdings ist es auf jeden Fall in Grundzügen brauchbar). Beim im Artikel erwähnten Stoff Hedion, auf schlau auch Methlydihydrojasmonat, konnte zwar eine unterschiedliche Reaktion im Gehirn von biologischen Männern und Frauen festgestellt werden, dennoch heißt das nun nicht, dass eine Person diesen Duft tragen muss und plötzlich springen alle Frauen darauf an. Interessant ist sowieso, dass Jasmin, ein Duft, der eher Frauen zugeschrieben wird, eine Wirkung auf Frauen haben soll. Da ist mal wieder zu sehen, wie willkürlich Geschlechterklischees eigentlich sind, sollte sich das im Laufe weiterer Forschungen in der Form bewahrheiten. Aber nur, um es noch einmal deutlich zu machen, das hier ist der Ausnahmefall, der sowieso noch genauer untersucht werden muss, wie er auf die Sexualität v0n Menschen wirkt. Daher kann dazu noch gar nicht was genauer gesagt werden, aber wenn es wirklich so offensichtlich wäre, dann wäre es auch nicht so schwer, neue Erkenntnisse in dem Bereich zu gewinnen. Ein Geschlechterklischee, das ein bestimmter Duft besser zu Frauen oder Männern passt, kann damit niemals ausreichend begründet werden.

Was mich in dem Zusammenhang aber auch ein wenig schockiert hat, ist, dass selbst Naturkosmetikmarken wie Alverde unterschiedliche Produkte für Frauen und Männer herstellen. So gibt es beispielsweise ein Shampoo mit Bier, suggeriert an der Stelle mal wieder schön, dass Bier nur etwas für echte Männer ist. Bier für gesunde Haare ist zwar schon ein alter Trick, aber gut. Das hat mich dann doch ehrlich gesagt etwas enttäuscht, ähnlich wie bei Paul Mitchell, die zwar größer sind und sich entsprechend der gewünschten Nachfrage anpassen, aber dennoch schade. Natürlich kann man an der Stelle damit argumentieren, dass Shampoos für Männer eher für kurze Haare und die für Frauen eher für längere Haare sind. Aber ich kann dann an der Stelle natürlich auch sagen, dass es genügend Männer mit langen und genügend Frauen mit kurzen Haaren gibt. Müssen die jetzt Männer- bzw. Frauenshampoo benutzen? Nö. Jegliche Haarpflegeprodukte lassen sich sowieso besser in Haarstrukturen unterscheiden. Auch lavera, die das allerdings etwas unauffälliger machen, unterscheiden zwischen den Geschlechtern. Ich sollte an der Stelle aber vielleicht auch die Marken erwähnen, die außerhalb meiner kosmetischen Filterbubble liegen wie Axe.

Dass diese Werbung nun nicht gerade Sexismus bekämpft, ist auch irgendwo klar. Und auch hier wird natürlich klar ein Duft als männlich beworben. Und was ist natürlich der Traum eines jeden Mannes? So viele Frauen wie möglich um sich zu scharen. Und da alle Frauen ja auf diesen einen Duft stehen, überwinden sie nicht nur biologische Grenzen, um zum Objekt der Begierde zu finden. Einteilung von Düften in Geschlecht finde ich sehr enttäuschend und ist nur ein weiteres Symptom unserer Gesellschaft, was den Alltagssexismus zeigt.

Polyamory in Filmen und Serien für Kinder und Jugendliche?

