Alltagssexismus – Geschlechterklischees

Hallo Welt,

nachdem ich in einigen Posts zum Thema Alltagssexismus vorher gerne das Wort „Geschlechterklischee“ verwende und an keiner Stelle wirklich erklärt habe, will ich das an dieser Stelle nun zum einen nachholen, zum anderen will ich nochmals verdeutlichen, wie absurd es eigentlich ist, wenn die Gesellschaft jemandem je nach Geschlecht vorschreiben will, was er zu tun und wie er auszusehen hat. Generell ist natürlich zu sagen, dass kein Mensch aussehen muss, wie es ihm vorgeschrieben wird. Jede Person sollte in der Lage sein, sich selbst nach seinen Wünschen auszuleben und zu gestalten. Da gibt es leider nur einen Knackpunkt. Das gesellschaftliche Schönheitsideal steht dem des Öfteren im Weg, sodass dadurch ein gewisser sozialer Druck aufgebaut werden kann, wenn man es wagt, sich dem entgegenzustellen. Auf die Geschlechterklischees bezüglich nicht binären Menschen werde ich hier nicht eingehen, denn größtenteils existieren in dem Bereich (noch) keine Klischees. Allerdings zu dem Preis, dass ein Großteil der Gesellschaft noch immer der Meinung ist, dass es nur Mann und Frau gibt, was ja definitiv nicht der Fall ist. Ich persönlich bedauere diese Einstellung.

Aber was macht nun den perfekten Mann und die perfekte Frau aus? Der perfekte Mann sollte auf jeden Fall größer als seine Partnerin sein, muskulös, mit einem definitiv nicht zu langen Bart, vielleicht ein bisschen das Image, dass man ja böse ist, Frauen wollen ja schließlich erobert werden, natürlich neben seinem Macho-Image, dass er jede Frau haben kann, braucht er Familienfreundlichkeit, soll einmal der perfekte Vater werden, muss auf jeden Fall einen gut bezahlten Job haben, ganz oben auf der Karriereleiter sein und muss natürlich die Produkte benutzen, die eben nur echte Männer benutzen. Ach ja, natürlich muss er Sport, Bier und Fußball lieber und darf niemals weinen oder Schwäche zeigen. Dann wäre er ja kein echter Mann. Vom Aussehen her übernimmt David Beckham, der 2015 zum Sexiest Man Alive gewählt wurde, diese Voraussetzungen.

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Das ist also der Typ Mann, den jede Frau heiß und innig lieben muss. Selbst die Lesben, sonst wären die ja keine richtigen Frauen. Zum Glück tritt dieses homophobe Klischee, das eine Lesbe ja viel männlicher als alle anderen Frauen ist, immer weiter in den Hintergrund und kommt hoffentlich auch bald in der Bedeutungslosigkeit an. Es wäre auf jeden Fall wünschenswert. Aber was ist nun die perfekte Frau? Sie ist entsprechend kleiner als ihr Göttergate, immer perfekt geschminkt und sieht trotzdem natürlich aus, lieb, zierlich, nett, auf jeden Fall höflich, hat langes, wallendes, im allerbesten Fall sogar naturblondes Haar, sonst ist ihr Körper blank, träumt davon, die Mutter seiner Kinder zu werden, kauft ihrer Tochter auf jeden Fall pinke Puppen und ihrem Sohn blaue Autos, zieht natürlich die Kinder hauptsächlich auf, damit ihr Mann seine perfekte Karriere nicht aufgeben muss, genauso kümmert sie sich hauptsächlich um den Haushalt, weil es beim Mann ja nicht geht, hat aber natürlich auch einen Job, macht sich ständig Sorgen um ihr Gewicht, obwohl ihr Körper natürlich vollkommen perfekt ist und liebt noch dazu ihren Garten und kann nicht aufhören mit shoppen, es ist einfach wie eine Sucht. Unsere Sexiest Woman Alive 2015 ist Emilia Clarke und stellt somit das äußerliche Ideal dar.

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An der Stelle denke ich, sollte ich erwähnen, dass diese beiden Menschen zwar ein von der Gesellschaft angestrebtes Ideal darstellen, das ich insgesamt als negativ bewerte, die Menschen in ihrem Aussehen allerdings nicht als negativ ansehe. Jeder Mensch hat das Recht, sein Aussehen nach seinen persönlichen Wünschen zu gestalten. Wenn die beiden genannten Personen nun einmal so aussehen wollen, wie sie aussehen, dann ist das ihr gutes Recht.

So, aber was passiert nun, wenn sich jemand gegen eines der Geschlechterklischees, die sich noch beliebig erweitern lassen, entscheidet, sei es nun gewollt, ungewollt oder bewusst, unbewusst? Diese Person wird schief angeschaut, darauf angesprochen, etc. Ungewöhnliche Dinge an Menschen werden sowieso oftmals angesprochen, denn was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. An der Stelle fasse ich gerne mal ein paar Klischees zusammen, die ich so ab und an schon bemerkt habe.

