Analsex, Darkrooms und BDSM im Aufklärungsunterricht?

Hallo Welt,

heute geht es um ein Thema, das vor kurzem wieder durch die Medien gegangen ist. Es soll diesmal um Sexualkunde gehen oder das Wort, das ich in dem Kontext bevorzuge, nämlich Aufklärungsunterricht. Meiner Meinung nach sollte es dabei nämlich nicht nur um sexuelle Gegebenheiten gehen. Hintergrund der Diskussion ist unter anderem hier zu finden.

Bevor ich mich allerdings dem Thema widme, was ich denke, was allgemein so im Aufklärungsunterricht von der Schule aus wann behandelt werden sollte, werde ich mich erst einmal mit der erwähnten Kampagne, Schule der Vielfalt, auseinander setzen und ob das auf der Onlinepräsenz wirklich so extrem ist, wie es in den meisten Medien dargestellt wird. An sich ist das Projekt, was den ersten Blick angeht, zu befürworten. Zunächst einmal geht es um die Bekämpfung von Homophobie an Schulen, daneben noch um den Abbau von Diskriminierungen gegenüber Leuten, die irgendwie der Queer- oder LGBT+-Community angehören. Allerdings gibt es ja hauptsächlich Kritik bezüglich der Lehrmaterialien im Punkt Rollenspiele. Genau das habe ich versucht, mir anzuschauen. Ja, versucht. Als ich für diesen Blogbeitrag recherchiert habe, hat mir die Seite gesagt, dass die pdf-Datei bezüglich dem kompletten Modul wohl nicht (mehr) verfügbar ist.

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Gerade an dieser Stelle wäre es sehr interessant gewesen, sich das alles anzuschauen, was so kritisiert wird, aber an der Stelle tut es mir Leid, dass ich das Dokument nicht finde. Wenn der Link wieder funktionieren sollte oder jemand die entsprechende Datei hat, ich bin dafür zu haben und an dieser Stelle kann ich das dann gerne wieder aufgreifen. Daher werde ich nun auf die vermutlich etwas weniger inhaltreiche Übersichtsseite zu Rollenspielen zurückgreifen. Hier finden wir keine konkreten Informationen zu irgendeiner Art der Rollenspielen, in der Anleitung ist lediglich folgender Hinweis noch dazu gegeben:

Grundsätzlich sollten Rollenspiele freiwillig erfolgen. Da in drei der vier Rollenspiele Lesben bzw. Schwule auftreten, sollte die Rollenverteilung unter den Freiwilligen per Los erfolgen, um keine Schülerin/keinen Schüler unter Rechtfertigungsdruck zu setzen.

Dieser Hinweis ist bezüglich der weiteren Diskussion zur Schule über Vielfalt meiner Meinung nach unglaublich wichtig. Es wird also kein kleines Kind dazu gezwungen, Analsex oder ähnliche Praktiken darstellen zu müssen, wenn es das nicht will. Einvernehmen bezüglich jeglichen sexuellen Handlungen ist verdammt wichtig und sollte auch schon in jüngeren Jahren, also hier ist die Rede von Klasse 7, gelehrt werden. Der Punkt ist hier allerdings, dass die meisten Kinder in dem Alter noch nicht wissen, was Analsex ist und selbst, wenn es einer nicht weiß, könnte man dessen Schamgefühl verletzen. Wenn ich mich an die Zeit in der siebten Klasse zurück erinnere, wusste ich persönlich noch nicht, was Analsex ist. Ich habe mich da immer gefragt, warum einige aus meiner Klasse das Wort Uralsee zu Analsee umwandelten und sich dabei kaputt lachten. So viel dann auch zu Reife bei dem Thema. Da ich im Grunde genommen nur die Informationen aus den Medien habe und die wenigen, die Schule der Vielfalt selbst hat, greife ich kurz Rollenspiele mit Dildos, Analsex, BDSM, den Bau eines Bordells und was weiß ich noch alles auf. Davon bin ich kein großer Fan. Die meisten Schüler sind dafür entweder zu jung oder haben es schon geschafft, sich dank Internet selbst aufzuklären. Wenn an irgendeinem dieser Themen ernsthaftes Interesse besteht, dann wird derjenige sich auch intensiv damit beschäftigen. Es ist zwar okay, ab einem gewissen Alter mal am Rande davon gehört zu haben, damit man weiß, dass es noch etwas anderes als die eigene, sexuelle Norm gibt, aber das gleich nachzuspielen halte ich für fragwürdig. Anders sieht es meiner Meinung nach im Bereiche der alltäglicheren Rollenspiele aus. Hier bin ich der Ansicht, dass Kinder ruhig mal eine Diskriminierungssituation darstellen können, um mal ein Beispiel zu nennen, wie ich mir das vorstellen könnte:
Schüler A: „Ey, ich hab gehört, du bist eine Schwuchtel!“
Schüler B: „Ich habe doch nur einen Freund wie ihre eine Freundin.“
Schüler C: „Schwuchtel, Schwuchtel!“
Damit soll dann im Idealfall gezeigt werden, was eben nicht okay ist, wenn Homophobie in der Klasse denn wirklich auftritt. Wenn alle lieb und tolerant sind, kann man auch gerne Rollenspiele durchführen, in denen Homosexuelle dann so behandelt werden, wie sie es eigentlich auch sollten, nämlich wie ganz normale Menschen, was sie ja letztlich auch sind. Sexuelle Handlung müssen da nicht nachgestellt werden, wenn denn was zum Thema Diskriminierung gegen Queer und LGBT+ gemacht werden soll. Übrigens habe ich mir mal den Spaß gemacht, die Suche auf der Seite Schule der Vielfalt mit verschiedenen Suchbegriffen zu füttern. Zu Dildo, anal, Darkroom, BDSM, Fetisch, Vibrator, Sexspielzeug, Lecktuch (was eigentlich ja eine Verhütungsmethode ist, was wichtig werden kann, sobald die sexuelle Handlung einen Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen involviert), Kondom (auch ein nicht unwichtiges Verhütungsmittel, sobald ein Mensch mit männlichen Geschlechtsorganen dabei ist), Penis und Vagina gibt es keinen einzigen Treffer. Zu SM gibt es lustigerweise Treffer, das sind dann aber meistens einfach nur Wörter, in denen irgendwie die Buchstaben S und M hintereinander vorkommen:

