Alltagssexismus – Zu wenig Kleidung ist billig!

Hallo Welt,

heute will ich mal wieder eine Werbung als Beispiel bringen, die an sich schon etwas älter ist. Allerdings habe ich in den letzten Tagen ein kleines Gespräch über eben diese Werbung geführt und möchte meine Gedanken gerne teilen, weil es meiner Meinung nach eine Werbung ist, die nicht nur sexistisch ist, was ja des Öfteren in Werbespots thematisiert wird, sondern auch herabwürdigend und in meinen Augen verdammt ekelhaft. Es geht um die Werbung von dem Elektronikhändler Redcoon aus dem Jahre 2013. Und weil es so schlimm ist, habe ich in dem Fall sogar zwei Werbespots.

Und weil es so schlimm war und ich mir das auch ansehen musste, um mir ein Bild zu verschaffen, ob Redcoon generell auf solche Werbung setzt oder es nur eine Ausnahme war, kam ich zu dem Ergebnis, dass besagter Händler gerne auf solche Werbung zurückgreift.

Das soll nun aber reichen, vor allem zu Demonstrationszwecken. Ich denke, ich muss nicht viel darüber sagen, dass diese Werbung voller Sexismus steckt. Ich will nun aber noch einen kleinen Schritt weiter gehen. Leicht bekleidete Frauen werden hier explizit als billig dargestellt, was vermutlich auch noch ziemlich in den Köpfen der Menschen in unserer Gesellschaft verankert ist. Ich höre noch immer relativ oft, dass Frauen, die leicht bekleidet sind, sich stärker als der Durchschnitt schminken, viel Sex haben oder angeblich viel Sex haben, weil ein selbstbestimmtes Sexualleben ja voll böse ist, sich Schönheitsoperationen unterziehen oder was auch immer nun als Grund dafür verwendet werden kann, die Liste lässt sich beliebig erweitern, billig sind. Zuallererst einmal: Menschen können nicht billig sein. Alleine das Wort billig vergleicht sie schon mit einer Ware. Arbeitskraft kann billig sein, aber der Mensch, der mit seinem Charakter und all seinen Eigenschaften, Kleidungsstilen, etc. existiert, kann nicht billig sein, weil jeder Mensch erst einmal gleich und gleichwertig ist. Nun werden aber im besonderen Fall Frauen abgewertet, die sich eben so verhalten, dass die Gesellschaft oder die leider noch immer vorherrschende gesellschaftliche Meinung sie aus welchem Grund auch immer als billig einstufen. In diesem Werbespot ist es eben aufgrund knapper Kleidung und einem als schön empfundenen Körper, legt man den Maßstab des allgemeinen Schönheitsideals an. Laut dem typischen Klischeedenken impliziert das schon, dass diese Frauen eben willig für Sex sind. Und genau deswegen passiert es auch nicht selten, dass diesen Frauen nachgesagt wird, sie wären selbst Schuld an einer Vergewaltigung. In unseren Industrieländern mag das zwar seltener der Fall sein als in Ländern wie Indien, dennoch kommt es vor. Victim Blaming vom Feinsten. Aber ich schweife ein wenig ab. Solche Frauen darf man eher, solche Frauen bekommt man eher ab. Sie geben sich laut Klischee schnell hin und eine Frau, die mit vielen Männern geschlafen hat, ist nicht begehrenswert, weil sie ja beschmutzt ist. Nachrichten, Leute. Es ist verdammt nochmal egal, wie oft wer mit wem welche sexuelle Handlung ausgeübt hat, sofern es einvernehmlich zwischen den handelnden Personen stattfand. Ansonsten hat das niemanden außer diese Personen zu interessieren und es ist auch kein Thema das dramatisiert werden muss. Es gehört zu den sehr unwichtigen Dingen an Menschen, sich über deren Sexualpartner bestens auszukennen und ist auch nichts, woran man diesen Menschen bewerten kann. Zweiter Punkt ist, dass, egal wie ein Mensch aussieht, es ist nicht möglich anhand dessen zu beurteilen, wie oft diese Person Sex hat, was ohnehin ja erstmal vollkommen egal ist. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Kleidungsstil und seine Vorlieben bezüglich Textilen so auszuleben, wie dieser Mensch eben will. Da ist es nun völlig egal, ob jemand nur schwarz trägt, allgemein eher wenig, permanent ein Kükenkostüm trägt oder sich sonst wie anziehen will. Da hat niemand das Recht, das in irgendeiner Weise so abwertend zu beurteilen, gar billig zu nennen. Auch nicht die Werbung. Klar, Werbung ist letztendlich nur ein Spiegel der Gesellschaft und richtet sich erst einmal auch an eine bestimmte Zielgruppe. Dennoch halte ich es für schockierend, dass es dafür scheinbar wirklich Interessenten gibt. Manche scheinen wohl in der Zeit festzuhängen, in denen jede Frau, die sich billig gibt, mit allen schläft und eine Ehefrau soll dann anständig werden, wie damals halt.

Das Beispiel mag etwas überspitzt sein, aber das Frauenbild ist nicht mehr an dem Punkt, an dem es Menschen in die Kategorie „billig“ und „nicht billig“ stecken sollte. Gerade Männer, die sich oberkörperfrei und muskulös darstellen, bekommen dafür gesellschaftlich gesehen viel mehr positives Feedback als eine oberkörperfreie Frau. Weil sie zeigt sich ja und das macht sie billig.

Aber zurück zu Redcoon, die leider zu Media-Saturn-Holding gehören. Darunter fällt auch Saturn sowie Media Markt, sodass es leider nicht so einfach möglich ist, auf diese beiden Geschäfte auszuweichen, wenn man aufgrund solcher Werbung Redcoon nicht unterstützen will. Als Alternative blieben beispielsweise je nachdem, was gerade benötigt wird, Euronics, GameStop, die leider meistens viel teurer sind, Conrad oder für CDs entsprechend die Labels direkt oder, wenn man solche Musik hört wie ich, EMP. Ich muss sagen, als ich mich mit Redcoon beschäftigt habe, ist mir auch dann erst aufgefallen, dass sie zu Saturn und Media Markt gehören, was ich schon ziemlich… traurig finde. Aber wie nun mal ein Konzern ist, versucht er, Werbung für eine bestimmte Zielgruppe zu machen und leider ist dieser Spiegel der Gesellschaft ziemlich ekelhaft. Vielleicht hilft die Tatsache, dass das Problem Redcoon sich mit einer großen Portion Glück selbst erledigen könnte. Aktuell steht das Unternehmen unter Verdacht der Steuerhinterziehung. Ohne nun anderen Menschen persönlich den finanziellen Ruin zu wünschen, praktisch gesehen wäre damit diese Werbung nicht mehr relevant.

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Ein Gedanke zu “Alltagssexismus – Zu wenig Kleidung ist billig!

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