Alltagssexismus – Emanzipation gerne, aber doch nicht im Fußball!?

Hallo Welt,

eigentlich hatte ich mir vorgenommen, es bei einem Blogbeitrag zur EM zu belassen. Fußball ist gar nicht mein Themengebiet und interessiert mich auch nicht. Allerdings bekomme ich dank sozialen Medien ab und an leider etwas von der EM mit. Finde ich nicht gut. Allerdings bin ich vor kurzem darauf gestoßen, dass die EM wohl teilweise von einer Frau kommentiert wurde. Das ist im Jahre 2016 etwas ganz normales, finde ich. Mir ist es doch egal, ob der, der ein Spiel kommentiert, sich nun als weiblich, männlich oder was auch immer identifiziert. Schon beim ersten Mal hat es einen ziemlich sexistischen Shitstorm hervorgerufen und wenn ich mich so im Internet umschaue, kommt es mir so vor, dass der Hauptgrund dafür ihre Weiblichkeit ist. Sie als Frau wagt es, Fußball zu kommentieren. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Frau wegen ihrer mangelnden Kompetenz kritisiert wird, ob das bei der besagten Kommentatorin der Fall ist, weiß ich schlicht und ergreifend nicht, weil ich mich nicht für die Europameisterschaft interessiere. Allerdings sehe ich die meiste Kritik aufgrund der Tatsache, dass sie eine Frau ist, als wäre das eine Einstellung gegenüber Fußball, die sie schon gleich als Moderatorin disqualifiziert. Um ein paar Beispiele zu zeigen:

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Ich frage mich ehrlich gesagt, warum das sein muss. Es fällt mir sogar schwer, diesmal auf die Vorwürfe einzugehen, warum eine Frau keinen Männerfußball kommentieren sollte. Sollen Tierdokus dann demnächst auch von Tieren kommentiert werden? Dokumentationen über Länder auch in deren Nationalsprache? Schlimm ist es ja auch, dass einige Frauen in ihren Kommentaren äußern, dass sie als Frauen es nicht okay finden, dass eine andere Frau Männerfußball kommentiert. Auch als Frau ist es möglich, sexistisch zu sein. Schließlich gab es auch einmal Frauen, die gegen das Frauenwahlrecht waren, weil sie als Frauen es nicht okay fanden.

Es ist traurig, dass wir 2016 noch darüber reden, ob eine Frau Fußball kommentieren sollte oder nicht. Ich beneide da ehrlich gesagt auf lange Sicht die Welt, in der das Geschlecht wirklich egal sein wird für irgendeine berufliche Zukunft und sei es Fußballkommentatorin. Ich hoffe ja, dass diese Post Gender-Welt irgendwann verwirklicht wird und bis dahin werde ich weiter diese Form des Alltagssexismus kritisieren. Gerade bei diesem Thema ist es meiner Meinung nach vollkommen logisch, dass das Geschlecht eines Kommentators vollkommen egal für die erbrachte Leistung ist und die Kompetenz des Menschen, und nicht die seines Geschlechts, beurteilt werden soll.

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4 Gedanken zu “Alltagssexismus – Emanzipation gerne, aber doch nicht im Fußball!?

  1. Interessanterweise gibt es offenbar auch an der Leistung einiges auszusetzen (dabei beziehe ich mich auf den entsprechenden Ruhrbarone-Artikel). Schuld daran ist aber nicht sie selbst, sondern die Sendepraxis der öffentlich-rechtlichen Sender

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    • Klar, ihre Leistung darf man gerne in Frage stellen, wenn sie für diesen Job deshalb nicht geeignet ist. Allerdings ist der Großteil der Kritik gegen sie nun mal von Sexismus geprägt, daher auch die Beispiele, von denen ich theoretisch noch mehr hätte, aber ich beziehe mich mal auf die im Beitrag genannten.

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  2. Zweifelsohne haben sich hier einige in den Facebook-Kommentaren reichlich im Ton vergriffen. Man sollte hier aber differenzieren zwischen der Kritik gegen Frauen generell im Sportjournalismus oder Kritik gegen eine bestimmte Frau im Sportjournalismus. Letzteres kann durchaus berechtigt sein wie hier mMn. Die Zahl an weiblichen Sportjournalisten im Bereich Fußball ist nun einmal begrenzt und daher ist die Zahl derer, die ihr Handwerk wirklich beherrschen, umso begrenzter. Gegen eine Sabine Töpperwien als Radiokommentarorin auf WDR2 hat z.B. kaum einer etwas einzuwenden, weil sie ihren Job besser macht als Claudia Neumann und besser als viele ihrer männlichen Kollegen.

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    • Klar, das ist nämlich kein Problem, wenn Frauen halt nicht einfach nur wegen der Tatsache kritisiert werden, dass sie Frauen sind. Ich kann die Leistung von ihr generell nicht bewerten, das kann ich aber auch nicht bei anderen Sportjournalisten nicht.

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