#GiveElsaAGirlfriend -Liebesbeziehungen in Kinderfilmen

Hallo Welt,

auf Twitter bin ich heute auf etwas gestoßen, was mich persönlich erschrocken hat. Wie die Überschrift schon sagt, geht es um #GiveElsaAGirlfriend, was sich auf den Disney-Film Frozen (oder zu deutsch: Die Eiskönigin – Völlig unverfroren) bezieht, in dem Elsa, die Hauptfigur, noch keinen Prinzen und noch keine Prinzessin gefunden hat, was sich allerdings im von Disney angekündigten zweiten Teil ändern könnte. Daraus ist dann die Bewegung und Forderung entstanden, dass Elsa im nächsten Teil eine Freundin bekommen sollte.

Aus meiner Sicht finde ich die Idee echt super. Elsa ist aktuell die wohl beliebteste Disneyfigur, wenn ich mich so umsehe. Selbst ein Biologie-Kurs Klassenstufe 11 ließ sich von dem Film verzaubern. Und der Kurs würde sich genauso davon verzaubern lassen, wenn Elsa eine Prinzessin an ihre Seite bekäme. Streng genommen ist Frozen wohl auch kein Kinderfilm, weil auch einige „ältere“ Personen den Film mögen. So sind auch die Figuren als Cosplay beliebt. Ich denke, nichts oder nicht viel würde sich ändern, wenn Elsa eine Freundin bekäme. Die meisten Leute, die Frozen mögen, würden Frozen weiterhin mögen. Das Geschlecht von Elsas Partner würde schlicht vielleicht für ein paar Stunden, allerhöchstens ein paar Tage für Diskussionsbedarf sorgen. Sie wäre nicht der erste nicht heterosexuelle Hauptcharakter einer Serie, die auch Kinder unter ihren Zuschauern haben. So führt beispielsweise Korra, die Hauptfigur der Nachfolgeserie von Avatar – Der Herr der Elemente Avatar – Die Legende von Korra eine Beziehung mit einer Frau. Ich sehe schon die Scharen an Kindern, die jetzt plötzlich durch den negativen Einfluss dieser Serie homosexuell werden. Oder sich ekeln. Oder sofort Satanisten werden. In den Kommentaren zu #GiveElsaABoyfriend habe ich beispielsweise gelesen, dass man dadurch ja gegen Gott kämpfen würde, wenn sie eine Freundin bekäme. Man könnte an dieser Stelle die Diskussion auf eine religiöse Ebene heben, weil Gott laut Glauben ja alle Menschen liebt und sowieso jeder zu Gott finden wird, zumindest im Christentum. Aber da will ich eigentlich gar nicht hin. Ich will zu dem Punkt, an dem ich sagen kann, dass Kinder dadurch nicht negativ beeinträchtigt werden. Kinder sind aller Regel noch offene, tolerante Wesen. Für Kinder ist es okay, wenn eine Frau mit einem Mann zusammen ist. Für Kinder ist es aber auch okay, wenn eine Frau mit einer Frau oder ein Mann mit einem Mann oder nach einer kurzen Erklärung auch eine Frau mit einer Frau und einem Mann (die Konstellationen ließen sich hier beliebig erweitern) zusammen ist. Das funktioniert dann eben, das ist nichts, worüber man groß reden müsste. Leider bleiben Kinder keine offenen, toleranten Wesen, sondern das Elternhaus hat da einen nicht gerade geringen Einfluss. Es ist auf jeden Fall super, wenn die Eltern dabei ihren Kindern beibringen, dass alle einvernehmlichen Beziehungen zwischen frei entscheidenen Menschen okay sind. Es ist allerdings gar nicht mehr so super, wenn Kinder mitbekommen, wie ihre Eltern über Homosexuelle lästern und Wörter wie „schwul“ als Beleidigung nutzen. Das schauen Kinder sich in aller Regel ab und alleine dadurch bekommt Homosexualität schon im kleinen Alter einen negativen Touch. Im Laufe der Jahre übernehmen Kinder leicht die Einstellung ihrer Eltern. Und wenn die intolerant ist, ist das leider nicht so schön. Natürlich gibt es auch einige Stufen dazwischen, beispielsweise Eltern, die Homosexualität an sich okay finden, aber nicht wollen, dass ihre Kinder homosexuell werden. Das ist eine Einstellung, die ich durchaus als intolerant bezeichne. Vor allem ist es nicht schön, wenn das vor einem Kind oder Jugendlichen geäußert wird, die homosexuell sind, aber noch nicht mit ihren Eltern darüber geredet haben, eben weil sie sich nicht getraut haben. Figuren wie eine homosexuelle Elsa oder eine bisexuelle Korra könnten an der Stelle eine Art Person sein, mit der man sich identifizieren kann, eine Person, die man bewundern kann und deren Fan man sein kann. Im Prozess der Akzeptanz gegenüber sich selbst hilft so was. Es ist ganz normal, Vorbild XY, auch wenn es nur eine animierte Figur ist, geht es genauso wie mir. Es ist alles okay mit mir, niemand hat das Recht, mich deswegen zu diskriminieren. Natürlich könnten sehr homophobe Eltern ihren Kindern verbieten, den entsprechenden Film zu schauen. Aber Kinder haben Freunde und Freunde erzählen bereitwillig von neuen Figuren und von Elsas Prinzessin und/oder Prinz. Vielleicht schauen sie den Film ja sogar gemeinsam auf DVD, wer weiß.

