Sind polyamore Menschen eigentlich queer?

Hallo Welt,

gerade in der CSD-Saison, die jetzt den ganzen Sommer über läuft, wobei schon ein paar Veranstaltungen waren, beispielsweise Saarbrücken und Köln, und noch welche sind wie an diesem Wochenende Braunschweig und am Wochenende vom 12. und 13. August Rhein-Neckar, sind dort inzwischen nicht nur mehr homosexuelle Menschen zu finden, sondern auch bi-, pan-, inter- und asexuelle Menschen sowie Transgender. Oftmals wird das im Rahmen der LGBT+-Community verdeutlicht, wobei L für Lesbians, G für Gays, B für Bisexuals und T für Transgender steht. Das + verdeutlicht, dass das keineswegs alle nicht heteronormativen Orientierungen und Identitäten sind, die es gibt.

Und dann gibt es da noch so ein anderes Wörtchen, was sich daraus entwickeln lässt. Queer. Zunächst bezeichnet das alles, was in irgendeiner Art und Weise von der Norm abweicht. In den letzten Jahren hat dieser Begriff aber vor allem etwas von der Gleichstellungsseite abbekommen, vor allem, was sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und Lebensweise angeht. Die Wikipedia-Definition ist

Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich – je nach Selbstaussage – außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen,
Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen.

Oftmals wird dies auch durch eine Regenbogenflagge dargestellt, von der ich persönlich auch selbst eine piratisierte Variante habe (Hallo an die AG Queeraten!)

Das Problem mit dem Queerbegriff und polyamor lebenden Menschen hat diese Definition schon aufgegriffen nämlich „je nach Selbstaussage“. Einige Definitionen des Begriffes beschränken sich „nur“ auf die sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, dabei ungeachtet bleibt die Lebensweise und Art, die Beziehungen zu führen. Das Magazin queer.de, das sich selbst als Zentralorgan der Homo-Lobby bezeichnet, schränkt diesen Begriff dementsprechend noch weiter ein und geht in den meisten Fällen nur auf Schlagzeilen im Zusammenhang mit Homosexualität ein, ab und an auch Transgender, aber eben vergleichsweise selten. An sich ist es auf jeden Fall gut, ein solches Magazin in Deutschland zu haben, aber es deckt eben nur einen Teil des Bereiches queer ab.

Aber zurück zur Polyamory. Oftmals wird damit argumentiert, dass sich bewusst dazu entschieden wird, diese Art der Beziehung zu führen. Ich selbst führe aktuell eine polyamore und sexuell offene Beziehung, die um Partner erweitert werden darf, und ja, ich mag mich bewusst dazu entschieden haben, aber aus dem einfachen Grund, dass mich eine Beziehungsform, die andere Menschen und mögliche, weitere Beziehungen ausschließt, auf Dauer unglücklich machen würde. Um genau zu sein würde es mich nicht nur unglücklich machen, es könnte schon von Anfang an nicht funktionieren. Abgesehen von der Tatsache, dass selbst, wenn ich eine neue Beziehung eingehe, gesetzt der Fall, diese beschränkt sich in romantischer als auch sexueller Hinsicht auf einen Partner, plötzlich alle sexuell attraktiven Menschen in meiner Umgebung unattraktiv werden. Die Menschen, in die ich vorher verliebt war, verschwinden dann auch nicht plötzlich. Aber es wäre eben nicht erlaubt, ich dürfte in meiner Beziehung diese Gefühle gar nicht ausleben. Das kann und will ich nicht. Klar, auch für mich wäre es einfacher, wenn ich in der Lage wäre, solche Beziehungen zu führen. Es ist gesellschaftlich auf jeden Fall akzeptiert und weniger zeit- und kostenintensiv. Ich bin dazu aber einfach nicht in der Lage. Es mag Menschen geben, die das können, was eben ein Großteil der Gesellschaft ist, es mag Menschen geben, die polyamor leben können als auch eine Beziehung, die sich auf eine Person beschränkt, es mag Menschen geben, die nur polyamor leben können, wobei es auch hier natürlich wieder Unterschiede gibt, wie das jeweilige Beziehungskonzept aussieht, damit jemand glücklich ist, aber letztlich entscheide ich mich nicht dafür, polyamor zu sein. Ein homosexueller Mann wird auch keine Beziehung mit einer Frau führen können, genauso wenig bin ich dazu in der Lage, eine Beziehung zu führen, die sich auf einen Partner beschränkt. Ja, ich hatte auch schon Beziehungen, die sich auf einen Partner beschränken. Aber wie man leicht sieht, sind diese offenbar gescheitert. Meine aktuelle Beziehung war auch mal irgendwie beschränkter, aber auf einen einzigen Partner beschränkt war sie in dem Sinne nie wirklich. Ja, auch wir sind den Schritt weiter gegangen, dass mehrere Partner erlaubt sind, entsprechend unserer Regeln, weil eben das passiert ist, was bei mir des Öfteren passiert. Ich finde andere Menschen sexuell attraktiv und verliebe mich. Dafür kann ich nichts. Es wäre auch sicherlich keine Lösung für mich, sobald das passiert, mich für jemanden zu entscheiden. Dann hätte ich permanent kurze Beziehungen, die mich nie glücklich machen. Es ist keine Entscheidung für mich, polyamor zu sein, genauso wenig wie es für einen Transgender keine Entscheidung ist, welches Geschlecht denn nun das eigentliche, das richtige Geschlecht ist und wie es für einen Homosexuellen keine Entscheidung ist, ob der homosexuell ist und wie es für den Fußfetischisten keine Entscheidung ist, ob dieser nun diesen Fetisch hat. Ich entscheide mich lediglich dazu, meine Beziehungen entsprechend zu gestalten, genauso wie der Transgender seine Konsequenzen für sich und seinen Körper daraus zieht, genauso wie der Homosexuelle nur Beziehungen mit Menschen eingeht, die dasselbe Geschlecht haben und genauso wie der Fußfetischist Menschen sucht, mit denen er seinen Fetisch ausleben kann.

Polyamorie ist übrigens genauso natürlich wie alles andere auch. So wie es im Tierreich beispielsweise Homosexualität, Transgender und Intersexualität gibt, so gibt es auch Tiere, die Beziehungen mit mehreren Artgenossen pflegen. Insofern reihe ich mich als polyamorer Mensch in eine Reihe von natürlichen Gegebenheiten ein, die in unserer Gesellschaft noch immer benachteiligt werden. Ich will an der Stelle gleichgeschlechtlichen Paaren ihren Kampf um die Ehe für alle natürlich nicht wegnehmen. Ich selbst bin da Verfechterin für und kämpfe auch sehr gerne mit. Da ich als Mensch, der auch im Sinne der L(i)ebensweise queer ist, aber genauso das Recht haben will, rechtlich mit mehren Menschen zusammen zu sein und dementsprechend sämtliche Vor- und Nachteile zu haben, ist das deswegen nicht gleich weniger queer.

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Ein Gedanke zu “Sind polyamore Menschen eigentlich queer?

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