Warum nicht einfach Sexismus verbieten?

Hallo Welt,

heute soll es mal um eine augenscheinlich einfache Lösung für ein komplexes Thema gehen. Wie vielleicht ab und an zu erkennen ist, finde ich Sexismus nicht gerade sehr erheiternd. Ich schreibe viel über Alltagssexismus, der mir immer mal wieder begegnet und gerade der ist mir ein besonderes Dorn im Auge, weil er auf bestimmten Rollenklischees aufbaut, die ich so nicht unterstützen kann und will. Ich mag diese Rollenklischees übrigens in keinem Bereich, also egal, ob jemand männlich, weiblich, nicht-binär, hellhäutig, dunkelhäutig, gut gebräunt, bildschirmgebräunt, katholisch, evangelisch, der Religion des fliegenden Spaghettimonsters angehörend, jüdisch, muslimisch, atheistisch, agnostisch, nihilistisch, homosexuell, asexuell, heterosexuell, pansexuell, omnivor, vegan, vegetarisch oder was auch immer ist, bleibt mir bitte mit Rollenklischees fern. Allerdings habe ich eine recht genaue Vorstellung von Sexismus und ziehe bei Sexismusbekämpfung auch irgendwo meine Grenzen. Sexismus meint zunächst eigentlich „nur“ die strukturelle Unterdrückung aufgrund des Geschlechts von Frauen, weil sie im Vergleich zu Männern immer noch ungleich behandelt werden. Da ich aber der Meinung bin, dass Männer genauso aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden können wie Frauen, sei es nun beispielsweise durch Geschlechterklischees, benutze ich den Begriff des Sexismus gerne für alle Geschlechter und definiere ihn auch entsprechend. Das sollte vielleicht auch gerade zu Beginn geklärt sein, dass alle Geschlechter meiner Meinung nach Sexismus erfahren können, wenn auch unterschiedlich.

Die Idee, Sexismus in irgendeiner Form zu verbieten, ist eigentlich gar nicht neu. So war des Öfteren schon in der Diskussion, dass Sexismus in Werbung verboten werden soll. Dass Frauen nicht auf ihre Sexualität und ihre sexuellen Gefälligkeiten reduziert werden sollten, ist, denke ich mal, nicht Thema. Dass das für unsere Gesellschaft meiner Meinung nach auf keinen Fall okay ist, ist klar. Dennoch ist die Werbung scheinbar ansprechend, sonst würde sie nicht gemacht werden und niemand würde das entsprechende Produkt kaufen. Werbung ist nun mal ein Spiegel der Gesellschaft und Produkte, die sexistisch beworben werden, kaufe ich letztlich nur eingeschränkt oder im besten Fall gar nicht. Das ist als Verbraucher meine Reaktion darauf. Dass diese Werbung allerdings produziert wird, hat den einfachen Grund, dass sie auch in der entsprechenden Zielgruppe beliebt ist. Den entsprechenden Konzernen allerdings zu verbieten, dass sie deswegen keine sexistische Werbung mehr verwenden dürfen, ist daher der falsche Weg. Wie ich bereits erwähnt hatte, ist alleine schon die Definition von Sexismus schwierig. Manche übertragen es nur auf Frauen, manche auch auf Männer und manche sehen in wirklich jedem Detail Sexismus, während es anderen wiederum schlicht und einfach egal ist. So kann in eine Frau, die von der Mehrheit als attraktiv und begehrenswert empfunden wird, im Bikini, die für ein Strandset wirbt, schon als sexistisch empfunden werden, während andere die Werbung von Redcoon als sexistisch sehen. Aus der Kategorie Sexismus gegen Männer habe ich auch noch was da.