Hallo Welt,

heute soll es, nachdem ich bereits das Thema Homosexualität in Kinderfilmen, in dem Fall insbesondere den Disney-Film Frozen, aufgegriffen habe, um Polyamory in Kinderfilmen gehen. Doch bevor ich überhaupt über das große Thema poly reden kann, insbesondere was Definitionen und Abgrenzungen voneinander angeht, werde ich erst einmal mit ein paar Begriffen um mich werfen.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, was Polyamory überhaupt ist. Den meisten Leuten wird da vermutlich etwas vorschweben, genauer definiert beschreibt dies alle möglichen Beziehungskonstrukte, in denen mindestens ein Partner, in vielen Fällen aber alle auf irgendeine Art und Weise, es kommt immer auf die Absprache in solchen Beziehungen an, und die ist nicht immer gleich, mehrere Liebesbeziehungen führen können. Ob und wie genau diese Liebesbeziehungen aussehen und inwiefern die sexueller Natur sein dürfen, ist noch nicht gesagt. Wie genau der Begriff Polyamory nun geschrieben wird und ob das zugehörige Adjektiv nun polyamor, polyamorös oder sonst was ist, ist sprachlich noch nicht wirklich festgelegt, weil der Begriff im Duden schlicht fehlt, zumindest noch. Nun zum Punkt der sexuellen Natur, hier wird oft der Begriff polygam für Beziehungen, in denen mehrere Sexualpartner, aber nicht mehrere Liebespartner erlaubt sind, verwendet. An der Stelle will ich nun nicht unbedingt behaupten, dass das so falsch ist, weil ich mittlerweile mitbekomme, dass sich das eingebürgert hat. Das Problem an dem Begriff der Polygamie ist schlicht, dass damit juristisch gesehen und im bekanntesten Sinne die sogenannte Vielehe gemeint ist. Dass es an der Stelle nun gewisse sprachliche Probleme geben könnte, verwende ich den Begriff der Polygamie nur für Formen, die wirklich den Zustand der Heirat mit mehreren Personen meinen. Für sexuell offene Beziehungen, in denen es also erlaubt ist, mehrere Sexualpartner, aber nicht Liebespartner zu haben, werde ich einfach den Begriff der offenen Beziehung verwenden. Allerdings wird das bezüglich Kinderfilmen eher die Ausnahme als die Regel sein, falls irgendetwas in Richtung Poly überhaupt thematisiert werden sollte. Als Überbegriff für beides verwende ich persönlich gerne den Begriff der Poly-Beziehung. Nichts spezifischeres um sich konkret darüber zu äußern, aber wie bereits erwähnt wird es heute sehr wahrscheinlich um die nicht-sexuelle Seite gehen. Abgrenzend, um den Bereich der Polygamie noch etwas genauer einzuordnen und was ich eigentlich nur aus dem Biologie-Buch und damit auch aus dem Tierreich kenne, sind Polygynie und Polyandrie. Polygynie ist im Tierreich ein männliches Tier mit mehreren Weibchen und bezogen auf den Menschen ein männlicher Ehepartner mit mehreren Weiblichen, Polyandrie genau das Gegenteil, um es der Vollständigkeit halber zu erwähnen.

Was hat das Ganze nun mit Kinderfilmen zu tun, nachdem ich einen Berg von Definitionen habe, der selbst für Erwachsene verwirrend sein kann? Als ich über das Thema Homosexualität in Kinderfilmen nachgedacht habe, bin ich auch einen Schritt weitergegangen und habe noch andere Dinge, die irgendwie nicht hetero- oder mononormativ sind, in meine Überlegungen mit einzubeziehen. Und da bin ich auf poly gekommen, also irgendetwas, was in irgendeiner Art und Weise mehrere Partner mit einbezieht. Aber wie oft kommen in Kinderfilmen und -serien eigentlich Liebesgeschichten vor? Die Erinnerung an meine Kindheit und frühere Pubertät, was auch nicht wieder so lange her ist, sagt mir, dass das relativ oft war. Ich war ein Fan von Serien wie Zoey 101, Hannah Montana, Barbie, Kim Possible, iCarly, Die Zauberer vom Waverly Place, Hotel Zack & Cody, Zack & Cody an Bord, Spongebob Schwammkopf, Harry Potter, Lilo & Stitch, Ice Age, Winx Club, kannte Die Wilden Kerle und was weiß ich noch alles und habe unzählige Bücher gelesen, in denen Liebesbeziehungen thematisiert wurden. Bei den genannten Filmen und den zugehörigen Serien gibt es größtenteils irgendwie geartete Beziehungen, sowohl im Vordergrund als auch im Hintergrund und wie wird eine  Liebesszene gerne inszeniert? Irgendeine Person muss sich zwischen zwei Personen, in die sie verliebt ist, entscheiden. Im Grunde genommen eine wunderbare Situation, um eine polyamore Beziehung oder auch eine Dreiecksbeziehung, also eine Beziehung, in der jeder der Partner eine Beziehung zu den beiden anderen Partnern unterhält, einzuführen, wenn es denn erwünscht ist. Dennoch kommt es erstaunlich selten vor. So ist Freddie aus iCarly zu Beginn der Serie furchtbar in die Protagonistin Carly verliebt und kommt zum Ende mit ihrer besten Freundin Sam zusammen. Eigentlich wäre diese Situation nicht schlecht gewesen, um daraus eine Beziehung mit mehr als einem Partner zu schreiben. In manchen Storys würde sich eine Poly-Beziehung nun besser ergeben als ein gespieltes „Ach, ich entscheide mich nun für X!“, weil der ja plötzlich viel besser ist.