Akzeptanz könnte solch ein Film aber nicht nur für ein Individuum schaffen. Eine homosexuelle Hauptfigur in einem (Kinder-)Film wäre zwar nicht mehr etwas ganz Neues, aber vergleicht man die Reichweite von Frozen und Avatar – Die Legende von Korra bemerkt man leicht, dass Frozen bekannter ist. Es würde insgesamt mehr Akzeptanz in die Gesellschaft bringen. Kinder könnten direkt mit der Vorstellung aufwachsen, dass nicht heteronormative Beziehungen eine ganz normale Sache sind. Klar, Homosexuelle (und alle anderen nicht Heterosexuellen) sind nur eine Minderheit. Diese Minderheit ist allerdings genauso ein Teil der Gesellschaft wie heterosexuelle Menschen, manche Studien gehen sogar von bis zu 10% Homosexuellen in der Gesellschaft aus. Der Wert ist vermutlich etwas hoch gegriffen, allerdings ist Homosexualität auf jeden Fall präsent. Dass es für Schimpfwörter wie „Schwuchtel“ reicht und homosexuelle Männer als unmännlich beschimpft werden, scheint auf jeden Fall nicht das Problem von Menschen zu sein, die rumjammern, dass Homosexualität ja viel zu präsent ist und die ja immer eine Extrawurst wollen. Dann müsste man jeder Minderheit ja eine Extrawurst geben. Dann müsste Elsa eine trans*, dick gebaute, dunkelhäutig Person sein, wenn man ja alle Minderheiten berücksichtigen will. Allein mathematisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine trans*-Person, die dazu noch dunkelhäutig und dick gebaut ist, homosexuell ist, geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine beliebige Person homosexuell ist, unabhängig von der Identifikation des Geschlechts, Hautfarbe und Körperbau. Falls man allerdings solche Personen abbilden will, gerne. Die Disney-Prinzessin Jasmin greift eine andere Kultur als die westliche auf, die Prinzessin aus Küss den Frosch ist dunkelhäutig. Disney greift also auch andere Minderheiten auf, nur denen, die schreien, dass dann ja jede Minderheit ihre Extrawurst fordern kann, scheint das vollkommen egal zu sein oder es ist noch nicht einmal aufgefallen. Außerdem finde ich es gut, dass alle Vielfalten der Menschen nach und nach auch in Kinderfilmen von Disney aufgegriffen werden. Warum also keine homosexuelle Hauptfigur?

In Deutschland wäre das auch vor allem unter dem Aspekt interessant, dass Maxdome nun die Kategorie „Queer“ gestrichen und offenbar einen Großteil der Serien und Filme mit entsprechendem Inhalt entfernt hat. Mit der Begründung, dass sie ja familienfreundlicher werden wollen, könnte Disney nun mit einer homosexuellen Prinzessin dem sozusagen entgegentreten. Familienfreundliche Filme können natürlich auch homosexuelle Beziehungen enthalten. Das sollte meiner Meinung nach die politische Botschaft in diesem Fall sein, weil es im ersten Moment ja vollkommen egal erscheint, welches Geschlecht nun der Partner des Hauptcharakters haben soll. Normalerweise ist es das auch, obwohl ich mir wünsche, in der Zukunft in Filmen mitfiebern zu können, welches Geschlecht der Partner nun hat, weil das nun einmal die Auswahl vergrößert und wie viele Partner der Hauptcharakter überhaupt hat. Es sollte meiner Meinung nach einfach gut in die gesamte Story passen. Allerdings ist das Geschlecht des Partners der Hauptfigur nicht mehr egal, wenn es politisch wird. Und genau das ist hier der Fall, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Daher #GiveElsaAGirlfriend

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Ein Gedanke zu “#GiveElsaAGirlfriend -Liebesbeziehungen in Kinderfilmen

  1. Pingback: Polyamory in Filmen und Serien für Kinder und Jugendliche? | Blue1337Blood

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