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Ähnliches Spiel hat man bei der Suche nach dem Wort Sex. Da das Wort Homosexualität nun einmal die Buchstaben S, E und X hintereinander enthält und es sich um ein Projekt gegen die Diskriminierung von Homosexualität handelt, ist es irgendwo logisch, dass dieser Begriff auftaucht. Da gibt es nur wenig interessante Dinge, beispielsweise das Begriffslexion zum Abgrenzen von Begriffen und es werden sogar Filme ab 16 aufgegriffen. Da gibt es wirklich Schlimmeres, vor allem, weil in meiner Schulzeit auch Filme mit FSK 16 geschaut worden, obwohl nicht alle Anwesenden zu diesem Zeitpunkt 16 waren. Das interessiert in der Regel auch nicht groß, vor allem nicht die Eltern, wenn es mal um ein bisschen mehr Gewalt geht. Die Schule für Vielfalt scheint also eigentlich gar nicht so schlimm zu sein, wenn man von dem Punkt absieht, dass gewisse Rollenspiele keine Option darstellen sollten.

In diesem Zusammenhang wird jedoch auch SCHLAU NRW kritisiert, was ich mir in dem Zusammenhang auch mal ansehen will. Dazu habe ich diesmal funktionsfähige Infomaterialien gefunden, an denen ich mich orientieren will. Dort steht explizit ganz weit vorne schon einmal das drin:

Werden die Jugendlichen in euren Workshops mit Sexualität konfrontiert?

Nein. SCHLAU macht keine Sexualaufklärung, sondern Antidiskriminierungsarbeit. Das bedeutet, dass wir mit den Jugendlichen über Lebensentwürfe und Familienmodelle, über Coming‐out und Diskriminierung sprechen.

Hört sich doch schon einmal gut an, dass hier kein Workshop im Sinne von sexueller Aufklärung bezüglich aller Bereiche der Sexualität, also auch beispielsweise verschiedene Fetische genaustens unter die Lupe genommen werden, stattfindet. Es wird sogar auf die kritisierten Rollenspiele eingegangen:

Wir haben von Methoden gehört, in denen Jugendliche einen Puff planen oder sich Lieblingsstellungen ausdenken sollen. Wendet ihr solche Methoden an?

Nein. In unseren Methoden geht es um Diskriminierung, Klischees, Familienbilder oder allgemein um gesellschaftliche Privilegien. Die Jugendlichen planen keinen Puff, denken sich keine Lieblingsstellungen aus und spielen auch sonst keine Stellungen nach. Alle von uns genutzten Methoden respektieren die Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Jugendlichen.

Laut Projekt scheint es also keine solcher Methoden zu geben. Auch wird scheinbar auf die Freiwilligkeit großen Wert gelegt:

Können die Jugendlichen eure Workshops verlassen?

Ja. Dies ist selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt des Workshops möglich. Die Lehrkraft hat für diesen Fall alternative Aufgaben und Themen parat.

Was ich etwas schade finde an diesen Aufklärungsprojekten ist, dass die Queer-Community sich rein auf die Sexualitäten und die Geschlechteridentitäten dreht. Ich persönliche sehe Menschen, die in irgendeiner Weise dem Bild von zwei Menschen, die eine Beziehung führen und nur miteinander auf sexueller Ebene interagieren, auch als Teil der Queer-Community, sowie bestimmte Fetisch- und BDSM-Bereiche. Insofern kann man die beiden Organisationen in ihrer Außendarstellung nicht kritisieren. Da will ich mich allerdings selbst in meiner Aussage einschränken, weil ich keine Ahnung davon habe, was die Materialien von Schule der Vielfalt enthalten haben, aber dazu habe ich weiter oben ja schon was geschrieben.