Wo findet man nun solche Poly-Beziehungen in Filmen, die sich explizit an Kinder und Jugendliche richten, nun wirklich? Ich habe lange überlegt, bis mir ein Film eingefallen ist, der mir noch aus meinen jüngeren Jahren bekannt ist. Das mag nun auf den ersten Blick sehr unkonventionell erscheinen, aber eingefallen ist mir tatsächlich Barbie und der geheimnisvolle Pegasus. Das Bild, was hier allerdings von einer zugegebenermaßen erzwungenen Poly-Beziehung vermittelt wird, was Kinder allerdings nur so schwer erfahren können, ist jedoch nicht gerade das Beste. Zunächst einmal versucht der Antagonist Wenlock, der sich bereits drei Frauen erzwungen hat, die Hauptcharakterin zu seiner vierten Frau zu machen. Diese verwandelt er allerdings in unschöne Wesen und zwingt sie dazu, ihn permanent zu bedienen.

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Es wird also nicht gerade das beste Bild einer Beziehung mit mehreren Personen vermittelt. Ich glaube, von Kindern wird das eigentlich auch gar nicht so stark wahrgenommen, weswegen es auch so lange gedauert hat, bis mir überhaupt etwas eingefallen ist. Die meisten Kinderfilmen beschäftigen sich einfach nicht mit diesem Thema, was eine gleichberechtigte polyamore Beziehung angeht, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, dass so etwas, sofern es in die Story passt und sich auch gut schreiben lässt, eine Form der Aufklärung sein kann. Wenn schon Kinder verstehen, dass es kein Problem ist, mit mehreren Partnern eine Beziehung zu führen, dann wird schon direkt gelernt, dass das etwas ganz Normales ist, was es ja auch ist. Daher fände ich es gut, wenn so eine Story, sofern es denn passt, entsprechend in Filme integriert werden würde.

Zumindest werden solche unkonventionellen Filmprojekte, die eben nicht eine Welt der perfekten Ehe zu zweit, in denen nur Sex wegen Kindererzeugung läuft und alles andere als unmoralisch darstellt, um es mal ein wenig zu überspitzen, inzwischen immer öfter gezeigt. Angefangen bei Filmen, die das Bild von sexuellen Aktivitäten, die nur im Sinne einer Beziehung stattfinden dürfen und dann auch noch vollkommen ohne irgendeine Art von Fetisch auskommen müssen, weil das ist ja pervers, in Frage stellen, wie Freunde mit gewissen Vorzügen oder, ich will an der Stelle nun weder einen Spartenfilm nennen, noch einen Film, der BDSM und alles, was in die Fetisch-Richtung einordnen lässt, in ein vollkommen falsches Licht rückt, also nehme ich einfach mal „9 1/2-Wochen“, bis hin zu „Nymphomaniac“, der zunächst einmal Sex an sich thematisiert, und einem harmlosen Film, der einfach nur eine Liebesbeziehung zu dritt zeigt und damit das mononormativ Beziehungsbild als nicht allgemeingültig und immer zutreffend darstellt, nämlich „Drei“. Heteronormative Beziehungsbilder werden nun zum Glück immer häufiger nicht als das Non Plus Ultra darstellt, homosexuelle Beziehungen kommen in Filmen und Serien, die zumindest ältere Menschen als Jugendliche betreffen oder ältere Jugendliche, immer häufiger vor wie in Pretty Little Liars. Ich hoffe, dass es ähnlich mit Poly-Beziehungen läuft und natürlich auch mit dem gesellschaftlichen Thema Sex, das häufig mit Moral in Verbindung gebracht wird, wobei letzteres eben nicht Kinderfilme betreffen sollte. Homosexuelle und Poly-Beziehungen sind meiner Meinung nach auch sehr gut für Kinderaugen geeignet.