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Also viele verschiedene Möglichkeiten, Sexismus zu sehen. Ich selbst sehe vor allem Alltagssexismus in Sachen, für die man vielleicht einen Moment länger nachdenken muss, aber nicht in Dinge, in die erst einmal noch eine ordentliche Portion Sexismus reininterpretiert werden muss, um mal ein Beispiel zu nennen, in die Tatsache, dass meistens nur biologische Frauen dazu in der Lage sind, schwanger zu werden. Beim Thema biologisches Geschlecht bin ich persönlich ja sowieso der Meinung, dass hier in bestimmten Bereich unterschieden werden muss. Beim Arzt zum Beispiel. Hört sich vielleicht blöd an, aber im Bereich der Medizin kann das biologische Geschlecht tatsächlich relevant werden. So zeigt sich beispielsweise ein Herzinfarkt bei Frauen im Schnitt mit anderen Symptomen als bei Männern. Allerdings ist das gesellschaftlich gesehen irrelevant und medizinische Informationen sind vor allem eines, sensible und private Daten. Um es noch überspitzter darzustellen und es noch höher zu treiben, männliche Homosexuelle sind auch keine Sexisten, weil sie sich nun einmal nicht zu Frauen hingezogen fühlen und alleine die Existenz von Männern ist auch nicht sexistisch. Genau überspitzt, zurück zum Ernst. Da scheitert solch ein Werbeverbot als erstes dran, es ist schwer zu sagen, was nun zu sexistisch ist und was noch in Ordnung ist. Der Gesetzesentwurf spricht ja erst einmal von sexualisierter Darstellung. Dass eine Werbung für Sexarbeiter vermutlich gerade die sexuellen Vorzüge betont, ist klar, und bildet vermutlich wieder die Ausnahme, die ich mir als erstes herausgepickt habe. Sexualisierte Darstellung von Menschen, reduziert auf deren Geschlecht, mag ich generell nicht. Wenn wir nun aber sexualisierte Werbung hätten, die nicht auf das Geschlecht des Menschen abzielen und auch nicht von Geschlechterstereotypen geprägt sind, so wäre es mir egal. Vielleicht würde ich die Werbung doof finden. Vielleicht aber auch gut, weil es so wenig von dieser idealisierten Art der Werbung gibt. Ein Verbot von sexistischer Werbung sorgt vermutlich auch eher dafür, dass das Thema nicht ernst genommen wird und eine gewisse Zensur der Werbung stattfindet. Ich finde es auch nicht schön, wenn sexistische Werbung gezeigt wird, aber da es offenbar einen Markt dafür gibt und es immer noch Sexismus gibt, hilft ein Verbot, das zu zeigen, meiner Meinung nach nicht weiter, wenn es immer noch die Rollenklischees gibt, wie Mann und Frau sich verhalten müssen. Nicht-binäre ausgenommen, weil die laut Klischee ja sowieso nicht existieren und nur etwas besonderes sein wollen. Damit wird höchstens eine Verbreitungsart ausgenommen, die aber sowieso nicht im Vordergrund steht, weil meistens die Sozialisation eine verdammt wichtige Rolle spielt und nicht die Werbung.

Ein Verbot von Sexismus in der Werbung erachte ich also als nicht sinnvoll, wie ist es dann mit einem generellen Verbot von Sexismus? Das kann man sich ja eigentlich schon fast denken. Wenn Sexismus sowieso schon ein vergleichsweise schwierig zu greifender Begriff ist, so wäre ein generelles Verbot sehr schwierig. Zu den Argumenten, die ich bereits in Bezug auf das Verbot von sexistischer Werbung geäußert habe, kommt hier vor allem der Gedanke dazu, dass ich damit eine bestimmte Art zu denken, nämlich in dem Fall sexistisch, nicht nur abwerte, sondern auch unter Strafe stelle. Dass ich Sexismus und vor allem Alltagssexismus gerne abwerte, das passiert. Das ist meine Meinung, die ich frei kund tun darf. Genauso darf aber jemand auch seine sexistische Meinung kund tun. Ein generelles Verbot von Sexismus würde die Meinungsfreiheit unverhältnismäßig eingrenzen. Abgesehen davon bin ich nicht Besitzer der alleinigen Wahrheit einer perfekten Gesellschaftsordnung. Ich finde Sexismus schlecht, so geht es auch vielen anderen Menschen. Ich bekämpfe aktiv Sexismus. Es gibt auch andere Menschen, die Sexismus bekämpfen, aber die sehen das vielleicht anders als ich. Wie bereits bei der schwierigen und unterschiedlichen Definition von Sexismus bin ich hier an einem Punkt angelegt, an dem ich nicht die allgemeingültige Wahrheit besitze. Ich habe meine Meinung, meine persönliche gesellschaftliche Utopie, meinen Wunsch nach Post Gender, aber nur, weil ich der Meinung bin, dass das der gesellschaftliche Weg ist, mit verschiedenen Geschlechtern umzugehen, ist dieser Weg noch lange nicht allgemeingültig und jeder muss diesen annehmen. Würde ich annehmen, dass mein Weg allgemeingültig und perfekt wäre, würde ich damit alle anderen Ideen abwerten, die es vielleicht noch gibt, so sexistisch die vielleicht auch sein mögen. Ich lasse mich gerne belehren und höre mir verschiedene Meinung an, dabei kann ich im besten Fall sogar noch etwas (dazu) lernen. Das soll nun nicht Sexismus á la „Frauen gehören hinter den Herd“ rechtfertigen, nur ist meine Meinung nun mal keine Tatsache. Daher wäre ein Verbot schon alleine aus meiner persönlichen und egoistischen Perspektive ein Schuss ins eigene Knie. Außerdem gibt es ja bereits entsprechende Strafen, falls es zu sexistisch wird. Wird jemand beleidigend sexualisiert, so gibt es immer noch den Straftatbestand der Beleidigung. So ist „XY ist aber eine H*re, die zieht sich immer so freizügig an“ auf ein Geschlechterklischee zurückzuführen und dazu noch beleidigend sexualisierend. Das regelt schon unser Strafrecht, dazu brauche ich kein Gedanken- und Meinungsäußerungsverbot, was Sexismus angeht. Bezüglich des Punktes Vergewaltigung und sexuelle Gewalt kann noch relativ viel diskutiert werden. Es gibt immer wieder Urteile, in denen Fälle auftreten, bei denen eine Frau sich nicht genug gewehrt haben soll, damit es sich um eine Vergewaltigung handelt und das Strafgesetzbuch sieht dafür mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe vor. Im „Optimalfall“ ist also eine Vergewaltigung laut Strafgesetzbuch weniger dramatisch als Steuerhinterziehung, um mal ein Beispiel zu nennen. Dass also die Strafe für eine Vergewaltigung so nicht bleiben kann, wird ja bereits diskutiert und eine ausführliche Bearbeitung dieses Themas würde den Rahmen dieses Beitrags eindeutig sprengen. Daher verzichte ich an dieser Stelle auf eine ausführlichere Diskussion. Die Frage bleibt aber weiterhin, ob Vergewaltigung Sexismus oder das Resultat eines sexistischen Menschenbildes ist. Auch diese Diskussion würde vermutlich den Rahmen sprengen, weswegen ich hier einfach annehmen werde, dass sexuelle Gewalt auf einem negativen und sexistischen Menschen- und Frauenbild beruhen kann, aber nicht muss. Leider gibt es ja auch Vergewaltigungsfälle gegen Kinder und Männer, in denen nicht unbedingt Sexismus ein Grund sein muss und sein wird. Eine Vergewaltigung ist ja zum Glück verboten und hoffentlich wird hier auch die Rechtssprechung künftig etwas strenger und eindeutiger.

