Alltagssexismus – Coca Cola Light und Coca Cola Zero

Hallo Welt,

heute soll es um das Thema Alltagssexismus gehen. Ich kenne viele Leute, die finden Sexismus an sich doof. Wenn man nicht gerade ein Verfechter des schwachsinnigen Konzeptes „Die Frau gehört hinter den Herd“ ist, dann wird Sexismus auch normalerweise von sehr vielen Menschen abgelehnt. Dennoch findet sich in unserer Gesellschaft noch sehr viel Alltagssexismus wie „Eine Frau muss…“ und „Ein Mann ist nur ein richtiger Mann, wenn…“. Einsetzen lässt sich da quasi alles, was irgendwie den Geschlechterklischees entspricht. Neben „Eine Frau muss doch pink mögen“ reiht sich in diese Reihe oftmals auch was ein, was eigentlich nicht direkt vermutet wird. In letzter Zeit beobachte ich auch an mir, dass ich gegenüber der Form des Alltagssexismus sensibler geworden bin und möchte daher einfach mal über das reden, was mir entweder in letzter Zeit oder schon vor längerem begegnet ist. Daher habe ich einfach mal die neue Unterkategorie Alltagssexismus eingeführt, in der so was wie dieser Beitrag hier landen werden.

Warum gibt es eigentlich Coca Cola Light und Coca Cola Zero?

Zunächst mag diese Frage etwas sein, was nicht direkt mit Sexismus verknüpft wird und mir auch nicht zuerst aufgefallen ist, bis ich mit meinem Cousin mal darüber debattiert habe, was eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Sorten sein soll. Geschmacklich lassen die beiden Getränke sich meiner Meinung nach sowieso kaum unterscheiden, beides ist ein Gesöffs mit Süßstoffen, bei dem ich schon den Gedanken überhaupt den Geschmackstest durchzuführen, eklig finde. Natürlich will ich hier niemanden in seiner freien Entscheidung, Light oder Zero oder was auch immer zu trinken einschränken, nur ich persönlich kann mit Getränken, die Aspartam oder ähnliches enthalten, nichts (mehr) anfangen. Abgesehen von einem höchstens leichten geschmacklichen Unterschied ist schon die Werbung für die beiden Sorten sehr unterschiedlichen. Beginnen wir mal mit der Light-Version. Exemplarisch dazu soll mal dieser Werbespot sein.

Gezeigt wird ein typischer „Mädelsabend“ beim Feiern, wie er immer gerne dargestellt wird. Nur mal ein kleiner Test: Seht ihr in dem Video eine erhöhte Präsens von Männern oder einen Mann, der beim Coca Cola Light trinken gezeigt wird wie eine Frau? Achtung, Spoiler. Ich tue das nicht. Eindeutiger werden die Werbespots, wenn man sich mehrere anschaut. So bezieht sich eine Initiative der Herzgesundheit von Coca Cola Light nur auf Frauen, genauso ist die entsprechende Werbung dazu nur an Frauen gerichtet. Ein Herzinfarkt mag sich zwar bei Männer und Frauen unterschiedlich zeigen können, allerdings werden die Anzeichen eines Herzinfarktes bei jedem Vortrag darüber erwähnt, also warum sich bei Herzkrankheiten nur an Frauen richten, wenn man genau weiß, dass Herzkrankheiten insgesamt in den Industrieländern kein kleines Problem sind? Es existieren noch weitere Werbespots, die sich spezifisch an das typische Klischee der Frau richten, so auch mit dem Coca Cola Light-Mann, der Frauen erzählt, dass es ja echt sexy an ihnen allen ist, dass sie nie aufhören, neugierig zu sein. Nee, danke. Ich lasse mich ungern in solch ein Klischee reinzwängen, das sich auf etwa eine Hälfte der Menschheit bezieht. Wisst ihr, was an allen Frauen gleich ist? Dass sie Frauen sind und sich wie Frauen fühlen. Mehr gibt es da nicht, was auf alle Frauen in ihrer Gesamtheit zutrifft. Aber zurück zu Coca Cola. Ich habe vor gar nicht so langer Zeit sogar Plakate zu einem Gewinnspiel gesehen, dass es ermöglicht, den Coca Cola Light-Mann zu treffen. Ein Angebot, das vermutlich nur wenig Männer angenommen hätten.

Bekannter als die Werbung für Coca Cola Light ist die für die Zero-Version.

Auch hier wird, wie auch bei der Light-Version schnell klar, dass die Werbung sich an den typischen Klischee-Mann richtet, der den Abend lieber im Stadion statt bei seiner Freundin, um es ein zu überspitzen, eh kein Bock auf Fußball hat, weil Männersport, aber dann eine willige Frau zuhause erwartet. Eben das, was so die Wünsche eines Klischeemannes sein sollten. Genau das wird hier eingesetzt, um für ein Produkt zu werben, das eigentlich gar keine so großen Unterschieden zu der Variante Coca Cola Light aufweist. Also zwängen wir alle in ein Klischeemuster hinein und verkaufen unser Zeug. Kommen wir aber nun zu dem Aspekt, was Coca Cola selbst dazu sagt und ob ich mir das nicht alles doch aus den Fingern sauge.

