Alltagssexismus – Trennung von Düften nach Geschlecht

Hallo Welt,

je öfter ich durch Einkaufsläden wie dm gehe, fällt mir immer wieder scharf ins Auge, dass zwischen Düften für Männer und Düften für Frauen unterschieden wird. Das ist allerdings noch nicht alles, was sich heute so finden lässt. So gibt es nicht nur Düfte für zwei Geschlechter, sondern auch Shampoos und viele andere Kosmetikartikel, und daraus lassen sich wunderbare Geschlechterklischees wie „Wenn ein Mann Rosenduft mag, dann ist er ja viel zu weiblich.“ oder „Eine Frau mit Männerdeo kann sich ja gleich eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen und eine Lesbe werden.“ ableiten. Dass jeder Mensch, wenn er denn Lust drauf hat, ruhig etwas mit Rosenduft benutzen darf und eine Frau mit kurzen Haaren, die Männerdeo benutzt nicht unbedingt homosexuell ist, ist auch irgendwo klar. Gerade letzteres ist dazu noch homophob. Vielleicht sollte ich auch noch eine Kategorie mit Alltagshomophobie basteln, aber das soll nicht das Thema dieses Beitrags sein.

Aber woher kommt das gerade im Bereich der Düfte her? Düfte wirken gerade bei der Partnerwahl als Mittel der Wahl und als anziehend. Inzwischen wurde ja auch schon nachgewiesen, dass der Körpergeruch mit der Wahl des Partners zusammenhängt. Aber auch schon im Artikel wird erwähnt, dass ein Zusammenhang zwischen Deo einer Person und der zukünftigen Partnerwahl nicht besteht.

Auch die Befürchtung, dass Deo, parfümierte Pflegeprodukte und Parfum das HLA-Profil verfälschen, ist unbegründet. „Riechrezeptoren sind spezifisch angelegt, manche reagieren ausschließlich auf HLA-Peptide“, erklärt der Geruchforscher. Sie springen also nur auf diese Düfte an, können andere gar nicht wahrnehmen und lassen sich deshalb auch von keiner noch so starken Duftwolke irritieren.

An der Stelle könnte ich nun sagen „Cool, Wissenschaft hat schon das Gegenteil bewiesen, dass Düfte in Männer und Frauen einzuteilen sind, um sich selbst entsprechend attraktiv zu machen“. Dann wäre der ganze Spaß an der Stelle schon vorbei und niemand müsste sich durch meine Aufregung über das Thema quälen. Da ich nunmal nicht dafür bekannt bin, mich so wortkarg über Alltagssexismus aufzuregen, ist es hier doch nicht zu Ende. Tut mir nicht leid.

