Blut, Blut, Räuber saufen Blut, außer, es kommt von Schwulen

Hallo Welt,

heute ist Weltblutspendetag, daher auch der Titel als Zitat aus „Julia und die Räuber“ von Subway to Sally. An sich natürlich eine gute Idee, schließlich wird immer noch viel mehr Blut benötigt als tatsächlich gespendet wird. Letztlich ist zwar die in Umfragen erfragte Bereitschaft zum Spenden hoch, aber tatsächlich einen halben Liter des eigenen Bluts abgeben? Fehlanzeige bei vielen.

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So kommt es, dass insgesamt relativ wenig Blut zur Verfügung steht. Gerade Blutgruppen wie 0 negativ (oder auch noch positiv) sind recht gefragt, weil sie als (fast) Universalspender fungieren können. Gerade auch jeder von uns könnte in die Situation kommen, in der wir Blut benötigen. Jeder könnte morgen von einem Auto angefahren werden oder einen anderen Unfall haben, auch wenn man das natürlich niemandem wünscht, und in Folge dieses Unfalls Spenderblut benötigen. Das passiert täglich oft genug in Deutschland, wobei viel Spenderblut für die Therapie von Krebs benötigt wird. Allerdings kann dies genauso jeden treffen, wenn auch nicht so wahrscheinlich und nicht so schnell. Wir stellen also fest, es wird viel Blut benötigt. Weiterhin gibt es schon fast zu wenig Blut für zu viele Patienten. Was also tun? Es wird oftmals versucht, Menschen zum Blutspenden zu motivieren, sei es durch kostenlose Versorgung mit Kaffee und Kuchen danach, als auch teilweise mit Aufwandsentschädigungen, mit denen jedoch nicht aktiv geworben werden darf. Klappt eher schlecht als recht, habe ich den Eindruck, weil immer noch irgendwie Blut fehlt.

Angenommen, ich habe nun viele Männer, die sogar noch öfter jährlich Blut spenden dürfen als Frauen, die gerne Blut spenden würden, aber es nicht dürfen. Sie sind gesund, vergleichsweise munter, sind so zwischen 18 und 80 Jahre alt und leiden an keinen Krankheiten, die sie in irgendeiner Art und Weise von der Spende ausschließen. Eigentlich doch super, so viele Spender dem „Markt“ zuzuführen. Da gibt es allerdings ein Problem. Diese Männer sind homosexuell und fallen in die Kategorie „Männer, die mit Männern Sex hatten“ und sind damit für eine Blutspende ausgeschlossen, weil zu einer Risikogruppe gehören sollen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 80000 Männer an HIV leiden, während circa 65000 Frauen auch infiziert sind, nach den Zahlen von 2012, wobei natürlich auch Männer, die Sex mit Männern hatten, als Infektionsquelle zählen. Das passiert. Allerdings ist jemand, der homosexuell ist, in einer festen Beziehung lebt, die keine Sexualkontakte nach außen zulässt, und an keiner Geschlechtskrankheit leidet, genauso eine Risikoquelle für eine HIV-Infektion wie ein Heterosexueller. Offenbar gibt es nämlich auch Frauen, die eine Infektion mit HIV haben, also können sich auch heterosexuelle Männer damit infizieren, besonders, wenn sie häufig wechselnde Sexualpartner haben. Hier sind wir wieder an einem Punkt angekommen, der etwas schwierig ist. Was genau sind „häufig wechselnde Sexualpartner“? Zwei Partner pro Jahr? Pro halbes Jahr? Pro Monat? Pro Woche? Pro Tag? Pro Stunde? Die Realität wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Diese Menschen sind bis jetzt übrigens auch von der Blutspende ausgeschlossen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass selbst wenn homosexuelle Männer nun Blut spenden dürften, gleich eine Epidemie ausbricht und alle etwas promiskuitive veranlagten Menschen und homosexuelle Männer nun auf die Idee kommen, Blut spenden zu wollen. Geht sowieso nicht. Über die Definition von „häufig wechselnde Sexualpartner“ kann ich gerne streiten, Poly-Beziehungen mit beispielsweise drei Menschen, die nur sehr selten Sexualkontakte außerhalb der Beziehung pflegen, sehe ich da auch nicht in einer besonderen Risikogruppe. Bevor ich’s vergesse, Safer Sex sollte man natürlich immer ausüben, egal ob nun Risikogruppe oder nicht. Kommen wir also nun zu unseren Männern, die Sex mit Männern haben. Vor allem in Beziehungen ohne Sexualkontakte außer dieser oder überhaupt ohne eine aktuelle Beziehung und sehr wenig Sexualkontakten ist ein Blutspendeverbot einfach nur noch homophob. Wo keine Sexualkontakte sind oder nur wenige, die dabei sogar noch in einer Beziehung stattfinden könnten, kann generell nicht allzu viel passieren, sowohl bei homo- als auch hetero-, als auch alles weitere-sexuell. Als jemand, der Blut benötigen könnte, wäre mir Blut eines Homosexuellen übrigens viel lieber als gar kein Blut. Manche Risikogruppen mögen ja sinnvoll sein und von der Blutspende ausgeschlossen. Dass ich jemandem, der Blutverdünner nimmt, nicht eine Nadel in den Arm stecke und dem erstmal einen halben Liter Blut abnehme, ist auch irgendwo einleuchtend. Der könnte das Blut danach selbst brauchen. In solchen Fällen ist ein Ausschluss von der Blutspende ja vollkommen verständlich.

Übrigens zeigt das Beispiel der Knochenmarkspende, dass homosexuelle Männer doch eigentlich keine unumstößliche Risikogruppe sind. Knochenmark darf gegeben werden, Blut jedoch nicht. Klar sind Knochenmark und Blut unterschiedlich, aber gerade bei Knochenmark müssen die Faktoren viel eher stimmen als beim Blut und Erkrankungen wie HIV müssen ausgeschlossen sein. Insofern hoffe ich, dass es nur noch ein kurzer Weg ist, bis auch endlich homosexuelle Männer ihr Blut geben dürfen. Da gibt es bestimmt einige, die Leben retten wollen – unabhängig von der Sexualität derer, die gerettet werden sollen.

Weiterführende Links:

https://queeraten.eu/index.php/2016/01/20/blutspende-piraten-sorgen-im-saarland-fuer-den-ersten-teilerfolg/

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