Erklärung für einen Amoklauf? Bestimmt wieder Killerspiele!

Hallo Welt,

nachdem wir in den letzten Tagen relativ oft von Gewalt heimgesucht wurden, was ich sehr bedauere, als traurig und schockierend empfinde, scheint es für diese Gewalt mal wieder vergleichweise einfache Lösungen zu geben. Von mehr Überwachung bis hin zu einem Verbot von „Killerspielen“ scheint einfach zu sein, warum wurde das bisher eigentlich noch nicht umgesetzt, wenn dadurch dieser Amoklauf hätte verhindert werden können?

Gehen wir zunächst einmal auf die Forderung nach mehr Überwachung ein. Inzwischen haben wir ja schon die Vorratsdatenspeicherung, die den Amoklauf, welch Überraschung, nicht verhindert hat. Die Waffe wurde schließlich im sogenannten DarkNet beschafft, das sollte schließlich dann doch mehr überwacht oder sogar verboten werden! Mich überrascht es, dass diese Forderung noch nicht von einigen Politikern, die bekannt dafür sind, einfach und populistische Forderungen zu stellen, aufgegriffen wurde. Entgegen der landläufigen Meinung, dass im „DarkNet“, das ich problemlos betreten kann, ohne mich strafbar zu machen, ja nur Kriminelle unterwegs wären, die mit Waffen, Drogen und Kinderpornographie handeln, verwenden auch Whistleblower und Journalisten bei ihren Recherchen das „DarkNet“. Vielleicht sollte die Herkunft der Waffe noch etwas weiter zurückverfolgt werden als einfach nur das große, schwierig greifbare und angeblich so gefährliche „DarkNet“ als Quelle zu nehmen. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen handelte es sich bei der Tatwaffe um eine ehemalige Theaterwaffe. Wäre eine einfachere Lösung nicht der Vorschlag, dass Theaterwaffen, wenn sie wieder scharf gemacht werden können, zu zerstören nachdem sie nicht mehr benötigt werden? Klar, das müsste in diesem Fall eine EU-weite Regelung sein, aber daran versucht sich aktuell niemand. Es werden zwar schärfere Waffengesetze gefordert, aber wie genau die aussehen sollen, dazu wurde leider noch nicht viel gesagt. Stattdessen fordert ein gewisser Innenminister gerne mehr Überwachung. Inwiefern hätte Kameraüberwachung geholfen, wenn das aus weiter Ferne eben entsprechend hätte beobachtet werden können? Bestenfalls hätte das die sowieso schon schnell laufenden Aufklärung beschleunigt. Im Vergleich zu der Freiheit, die durch eine großflächige Kameraüberwachung verloren geht, steht dieser geringe Nutzen in keinem Verhältnis.

Aber was ist jetzt eigentlich mit den Killerspielen? Killerspiele, alleine der Begriff hört sich schon gefährlich an, das sind diese Spiele dann auch bestimmt. Dass schon das Wort eine gewisse Form der Wertung mit sich bringt, das sagt uns schon Wikipedia:

Killerspiel ist eine im deutschen Sprachraum verbreitete, negativ konnotierte Bezeichnung für ein gewalthaltiges Spiel. Es werden damit in erster Linie Computerspiele bezeichnet, in denen vom Spieler gesteuerte Gewalt gegen menschliche oder menschenähnliche Spielfiguren dargestellt wird. (…) Eine juristische Definition besteht nicht. Der Begriff wird vorwiegend in der Diskussion über fiktionale Gewalt und in der damit verbundenen Debatte über ein mögliches Verbot der damit bezeichneten Spiele als politisches Schlagwort verwendet.

Insofern halte ich das Wort in einer konstruktiven Diskussion, sofern es über irgenwelche rhetorische Mittel hinausgeht, schon für schwierig. Gewaltverherrlichende Spiele ist in dem Zusammenhang auch ein Wort, das gerne fällt. Ja, in so gut wie allen solcher Spiele wird Gewalt angewendet. Von Call of Duty und GTA zu Counterstrike und Resident Evil über Bayonetta und Borderlands, die Palette an solchen Spielen ist groß. Mich persönlich konnten diese Spiele nie wirklich fesseln, außer Bayonetta (2). Somit kann ich eigentlich schon als Gegenbeispiel herhalten, ich habe ein böses Killerspiel gespielt und trotzdem wurde noch niemand von mir angegriffen. Insgesamt bin ich eher ein friedlicher Mensch, der noch nicht einmal gegenüber (Neo-)Nazis gewalttätig wird und eigentlich auch etwas pazifistisch veranlagt ist. Mir persönlich würde es auch sehr missfallen, mir illegal eine Waffe zu besorgen und einen Amoklauf zu veranstalten. Und ich denke, dass es 99,99% aller Menschen, die solche Spiele spielen, genauso geht. Beispielsweise wurde GTA 5 über eine Millionen Mal alleine in Deutschland verkauft. Wenn nun jeder tausendste Spieler Amok laufen würde, hätten wir 1000 dieser Gewalttaten, die nur durch dieses Spiel hervorgerufen werden würden. Da könnte man auch damit argumentieren, dass Menschen, die 18 Jahre alt sind, vollkommen gefährlich sind oder Menschen, die Vegetarier sind, zu Massenmördern und Diktator eines faschistischen Regimes werden. Insofern sehe ich diese Spiele nicht irgendeiner Verantwortung für diesen Amoklauf. Es gibt in diesem Fall auch nicht wenig Studien, die gegen die These sprechen, dass gewaltverherrlichende Spiele Menschen zu gewaltbereiten Kriminellen machen.