So gibt es beispielsweise einen Test auf der Seite von Coca Cola Deutschland, auf der man selbst durch einige Fragen feststellen kann, welche Version nun die Richtige für den persönlichen Geschmack ist. Ich will zu dem Test eigentlich gar nicht viel der Worte verlieren. Meiner Meinung nach ist klar, dass hier die beiden oben genannten Zielgruppen angesprochen werden sollen. Scrollt man in die Kommentare, dann sieht man auch eine Antwort Coca Cola nach der Frage, ob die Werbung der Produkte nicht etwas nach Geschlechterstereotypen getrennt abläuft. Und die Antwort ist, welch Überraschung

in der Werbung richten wir uns bei Coke Zero eher an Männer und bei Coke light eher an Frauen.

q.e.d

Bleibt nur noch eine Frage: Warum thematisiere ich das überhaupt, wenn es nach etwas kurzer Überlegung schon offensichtlich ist, dass Coca Cola sich Zielgruppen anhand der Geschlechterklischees zusammenbastelt? Ich finde das zu einem eklig, dass Männer und Frauen in beiden Werbungen zu einem Klischee runter degradiert werden. Ich will hier anhand von Coca Cola einfach aufzeigen, dass es Werbung gibt, die immer noch verdammt sexistisch ist und dafür sensibilisieren. Zumindest muss man ja nicht so stark auf Geschlechterklischees setzen, um damit Gewinn zu generieren. Zum anderen scheint diese Werbung doch auf irgendeiner Ebene zu funktionieren, sonst wäre Coca Cola nicht so erfolgreich. Allerdings befürchte ich, dass die Werbung da nicht der ausschlaggebende Punkt ist. Schaut man sich an, welche Marken Coca Cola anbietet, so fällt auf, dass da doch verdammt viel dabei ist, was so täglich konsumiert wird. Selbst die neue Bio-Limonade von Vio, die das im ersten Moment gar nicht vermuten lässt, gehört zum Konzern dazu. Dennoch würde es den Konzern schon irgendwo treffen, wenn man von dort nichts mehr konsumieren würde, weil man die Werbung durch solche Geschlechterklischees nicht unterstützen will.

Da ich mich also nicht nur über Sexismus und einen Versuch des Boykotts von Coca Cola beschweren will, will ich an der Stelle noch ein paar positive Beispiele nennen, die eben nicht mit Sexismus werben. fritz-kola schafft es nicht, durch Sexismus aufzufallen, enthält allerdings auch nicht wenig Koffein und ist nichts für Leute, die sich an solchen Plakaten stören:

fritz-cola_was-ist-das-kampagne

Ich persönlich halte das allerdings nicht für verwerflich, weil ich die weibliche Brust nicht per se für ein Sexualobjekt halte. Sicherer ist man mit Club Mate Cola, dort ist auch nicht ganz so viel Koffein drin enthalten. Notfalls kann es sicherlich auch Pepsi sein, aber davon bin ich nicht gerade Fan. Außerdem haben Marken wie Lammsbräu eine eigene Cola und im Saarland könnte die Piranja Cola auch etwas bekannter sein. Von daher gesehen muss es nicht Coca Cola sein.

 

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2 Gedanken zu “Alltagssexismus – Coca Cola Light und Coca Cola Zero

  1. Mal ein wenig Geschichte: irgendwann fiel bei Coke auf, dass mehr Männer als Frauen Cola trinken. Folglich wollte man die Frauen als Zielgruppe erschließen. Das Resultat: Coke light
    Die Werbung und damit geprägt das Bild des Kunden ist halt eine Frau. Nicht unbedingt eine Klischeefrau, aber eben eine Frau. Und wenn man dann den Mann als (mittlerweile) pseudogesundheitsbewusste Zielgruppe, die bewusst nicht Coke light (wegen dem stereotypen Kundenbild) kaufen will, erzeugt man ein neues (fast identisches) Produkt mit anderer Bezeichnung. Marketingtechnisch ist das vollkommen legitim. Witzigerweise macht Cola das sogar verdammt clever, denn sie holen die Leute dort ab, wo sie sind. Denken wir doch mal an Serien wie Two broke girls…die einzige Existenzberechtigung dieser Serie kann darin liegen, dass sich Leute in dieser Klischeekiste wiederfinden. Das Problem am Sexismus ist, dass der Sexismus in den Köpfen steckt. Hier ist die Bildung in der Pflicht, nicht die Werbung. Sie ist nur eines der vielen Symptome

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    • Kleine Colaanbieter zeigen aber auch, dass es anders geht und Sexismus nicht unbedingt zwingend zu Werbung gehören muss. Klar, um Geld zu verdienen sind ziemlich viele Mittel legitim, damit auch Sexismus und natürlich äußert sich der Sexismus in der Gesellschaft auch in der Werbung, aber ich denke Coca Cola, gerade weil es eben Coca Cola ist, könnte auch eine Werbekampagne gegen Sexismus starten und letztlich würde es weiterhin getrunken werden. Nur der Konzern tut es nicht. Aus gesellschaftlicher Sicht gesehen handelt Coca Cola damit meiner Meinung nach verwerflich und könnte auch einfach nicht weiter Sexismus verbreiten, statt das stupide Klischeesdenken der Gesellschaft wiederzugeben. Menschen lassen sich nun mal nicht durch (Geschlechter-)Klischees beschreiben.

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