Alltagssexismus – Zu wenig Kleidung ist billig!

Hallo Welt,

heute will ich mal wieder eine Werbung als Beispiel bringen, die an sich schon etwas älter ist. Allerdings habe ich in den letzten Tagen ein kleines Gespräch über eben diese Werbung geführt und möchte meine Gedanken gerne teilen, weil es meiner Meinung nach eine Werbung ist, die nicht nur sexistisch ist, was ja des Öfteren in Werbespots thematisiert wird, sondern auch herabwürdigend und in meinen Augen verdammt ekelhaft. Es geht um die Werbung von dem Elektronikhändler Redcoon aus dem Jahre 2013. Und weil es so schlimm ist, habe ich in dem Fall sogar zwei Werbespots.

Und weil es so schlimm war und ich mir das auch ansehen musste, um mir ein Bild zu verschaffen, ob Redcoon generell auf solche Werbung setzt oder es nur eine Ausnahme war, kam ich zu dem Ergebnis, dass besagter Händler gerne auf solche Werbung zurückgreift.

Das soll nun aber reichen, vor allem zu Demonstrationszwecken. Ich denke, ich muss nicht viel darüber sagen, dass diese Werbung voller Sexismus steckt. Ich will nun aber noch einen kleinen Schritt weiter gehen. Leicht bekleidete Frauen werden hier explizit als billig dargestellt, was vermutlich auch noch ziemlich in den Köpfen der Menschen in unserer Gesellschaft verankert ist. Ich höre noch immer relativ oft, dass Frauen, die leicht bekleidet sind, sich stärker als der Durchschnitt schminken, viel Sex haben oder angeblich viel Sex haben, weil ein selbstbestimmtes Sexualleben ja voll böse ist, sich Schönheitsoperationen unterziehen oder was auch immer nun als Grund dafür verwendet werden kann, die Liste lässt sich beliebig erweitern, billig sind. Zuallererst einmal: Menschen können nicht billig sein. Alleine das Wort billig vergleicht sie schon mit einer Ware. Arbeitskraft kann billig sein, aber der Mensch, der mit seinem Charakter und all seinen Eigenschaften, Kleidungsstilen, etc. existiert, kann nicht billig sein, weil jeder Mensch erst einmal gleich und gleichwertig ist. Nun werden aber im besonderen Fall Frauen abgewertet, die sich eben so verhalten, dass die Gesellschaft oder die leider noch immer vorherrschende gesellschaftliche Meinung sie aus welchem Grund auch immer als billig einstufen. In diesem Werbespot ist es eben aufgrund knapper Kleidung und einem als schön empfundenen Körper, legt man den Maßstab des allgemeinen Schönheitsideals an. Laut dem typischen Klischeedenken impliziert das schon, dass diese Frauen eben willig für Sex sind. Und genau deswegen passiert es auch nicht selten, dass diesen Frauen nachgesagt wird, sie wären selbst Schuld an einer Vergewaltigung. In unseren Industrieländern mag das zwar seltener der Fall sein als in Ländern wie Indien, dennoch kommt es vor. Victim Blaming vom Feinsten. Aber ich schweife ein wenig ab. Solche Frauen darf man eher, solche Frauen bekommt man eher ab. Sie geben sich laut Klischee schnell hin und eine Frau, die mit vielen Männern geschlafen hat, ist nicht begehrenswert, weil sie ja beschmutzt ist. Nachrichten, Leute. Es ist verdammt nochmal egal, wie oft wer mit wem welche sexuelle Handlung ausgeübt hat, sofern es einvernehmlich zwischen den handelnden Personen stattfand. Ansonsten hat das niemanden außer diese Personen zu interessieren und es ist auch kein Thema das dramatisiert werden muss. Es gehört zu den sehr unwichtigen Dingen an Menschen, sich über deren Sexualpartner bestens auszukennen und ist auch nichts, woran man diesen Menschen bewerten kann. Zweiter Punkt ist, dass, egal wie ein Mensch aussieht, es ist nicht möglich anhand dessen zu beurteilen, wie oft diese Person Sex hat, was ohnehin ja erstmal vollkommen egal ist. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Kleidungsstil und seine Vorlieben bezüglich Textilen so auszuleben, wie dieser Mensch eben will. Da ist es nun völlig egal, ob jemand nur schwarz trägt, allgemein eher wenig, permanent ein Kükenkostüm trägt oder sich sonst wie anziehen will. Da hat niemand das Recht, das in irgendeiner Weise so abwertend zu beurteilen, gar billig zu nennen. Auch nicht die Werbung. Klar, Werbung ist letztendlich nur ein Spiegel der Gesellschaft und richtet sich erst einmal auch an eine bestimmte Zielgruppe. Dennoch halte ich es für schockierend, dass es dafür scheinbar wirklich Interessenten gibt. Manche scheinen wohl in der Zeit festzuhängen, in denen jede Frau, die sich billig gibt, mit allen schläft und eine Ehefrau soll dann anständig werden, wie damals halt.