Aber im Grunde genommen ist es möglich, aus den allermeisten Spielen gewaltverherrlichende Inhalte zu basteln. Nehmen wir beispielsweise mal Pokémon, ein Spiel, das hauptsächlich aber nicht nur von Kindern gespielt wird. In diesem Spiel kämpfen kleine Monster gegeneinander, die mit Attacken wie Feuersturm, Kratzfurie, Donnerblitz oder Himmelhieb aufeinander losgelassen werden. Wenn man sich an der Stelle nun vorstellt, welchen Schaden die Pokémon dabei eigentlich nehmen müssten und das darstellen würde, es gäbe ohne größere Probleme Darstellungen von starken Verbrennungen, offenen und eitrigen Wunden, offenen Knochenbrüchen und was man sich an der Stelle noch alles vorstellen kann. Pokémon käme ohne Probleme in einen Bereich von FSK 16 oder 18 und niemand könnte bestreiten, dass es nicht so gewaltverherrlichend wäre wie sehr blutige Tierkämpfe in unserer Welt. Es gibt übrigens einen Kleidungshersteller, der genau solche brutal zugerichteten Videospielfiguren zeigt, nämlich Cupcake Cult, wobei Pikachu unter anderem auch hart zugerichtet wurde.

cupcake-cult-zombie-pokemon-tshirt-5929-pÄhnliches kann man mit sämtlichen Spielen, für die Kinder eigentlich die primäre Zielgruppe sind, durchspielen. Super Mario, ein Spiel, bei dem der Antiheld in Lava verbrannt wird? Super Smash, bei dem der Sinn eigentlich nur aus Kämpfen besteht? Sims, ein Spiel, bei dem man ohne Probleme seine Sims qualvoll verhungern oder im Pool ertrinken lassen kann? Eines der wenigen Spiele, bei dem das schwierig wäre, wäre eventuell Harvest Moon. Aber insgesamt kann man fast jedes Spiel in ein sogenanntes Killerspiel umwandeln. Genau das hat die Piratenpartei sogar schon früh gemacht, indem ein paar Piraten Killerschach gespielt haben. Schach ist letztlich auch nur ein Spiel, bei dem Figuren geopfert werden. Das wurde auch schon im ersten Harry Potter-Teil klar. Interessant ist aber an der Stelle, dass eine Regierung, die gerne auch an Schulen mal die Bundeswehr schickt, damit diese dort werben kann, sich zumindest in einigen Ämtern für ein Verbot der bösen, bösen Killerspieler ausspricht.

Aber was kann man nun tun, um wirklich jeden Amoklauf zu verhindern? Katharina Nocun ist einem ihrer Beiträge zu diesem Thema zu dem Fazit gekommen, dass es eine vollkommene Sicherheit in unserer Gesellschaft nicht geben kann.

Interessant ist aber auch ein Gedanke, der mir gestern auf Twitter begegnet ist und den ich nun einfach mal als kleines Zitat zum Weiterdenken hier einbinde als eine Möglichkeit, auf die Gewalttaten der letzten Tage zu reagieren.

Natürlich kann man das Ganze auch in die andere Richtung denken. Gerade bei diesem Amoklauf in München, bei dem ein Jugendlicher, der offenbar Mobbingprobleme und Depressionen hatte, zum Täter wurde, hätte es eine entsprechende Vorsorge geben müssen. Ich bekomme immer noch oft mit, dass Mobbing in der Schule nicht in irgendeiner Art und Weise für die Mobber geahndet wird. Stattdessen wird zugeschaut, aber nicht gehandelt. Der gemobbte Schüler muss es quasi alleine aushalten und oftmals können sich daraus psychische Krankheiten entwickeln. Das Problem an der Stelle sind aber auch nicht die psychischen Krankheiten, denn wenn jede depressive Person früher oder später auf diese Art und Weise sich selbst das Leben nähme, wir hätten mindestens eine Millionen Amokläufe. Durch zwei depressive Personen, die in der letzten andere Menschen mit in den Tod gerissen haben, kann man nicht auf alle Menschen mit Depressionen schließen. Das funktioniert genauso wenig wie mit den Killerspielen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s