Nachdem ich mich nun also mit verschiedenen Konzepten der Aufklärung befasst habe, stellt sich natürlich die Frage, inwiefern ich persönlich denke, wie genau in Schulen aufgeklärt werden muss. Das lässt sich eigentlich ganz simpel beantworten: Altersgerecht. Ein Grundschüler wird mit Begrifflichkeiten und Abgrenzungen von Bi- und Pansexualität vermutlich irgendwo überfordert sein und es wird ihn gar nicht interessieren. Es reicht in dem Fall doch einfach, wenn ihnen beigebracht wird, dass es Männer gibt, die Frauen lieben, Männer, die Männer lieben, Frauen, die Frauen lieben, Männer, die Männer und Frauen lieben und Frauen, die Männer und Frauen lieben. Manchmal sogar mehr als eine Person. Bezüglich Geschlechtsidentität kann man auch ganz einfach sagen, dass es Mädchen gibt, die eigentlich Jungen sind und Jungen, die eigentlich Mädchen sind. Bezüglich Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, bin ich mir unsicher, aber ich habe noch die Hoffnung, dass Kindern das Geschlecht irgendwie egal ist, auch wenn es oft heißt „Ich spiele aber nicht mit Jungs/Mädchen!“ Irgendwie habe ich das schon in meiner Kindheit nicht ganz verstanden. Ich war quasi irgendwie Post Gender von Beginn an. In meiner Kindheit sind mir auch nicht viele Geschlechterklischees durch meine Eltern begegnet, die haben mir gerne ’ne Barbie-Puppe gekauft und eine Carrera-Rennbahn mein halbes Zimmer blockieren lassen. Ich wünschte, jedes Kind hätte die Chance so aufzuwachsen und nicht in Geschlechterklischees gezwungen zu werden, nur weil die Eltern eben ein Kind von diesem oder jenen Geschlecht bekommen haben. Irgendwann werden die Kinder dann auch so langsam zu Jugendlichen. So in der siebten bis achten Klasse würde ich es dann als wichtig erachten, dass sie bestmöglich über Safer Sex aufgeklärt werden, wenn das nicht sowieso schon die Eltern tun. Auch gerade Verhütungsmittel wie die Kupferkette, worüber ich schon mal gebloggt habe, die eher unkonventionell sind oder Lecktücher, die ich bereits weiter oben schon einmal erwähnt habe, sollten ein Teil des Unterrichts werden, natürlich noch immer mit Betonung auf Kondom, weil das eben vor sexuellen Krankheiten schützt. Besonders Wert sollte meiner Meinung auch darauf gelegt werden, dass sexuelle Handlungen jeglicher Art immer einvernehmlich sein müssen. Hier würde ich besonders an die Jugendlichen appellieren, dass das, was einvernehmlich ist, in den meisten Fällen auch zu respektieren und zu akzeptieren ist. Das betrifft dann den ganzen Bereich bezüglich anderer Sexualitäten als die Heterosexualität, wobei gerade der noch einmal extra erwähnt werden sollte, genauso wie Polyamory. Verschiedene Fetische, der Lack-, Leder- und Latexbereich, sowie BDSM müssen nicht extra erwähnt werden. Das fällt meiner Meinung nach unter sexuelle Praktiken, die vollkommen okay sind, weil und vor allem wenn sie einvernehmlich ablaufen. Geschlechtsidentität wird in dem Zusammenhang vermutlich wieder wichtiger und hier kann man die Dinge wirklich beim Namen nennen. Ein ungefähr 14-jähriger Jugendlicher sollte nicht damit überfordert sein, wenn er sich grob im Bereich der verschiedenen Geschlechter auskennt und die Begriffe männlich, weiblich, nicht-binär sowie cis und trans unterscheiden kann und alle Menschen eben trotzdem als Menschen zu bewerten sind, was aber auch klar ist. Das ist so das Basiswissen, was meiner Meinung nach jungen Menschen mitgegeben werden sollte. Wenn sie irgendwelche individuelleren Fragen haben, ist es natürlich immer schön, wenn kompetentes Lehrpersonal vorhanden ist, die notfalls auch im Privatgespräch helfen können. Davon kann man aber leider nicht immer ausgehen. Daher sollten vielleicht auch die ein oder anderen Vereine genannt werden, die sich mit solchen Thematiken beschäftigen. Am bekanntesten sollte da der LSVD sein, aber das Internet kennt da meistens auch eine Lösung, vor allem, wenn die Jugendlichen schon mal wissen, dass das, was sie da empfinden, etwas ganz Normales ist, wie jede weiter verbreitete Sexualität oder L(i)ebenseinstellung. Eine Aufklärung in diesem Maße hätte ich mir damals auch gewünscht, aber ich konnte relativ schnell lernen, dass auch mit mir alles normal ist, auch weil ich mich als queer identifiziere. Ich hoffe, dass es vielen Jugendlichen in Zukunft genauso geht, egal, ob sie queer sind oder nicht. Letztlich soll das Ganze ja einerseits auf sexuelle Aktivitäten vorbereiten, andererseits aber auch zeigen, dass nicht das standardmäßige Hetero-Pärchen das einzig Normale in dieser Gesellschaft ist.

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