Das Beispiel mag etwas überspitzt sein, aber das Frauenbild ist nicht mehr an dem Punkt, an dem es Menschen in die Kategorie „billig“ und „nicht billig“ stecken sollte. Gerade Männer, die sich oberkörperfrei und muskulös darstellen, bekommen dafür gesellschaftlich gesehen viel mehr positives Feedback als eine oberkörperfreie Frau. Weil sie zeigt sich ja und das macht sie billig.

Aber zurück zu Redcoon, die leider zu Media-Saturn-Holding gehören. Darunter fällt auch Saturn sowie Media Markt, sodass es leider nicht so einfach möglich ist, auf diese beiden Geschäfte auszuweichen, wenn man aufgrund solcher Werbung Redcoon nicht unterstützen will. Als Alternative blieben beispielsweise je nachdem, was gerade benötigt wird, Euronics, GameStop, die leider meistens viel teurer sind, Conrad oder für CDs entsprechend die Labels direkt oder, wenn man solche Musik hört wie ich, EMP. Ich muss sagen, als ich mich mit Redcoon beschäftigt habe, ist mir auch dann erst aufgefallen, dass sie zu Saturn und Media Markt gehören, was ich schon ziemlich… traurig finde. Aber wie nun mal ein Konzern ist, versucht er, Werbung für eine bestimmte Zielgruppe zu machen und leider ist dieser Spiegel der Gesellschaft ziemlich ekelhaft. Vielleicht hilft die Tatsache, dass das Problem Redcoon sich mit einer großen Portion Glück selbst erledigen könnte. Aktuell steht das Unternehmen unter Verdacht der Steuerhinterziehung. Ohne nun anderen Menschen persönlich den finanziellen Ruin zu wünschen, praktisch gesehen wäre damit diese Werbung nicht mehr relevant.