An der Stelle kann man nun einwerfen, dass meine These, dass ein Mensch nicht durch ein Deo attraktiv wird, weil er einem bestimmten Geschlecht angehört und gerade den passenden Duft für sein Geschlecht verwendet, sondern das da wenn schon persönliche Präferenzen noch eine Rolle spielen, dass ich ja die sogenannten Pheromone vollkommen außer Acht lasse. Doch davor müssen wir erst einmal klären, was diese dubiosen Stoffe überhaupt sind. Die Meisten kennen sie als Sexualbotenstoffe zwischen Menschen, allerdings ist das nicht ihre einzige Funktion. Aber in diesem Fall wird auf gerade diese Funktion angespielt. Als einfacher Test kann nun gerne jeder schauen, wie viele Kosmetikprodukte, die so im Alltag verwendet werden, irgendwas, was nach Pheromonen aussieht, beinhalten. Viel Spaß bei der Suche, aber um es leichter zu machen, Achtung, Spoilergefahr, es wird sich sehr in Grenzen halten. Zwar gibt es extra Parfüms, die damit werben, dass sie Pheromone enthalten, die die Chancen beim Flirten erhöhen sollen, aber ob das nun wirklich einen Nutzen hat, ist fraglich (mir ist bewusst, dass die Welt nicht unbedingt die beste Quelle ist, allerdings ist es auf jeden Fall in Grundzügen brauchbar). Beim im Artikel erwähnten Stoff Hedion, auf schlau auch Methlydihydrojasmonat, konnte zwar eine unterschiedliche Reaktion im Gehirn von biologischen Männern und Frauen festgestellt werden, dennoch heißt das nun nicht, dass eine Person diesen Duft tragen muss und plötzlich springen alle Frauen darauf an. Interessant ist sowieso, dass Jasmin, ein Duft, der eher Frauen zugeschrieben wird, eine Wirkung auf Frauen haben soll. Da ist mal wieder zu sehen, wie willkürlich Geschlechterklischees eigentlich sind, sollte sich das im Laufe weiterer Forschungen in der Form bewahrheiten. Aber nur, um es noch einmal deutlich zu machen, das hier ist der Ausnahmefall, der sowieso noch genauer untersucht werden muss, wie er auf die Sexualität v0n Menschen wirkt. Daher kann dazu noch gar nicht was genauer gesagt werden, aber wenn es wirklich so offensichtlich wäre, dann wäre es auch nicht so schwer, neue Erkenntnisse in dem Bereich zu gewinnen. Ein Geschlechterklischee, das ein bestimmter Duft besser zu Frauen oder Männern passt, kann damit niemals ausreichend begründet werden.

Was mich in dem Zusammenhang aber auch ein wenig schockiert hat, ist, dass selbst Naturkosmetikmarken wie Alverde unterschiedliche Produkte für Frauen und Männer herstellen. So gibt es beispielsweise ein Shampoo mit Bier, suggeriert an der Stelle mal wieder schön, dass Bier nur etwas für echte Männer ist. Bier für gesunde Haare ist zwar schon ein alter Trick, aber gut. Das hat mich dann doch ehrlich gesagt etwas enttäuscht, ähnlich wie bei Paul Mitchell, die zwar größer sind und sich entsprechend der gewünschten Nachfrage anpassen, aber dennoch schade. Natürlich kann man an der Stelle damit argumentieren, dass Shampoos für Männer eher für kurze Haare und die für Frauen eher für längere Haare sind. Aber ich kann dann an der Stelle natürlich auch sagen, dass es genügend Männer mit langen und genügend Frauen mit kurzen Haaren gibt. Müssen die jetzt Männer- bzw. Frauenshampoo benutzen? Nö. Jegliche Haarpflegeprodukte lassen sich sowieso besser in Haarstrukturen unterscheiden. Auch lavera, die das allerdings etwas unauffälliger machen, unterscheiden zwischen den Geschlechtern. Ich sollte an der Stelle aber vielleicht auch die Marken erwähnen, die außerhalb meiner kosmetischen Filterbubble liegen wie Axe.

Dass diese Werbung nun nicht gerade Sexismus bekämpft, ist auch irgendwo klar. Und auch hier wird natürlich klar ein Duft als männlich beworben. Und was ist natürlich der Traum eines jeden Mannes? So viele Frauen wie möglich um sich zu scharen. Und da alle Frauen ja auf diesen einen Duft stehen, überwinden sie nicht nur biologische Grenzen, um zum Objekt der Begierde zu finden. Einteilung von Düften in Geschlecht finde ich sehr enttäuschend und ist nur ein weiteres Symptom unserer Gesellschaft, was den Alltagssexismus zeigt.

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3 Gedanken zu “Alltagssexismus – Trennung von Düften nach Geschlecht

  1. Danke. Gut geschrieben 🙂
    Ich benutze sehr wenig Duft, oft reicht mir auch ein duftendes Haaröl das ich nach meinem Geschmack mit ätherischem Öl bedufte.
    Ansonsten besitze ich auch zwei Männerparfums, bisher hat mich niemand entsetzt angeschaut 😀

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