Wir halten also fest, Verbote bezüglich Sexismus gehen meistens nach hinten los. Alleine durch die Empörung, dass man nun ja nicht mal mehr frei seine Meinung äußern und denken darf, obwohl das ja gar nicht sexistisch ist (auch, wenn das Gegenteil aus meiner Sicht der Fall ist), schlägt die Sensibilisierung gegen Sexismus fehl. Da hilft leider nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und das Bekämpfen von Geschlechterstereotypen in der Hoffnung, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der nur noch meine Sexualpartner und meine Ärzte mein Geschlecht interessiert.

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Blut, Blut, Räuber saufen Blut, außer, es kommt von Schwulen

Hallo Welt,

heute ist Weltblutspendetag, daher auch der Titel als Zitat aus „Julia und die Räuber“ von Subway to Sally. An sich natürlich eine gute Idee, schließlich wird immer noch viel mehr Blut benötigt als tatsächlich gespendet wird. Letztlich ist zwar die in Umfragen erfragte Bereitschaft zum Spenden hoch, aber tatsächlich einen halben Liter des eigenen Bluts abgeben? Fehlanzeige bei vielen.

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So kommt es, dass insgesamt relativ wenig Blut zur Verfügung steht. Gerade Blutgruppen wie 0 negativ (oder auch noch positiv) sind recht gefragt, weil sie als (fast) Universalspender fungieren können. Gerade auch jeder von uns könnte in die Situation kommen, in der wir Blut benötigen. Jeder könnte morgen von einem Auto angefahren werden oder einen anderen Unfall haben, auch wenn man das natürlich niemandem wünscht, und in Folge dieses Unfalls Spenderblut benötigen. Das passiert täglich oft genug in Deutschland, wobei viel Spenderblut für die Therapie von Krebs benötigt wird. Allerdings kann dies genauso jeden treffen, wenn auch nicht so wahrscheinlich und nicht so schnell. Wir stellen also fest, es wird viel Blut benötigt. Weiterhin gibt es schon fast zu wenig Blut für zu viele Patienten. Was also tun? Es wird oftmals versucht, Menschen zum Blutspenden zu motivieren, sei es durch kostenlose Versorgung mit Kaffee und Kuchen danach, als auch teilweise mit Aufwandsentschädigungen, mit denen jedoch nicht aktiv geworben werden darf. Klappt eher schlecht als recht, habe ich den Eindruck, weil immer noch irgendwie Blut fehlt.