Alltagssexismus – Coca Cola Light und Coca Cola Zero

Hallo Welt,

heute soll es um das Thema Alltagssexismus gehen. Ich kenne viele Leute, die finden Sexismus an sich doof. Wenn man nicht gerade ein Verfechter des schwachsinnigen Konzeptes „Die Frau gehört hinter den Herd“ ist, dann wird Sexismus auch normalerweise von sehr vielen Menschen abgelehnt. Dennoch findet sich in unserer Gesellschaft noch sehr viel Alltagssexismus wie „Eine Frau muss…“ und „Ein Mann ist nur ein richtiger Mann, wenn…“. Einsetzen lässt sich da quasi alles, was irgendwie den Geschlechterklischees entspricht. Neben „Eine Frau muss doch pink mögen“ reiht sich in diese Reihe oftmals auch was ein, was eigentlich nicht direkt vermutet wird. In letzter Zeit beobachte ich auch an mir, dass ich gegenüber der Form des Alltagssexismus sensibler geworden bin und möchte daher einfach mal über das reden, was mir entweder in letzter Zeit oder schon vor längerem begegnet ist. Daher habe ich einfach mal die neue Unterkategorie Alltagssexismus eingeführt, in der so was wie dieser Beitrag hier landen werden.

Warum gibt es eigentlich Coca Cola Light und Coca Cola Zero?

Zunächst mag diese Frage etwas sein, was nicht direkt mit Sexismus verknüpft wird und mir auch nicht zuerst aufgefallen ist, bis ich mit meinem Cousin mal darüber debattiert habe, was eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Sorten sein soll. Geschmacklich lassen die beiden Getränke sich meiner Meinung nach sowieso kaum unterscheiden, beides ist ein Gesöffs mit Süßstoffen, bei dem ich schon den Gedanken überhaupt den Geschmackstest durchzuführen, eklig finde. Natürlich will ich hier niemanden in seiner freien Entscheidung, Light oder Zero oder was auch immer zu trinken einschränken, nur ich persönlich kann mit Getränken, die Aspartam oder ähnliches enthalten, nichts (mehr) anfangen. Abgesehen von einem höchstens leichten geschmacklichen Unterschied ist schon die Werbung für die beiden Sorten sehr unterschiedlichen. Beginnen wir mal mit der Light-Version. Exemplarisch dazu soll mal dieser Werbespot sein.

Gezeigt wird ein typischer „Mädelsabend“ beim Feiern, wie er immer gerne dargestellt wird. Nur mal ein kleiner Test: Seht ihr in dem Video eine erhöhte Präsens von Männern oder einen Mann, der beim Coca Cola Light trinken gezeigt wird wie eine Frau? Achtung, Spoiler. Ich tue das nicht. Eindeutiger werden die Werbespots, wenn man sich mehrere anschaut. So bezieht sich eine Initiative der Herzgesundheit von Coca Cola Light nur auf Frauen, genauso ist die entsprechende Werbung dazu nur an Frauen gerichtet. Ein Herzinfarkt mag sich zwar bei Männer und Frauen unterschiedlich zeigen können, allerdings werden die Anzeichen eines Herzinfarktes bei jedem Vortrag darüber erwähnt, also warum sich bei Herzkrankheiten nur an Frauen richten, wenn man genau weiß, dass Herzkrankheiten insgesamt in den Industrieländern kein kleines Problem sind? Es existieren noch weitere Werbespots, die sich spezifisch an das typische Klischee der Frau richten, so auch mit dem Coca Cola Light-Mann, der Frauen erzählt, dass es ja echt sexy an ihnen allen ist, dass sie nie aufhören, neugierig zu sein. Nee, danke. Ich lasse mich ungern in solch ein Klischee reinzwängen, das sich auf etwa eine Hälfte der Menschheit bezieht. Wisst ihr, was an allen Frauen gleich ist? Dass sie Frauen sind und sich wie Frauen fühlen. Mehr gibt es da nicht, was auf alle Frauen in ihrer Gesamtheit zutrifft. Aber zurück zu Coca Cola. Ich habe vor gar nicht so langer Zeit sogar Plakate zu einem Gewinnspiel gesehen, dass es ermöglicht, den Coca Cola Light-Mann zu treffen. Ein Angebot, das vermutlich nur wenig Männer angenommen hätten.

Bekannter als die Werbung für Coca Cola Light ist die für die Zero-Version.