Frauen müssen auf jeden Fall BHs tragen, das ist sonst schlecht für die Gesundheit!

In diesem Fall geht es wirklich so weit, dass ich schon gehört habe, dass jemandem mit Brüsten Herzrhythmusstörungen ohne BH drohen. Abgesehen von der Tatsache, dass es wem auch immer auch egal sein kann, ob ich nun einen BH unter meiner Kleidung trage oder keine Lust darauf habe oder es wie bei mir aktuell Schmerzen verursacht, das Ding überhaupt anzuziehen, gibt es inzwischen genügend Studien und Belege, die zeigen, dass jemand mit Brüsten auch ohne BH überleben kann.

Frauen müssen Kurven und Brüste haben. Ein Mann braucht was zum Anfassen. Nur Hunde spielen mit Knochen. Und zu fett darf sie natürlich auch nicht sein, Big Mac bekomme ich bei Mecces!

Hier könnte man eigentlich alles nehmen, was irgendwie die Figur einer Frau beschreibt, die natürlich erotisierend sein muss, aber strengen Vorgaben folgen muss. Eine Frau ist übrigens jemand, der sich als Frau fühlt. Das ist nicht am Körbchen festzumachen. Jeder Körper ist ein guter Körper, sofern das Wohlfühlgefühl da ist. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

So ein Mann, der muss schon Muskeln haben und was Schweres packen können. Ich brauche keinen Strich in der Landschaft oder einen Fettsack!

Selbes Spiel, jeder, der sich in seinem Körper wohl fühlt, sollte sich von niemandem einreden lassen müssen, dass sein Aussehen falsch ist, weil es nicht schön ist. Was gesundheitliche Faktoren angeht, muss ich passen. Ich bin kein Mediziner und kann niemandem raten, was für den eigenen Körper gesund ist.

Männer dürfen sich nicht schminken, das ist voll homo und unmännlich!

Homophobie kommt auch noch oft im Zusammenhang mit solchen Aussagen auf. Schwule sind ja eher Frauen als Männer, genauso wie Lesben eher Männer als Frauen sind. Dass die Sexualität mal nichts mit den individuellen Präferenzen bezüglich der persönlichen Gestaltung des Aussehens zu tun hat, ist scheinbar egal. Jeder Mann hat genauso das Recht sich zu schminken, wie es normalerweise von Frauen erwartet wird.

Rasierte Beine bei Männern sind voll unmännlich! Alle Frauen müssen sich überall rasieren, sonst sind sie zu männlich!

Selbes Spiel wie vorher, mit Hygiene hat das übrigens auch nicht viel zu tun. Gut, ich gehöre sowieso zu den Frauen, die es nicht stört, ob sie nun an manchen Körperstellen behaart sind oder nicht, weil ich aus mir unerfindlichen Gründen an Armen und Beinen blond bin. Allerdings ist es bei jedem, egal ob nun schwarz, blond, lila oder was auch immer vollkommen egal, Hauptsache, der Person gefällt es.

Frauen dürfen sich nicht nackt zeigen, dann sind die ja voll billig!

Überraschung, eine leicht bekleidete oder nackte Frau ist kein Grund, sie irgendwie als billig oder leicht zu haben anzusehen. Sie selbst kann frei über ihr Sexualleben entscheiden und genau danach sollte sie auch niemand beurteilen. Es ist ihre Sache, es ist kein Grund, jemanden zu verurteilen, weil er sexuell offen und aktiv ist. Dadurch wird auch niemand beschmutzt und eine Vagina leiert sich dadurch nicht aus. Ein Mund leiert sich ja auch nicht dadurch aus, dass oft große Burger gegessen werden.

An dieser Stelle könnte ich natürlich noch viele weitere Klischees auflisten, die mir so begegnen und einfallen. Allerdings ist denke ich klar geworden, dass es vollkommen egal ist, wie ein Mensch sich gestaltet, es ist eine persönliche Sache. Klar, bei der (Sexual-) Partnerwahl spielen auch wieder die persönlichen Präferenzen mit, die der jeweils andere im Idealfall alle erfüllt. Allerdings sollte man die nicht jeder Person, die einem gerade über den Weg läuft, aufzwingen. Ich mag generell Menschen, die etwas ausgefallener sind, ich empfinde meistens bunte Haare als attraktiv, sofern es zu dem jeweiligen Menschen passt. Muss nun jeder meiner Meinung nach mit bunten Haaren durch die Welt laufen? Nö. Es ist meine persönliche Präferenz und die habe ich niemandem aufzuzwingen. Klar ist es super, wenn mein Gegenüber dies erfüllt und ich zufälligerweise in irgendeiner Art ein berechtigtes Interesse an seinem Aussehen habe, aber deswegen muss nun niemand meinem persönlichen Schönheitsideal entsprechen. Und mit dem gesellschaftlichen Ideal sollte es eigentlich genauso laufen.

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