Angenommen, ich habe nun viele Männer, die sogar noch öfter jährlich Blut spenden dürfen als Frauen, die gerne Blut spenden würden, aber es nicht dürfen. Sie sind gesund, vergleichsweise munter, sind so zwischen 18 und 80 Jahre alt und leiden an keinen Krankheiten, die sie in irgendeiner Art und Weise von der Spende ausschließen. Eigentlich doch super, so viele Spender dem „Markt“ zuzuführen. Da gibt es allerdings ein Problem. Diese Männer sind homosexuell und fallen in die Kategorie „Männer, die mit Männern Sex hatten“ und sind damit für eine Blutspende ausgeschlossen, weil zu einer Risikogruppe gehören sollen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 80000 Männer an HIV leiden, während circa 65000 Frauen auch infiziert sind, nach den Zahlen von 2012, wobei natürlich auch Männer, die Sex mit Männern hatten, als Infektionsquelle zählen. Das passiert. Allerdings ist jemand, der homosexuell ist, in einer festen Beziehung lebt, die keine Sexualkontakte nach außen zulässt, und an keiner Geschlechtskrankheit leidet, genauso eine Risikoquelle für eine HIV-Infektion wie ein Heterosexueller. Offenbar gibt es nämlich auch Frauen, die eine Infektion mit HIV haben, also können sich auch heterosexuelle Männer damit infizieren, besonders, wenn sie häufig wechselnde Sexualpartner haben. Hier sind wir wieder an einem Punkt angekommen, der etwas schwierig ist. Was genau sind „häufig wechselnde Sexualpartner“? Zwei Partner pro Jahr? Pro halbes Jahr? Pro Monat? Pro Woche? Pro Tag? Pro Stunde? Die Realität wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Diese Menschen sind bis jetzt übrigens auch von der Blutspende ausgeschlossen. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass selbst wenn homosexuelle Männer nun Blut spenden dürften, gleich eine Epidemie ausbricht und alle etwas promiskuitive veranlagten Menschen und homosexuelle Männer nun auf die Idee kommen, Blut spenden zu wollen. Geht sowieso nicht. Über die Definition von „häufig wechselnde Sexualpartner“ kann ich gerne streiten, Poly-Beziehungen mit beispielsweise drei Menschen, die nur sehr selten Sexualkontakte außerhalb der Beziehung pflegen, sehe ich da auch nicht in einer besonderen Risikogruppe. Bevor ich’s vergesse, Safer Sex sollte man natürlich immer ausüben, egal ob nun Risikogruppe oder nicht. Kommen wir also nun zu unseren Männern, die Sex mit Männern haben. Vor allem in Beziehungen ohne Sexualkontakte außer dieser oder überhaupt ohne eine aktuelle Beziehung und sehr wenig Sexualkontakten ist ein Blutspendeverbot einfach nur noch homophob. Wo keine Sexualkontakte sind oder nur wenige, die dabei sogar noch in einer Beziehung stattfinden könnten, kann generell nicht allzu viel passieren, sowohl bei homo- als auch hetero-, als auch alles weitere-sexuell. Als jemand, der Blut benötigen könnte, wäre mir Blut eines Homosexuellen übrigens viel lieber als gar kein Blut. Manche Risikogruppen mögen ja sinnvoll sein und von der Blutspende ausgeschlossen. Dass ich jemandem, der Blutverdünner nimmt, nicht eine Nadel in den Arm stecke und dem erstmal einen halben Liter Blut abnehme, ist auch irgendwo einleuchtend. Der könnte das Blut danach selbst brauchen. In solchen Fällen ist ein Ausschluss von der Blutspende ja vollkommen verständlich.

Übrigens zeigt das Beispiel der Knochenmarkspende, dass homosexuelle Männer doch eigentlich keine unumstößliche Risikogruppe sind. Knochenmark darf gegeben werden, Blut jedoch nicht. Klar sind Knochenmark und Blut unterschiedlich, aber gerade bei Knochenmark müssen die Faktoren viel eher stimmen als beim Blut und Erkrankungen wie HIV müssen ausgeschlossen sein. Insofern hoffe ich, dass es nur noch ein kurzer Weg ist, bis auch endlich homosexuelle Männer ihr Blut geben dürfen. Da gibt es bestimmt einige, die Leben retten wollen – unabhängig von der Sexualität derer, die gerettet werden sollen.

Weiterführende Links:

https://queeraten.eu/index.php/2016/01/20/blutspende-piraten-sorgen-im-saarland-fuer-den-ersten-teilerfolg/

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