Auch hier wird, wie auch bei der Light-Version schnell klar, dass die Werbung sich an den typischen Klischee-Mann richtet, der den Abend lieber im Stadion statt bei seiner Freundin, um es ein zu überspitzen, eh kein Bock auf Fußball hat, weil Männersport, aber dann eine willige Frau zuhause erwartet. Eben das, was so die Wünsche eines Klischeemannes sein sollten. Genau das wird hier eingesetzt, um für ein Produkt zu werben, das eigentlich gar keine so großen Unterschieden zu der Variante Coca Cola Light aufweist. Also zwängen wir alle in ein Klischeemuster hinein und verkaufen unser Zeug. Kommen wir aber nun zu dem Aspekt, was Coca Cola selbst dazu sagt und ob ich mir das nicht alles doch aus den Fingern sauge.

So gibt es beispielsweise einen Test auf der Seite von Coca Cola Deutschland, auf der man selbst durch einige Fragen feststellen kann, welche Version nun die Richtige für den persönlichen Geschmack ist. Ich will zu dem Test eigentlich gar nicht viel der Worte verlieren. Meiner Meinung nach ist klar, dass hier die beiden oben genannten Zielgruppen angesprochen werden sollen. Scrollt man in die Kommentare, dann sieht man auch eine Antwort Coca Cola nach der Frage, ob die Werbung der Produkte nicht etwas nach Geschlechterstereotypen getrennt abläuft. Und die Antwort ist, welch Überraschung

in der Werbung richten wir uns bei Coke Zero eher an Männer und bei Coke light eher an Frauen.

q.e.d

Bleibt nur noch eine Frage: Warum thematisiere ich das überhaupt, wenn es nach etwas kurzer Überlegung schon offensichtlich ist, dass Coca Cola sich Zielgruppen anhand der Geschlechterklischees zusammenbastelt? Ich finde das zu einem eklig, dass Männer und Frauen in beiden Werbungen zu einem Klischee runter degradiert werden. Ich will hier anhand von Coca Cola einfach aufzeigen, dass es Werbung gibt, die immer noch verdammt sexistisch ist und dafür sensibilisieren. Zumindest muss man ja nicht so stark auf Geschlechterklischees setzen, um damit Gewinn zu generieren. Zum anderen scheint diese Werbung doch auf irgendeiner Ebene zu funktionieren, sonst wäre Coca Cola nicht so erfolgreich. Allerdings befürchte ich, dass die Werbung da nicht der ausschlaggebende Punkt ist. Schaut man sich an, welche Marken Coca Cola anbietet, so fällt auf, dass da doch verdammt viel dabei ist, was so täglich konsumiert wird. Selbst die neue Bio-Limonade von Vio, die das im ersten Moment gar nicht vermuten lässt, gehört zum Konzern dazu. Dennoch würde es den Konzern schon irgendwo treffen, wenn man von dort nichts mehr konsumieren würde, weil man die Werbung durch solche Geschlechterklischees nicht unterstützen will.

Da ich mich also nicht nur über Sexismus und einen Versuch des Boykotts von Coca Cola beschweren will, will ich an der Stelle noch ein paar positive Beispiele nennen, die eben nicht mit Sexismus werben. fritz-kola schafft es nicht, durch Sexismus aufzufallen, enthält allerdings auch nicht wenig Koffein und ist nichts für Leute, die sich an solchen Plakaten stören:

fritz-cola_was-ist-das-kampagne

Ich persönlich halte das allerdings nicht für verwerflich, weil ich die weibliche Brust nicht per se für ein Sexualobjekt halte. Sicherer ist man mit Club Mate Cola, dort ist auch nicht ganz so viel Koffein drin enthalten. Notfalls kann es sicherlich auch Pepsi sein, aber davon bin ich nicht gerade Fan. Außerdem haben Marken wie Lammsbräu eine eigene Cola und im Saarland könnte die Piranja Cola auch etwas bekannter sein. Von daher gesehen muss es nicht Coca Cola sein.